«Wir sind fassungs- und ratlos»: Seit zehn Jahren kämpft die Maron AG erfolglos um die Baubewilligung für ein Wohn- und Gewerbehaus in Romanshorn

Die Stadt versuche mit immer neuen fadenscheinigen Argumenten, das Projekt zu verhindern, sagt Firmenchef Thomas Maron. «Ich weiss nicht, wo der Hund begraben ist.» Im Moment liegt der Fall - wieder einmal - beim Kanton.

Markus Schoch
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Auf einem Zettel im Schaufenster ihrer Liegenschaft an der Hafenstrasse verschafft die Maron AG ihrem Ärger Luft.

Auf einem Zettel im Schaufenster ihrer Liegenschaft an der Hafenstrasse verschafft die Maron AG ihrem Ärger Luft.

(Bild: Reto Martin) 

Für ein paar Monate war die öffentliche Anklage weg. Jetzt hängt sie wieder im Schaufenster der leer stehenden Liegenschaft an der Hafenstrasse 1 in Romanshorn. Das Verhalten des Stadtrates grenze an Rechtsverweigerung, steht dort auf einem Blatt.

Es geht um ein Wohn- und Gewerbehaus, das die Maron AG zwischen Hafenstrasse und Schützengasse gerne bauen würde. Die im Bereich Sonnenschutz tätige Romanshorner Firma wartet seit zehn Jahren auf eine Baubewilligung für das Projekt beziehungsweise auf eine Abbruchbewilligung des bestehenden Fabrikgebäudes. Firmenchef Thomas Maron hatte gehofft, mit dem neuen Stadtrat werde es endlich vorwärts gehen.

Der neue Stadtrat sieht die Sache gleich wie der alte

Doch diese Hoffnung erwies sich als Irrtum. Bereits im September war sein Optimismus wieder verflogen, als ihm der Vize-Stadtpräsident mündlich eröffnete, die Stadt könne die Baubewilligung immer noch nicht erteilen - und auch nicht die Abbruchgenehmigung. Den formellen Entscheid erhielt Maron am 19. November. Am 10. Dezember reichte der Unternehmer Rekurs beim zuständigen Departement für Bau und Umwelt ein.

Es ist jetzt schon das vierte Mal, das Maron in dieser Angelegenheit an den Kanton gelangt in der Hoffnung, doch noch irgendwann Recht zu bekommen. Zuletzt wiesen die zuständigen Stellen in Frauenfeld das Verfahren wegen Formfehlern auf Seiten der Verwaltung zurück an die Stadt. In der Beurteilung des Projektes hat sich bei ihr aber nichts geändert: Es ist nach wie vor noch nicht alles so, wie es nach Meinung der Stadt sein müsste. Maron fühlt sich hingehalten und hat deshalb bereits vor zwei Jahren eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht - der Entscheid in dieser Sache ist offen.

«Wir bekommen immer neue Ausreden zu hören»

Er habe keine Ahnung, wo der Hund letztlich begraben sei, sagt Maron. «Wir bekommen immer nur neue fadenscheinige Ausreden zu hören und sind deshalb ebenso fassungs- wie ratlos.» Das Projekt entspreche dem noch heute gültigen Kernzonenplan. Es brauche auch keine Ausnahmebewilligung. Und die Nachbarn hätten keine Einwände. Die Stadt bringe aber immer wieder neue und willkürliche Vorbehalte gegen das Projekt vor, um es zu verhindern, sagt Maron.

Thomas Maron, Geschäftsführer der Maron AG.

Thomas Maron, Geschäftsführer der Maron AG.

(Bild: PD)

Aktuell gehe es unter anderem plötzlich um die Gebäudehöhe im Erdgeschoss, «obschon diese bereits bewilligungsfähig zugesichert wurde». Die Stadt hält die Überbauung auch deshalb nicht für zulässig, weil es gemäss gültigem Gestaltungsplan nur eine Tiefgarage auf dem Gelände zwischen Allee-, Bahnhof- und Hafenstrasse geben soll, erschlossen mit einer einzigen Zu- und Wegfahrt über die Hafenstrasse. Weil die Maron AG aber nur für sich und ohne verbindliche Absprache mit den Nachbarn eine Tiefgarage bauen wolle, führe das dazu, dass es eine zweite Zu- und Wegfahrt geben werde. Beispielsweise dann, wenn die Stutz AG ihre östlich angrenzende Parzelle entwickeln sollte. Mit dem Gedanken trägt sich die Baufirma seit längerem.

Dieser Einwand sei haltlos, argumentiert die Maron AG im Rekurs. Sie seien im Gespräch mit der Firma Stutz, die ihre Pläne kenne. «Wir haben ihr schriftliches Einverständnis», sagt Thomas Maron. Es gebe zudem «zwei Durchbruchmöglichkeiten zur Realisierung einer gemeinsamen Tiefgarage.» Die Stadt bezweifelt, dass ein «problemloser Anschlusss (...) möglich ist.»

Öffentliches Interesse wird massiv verletzt

Das öffentliche Interesse würde mit dem vorliegenden Projekt nach Meinung der Stadt auch in anderer Hinsicht massiv verletzt. «Es würde ein Widerspruch zum künftig geltenden und von der aktuellen Bauordnung wenig abweichenden Recht geschaffen, noch bevor das neue Recht in Kraft getreten ist.» Und weiter:

«Die Gestaltung des Neubaus als kompakter und massiver Baukörper steht im Gegensatz zum Gestaltungsplanziel der halboffenen Bauweise mit grünem Innenhöfen.» 

Optisch kann die Stadt dem Bau auch nicht viel abgewinnen. Er weise keinerlei besondere architektonische Qualität auf und füge sich nicht in die Umgebung ein.

Es stimme nicht, dass das Bauvorhaben dem geltenden Richt- beziehungsweise Gestaltungsplan widerspreche, hält die Anwältin der Maron AG dagegen. Die Einwände der Stadt seien rein subjektiver Natur und an den Haaren herbei gezogen. Sie würden jeglicher gesetzlicher Grundlage entbehren. Der Gestaltungsplan schreibe keinen besonderen Baustil vor. Und das Baugebiet liege weder in einem empfindlichen Teil des Ortsbildes noch in einer Schutzzone. «Wir haben das Projekt gemäss den gestalterischen Vorgaben der Stadt projektiert», ruft Maron in Erinnerung.

Die Stadt will sich mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht zur Auseinandersetzung äussern.

«Romanshorn soll die Wahl haben»

Die Arbeitgebervereinigung (AVR) unterstützt die Findungskommission für einen Gegenkandidaten zu Stadtpräsident David H. Bon. Laut Präsident Thomas Maron sucht sie ausserdem selbst nach neuen Stadträten.
Tanja von Arx