«Wir pflanzen Tiere»: Ehepaar aus Wuppenau pflegt Naturgarten

Margrit Gähler und Franz Bilger pflegen einen Naturgarten. Sie engagieren sich damit gegen das Artensterben in der Insekten- und Pflanzenwelt. Die beiden hatten deshalb schon das SRF zu Gast.

Viviane Vogel
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Hobby-Gärtner Margrit Gähler und Franz Bilger stehen hinter dem Teich und betrachten ihren Garten. (Bild: Andrea Stalder)

Hobby-Gärtner Margrit Gähler und Franz Bilger stehen hinter dem Teich und betrachten ihren Garten. (Bild: Andrea Stalder)

«Schaut schnell – eine Libelle schlüpft gerade!» An einem Grashalm hält sich tatsächlich ein Tier fest und wackelt mit dem Körper. Langsam zieht es sich aus seiner Puppe. Am Teich liegt ein spitziges Schneckenhäuschen, das ans Meer erinnert. Die Blätter des gemeinen Schneeballs hinter dem Teich weisen zahlreiche runde Löcher auf. An den Blumen brummen eifrige Hummeln und Bienen. Wohin man auch schaut, überall lebt’s.

Seit 30 Jahren wohnen Margrit Gähler und Franz Bilger in Wuppenau. «Wir kamen hier hin, um mein Elternhaus zu übernehmen», erklärt Bilger. Gähler fährt fort:

«Wir erschraken ob der Eintönigkeit der Flora, als wir vom Zürcher Oberland in den Thurgau zogen.»

Die beiden sahen Handlungsbedarf. «Viele Insekten sind Spezialisten. Sie sind auf eine gewisse Pflanze eingestellt und können folglich auch nur überleben, solange es diese eine Pflanzenart noch gibt und umgekehrt», erläutert Gähler. «Hält das Insektensterben weiter Einzug, verschwinden auch Pflanzenarten.» Ein Teufelskreis, der ebenso fatal für den Menschen sei.

«Wir brauchen einander, weil wir gemeinsam atmen.»

Gärtnerin und Bloggerin

Da in der Landwirtschaft Spritz- und Mähmethoden angewandt werden, die der Artenvielfalt schaden, sei es wichtig, dass Wildpflanzen Platz in Gärten und am Strassenrand finden. «Da tut sich schon was», sagt die ehemalige Primarlehrerin. «In der Verkehrszone finden sich viele Wildpflanzen und es gibt schon staatliche Interventionen in diesem Bereich.»

Gähler trägt zur Aufklärung mit einer Website über ihren Garten bei. Dort lädt sie eigene Fotos hoch, verlinkt hilfreiche Quellen und dokumentiert die eigene Arbeit. Der Naturgarten ist etwas verpönt, sagt Gähler. «Man könnte meinen, diese Art Garten sei ungepflegt. Aber nur, weil Wildpflanzen darin wachsen, ist er nicht verwildert.» Im Gegenteil, man müsse sich viel mit Pflanzen und dem Gärtnern befassen.

Eine Libelle hält sich an einem Grashalm fest und entschlüpft ihrer Puppe. (Bild: Andrea Stalder)

Eine Libelle hält sich an einem Grashalm fest und entschlüpft ihrer Puppe. (Bild: Andrea Stalder)

«Die Pflege ist weder teurer, noch viel aufwendiger als ein herkömmlicher Garten. Aber es braucht dafür viel Herzblut.» Einen Naturgarten sollte nur anlegen, wer sich daran erfreut und dafür interessiert.

Den beiden 72-Jährigen gefalle, wie man Tiere gewissermassen pflanzen könne. «Man kann Pflanzen einsetzen, und wenig später ist schon eine neue Insektenart da», sagt Gähler. Ihr Engagement hat auch schon das Schweizer Fernsehen angelockt. Der Naturgarten des Paars kam in der SRF-Sendung «Hinter den Hecken».

Viel Arbeit für wenige Minuten

«Das war sehr interessant», findet Gähler. «Aber auch herausfordernd», wirft Bilger dazwischen. «Man musste mehrmals das Gesagte wiederholen, wieder genau gleich durch den Garten gehen – und dabei so aussehen, als täte man es ganz spontan.» Fünfmal kam das Team zum Dreh nach Wuppenau.

«Wir nutzten die Aufmerksamkeit aber gerne, um die Idee des Naturgartens verbreiten zu können.»

Hinweis: Margrit Gählers Website: www.naturimgarten.ch