«Wir machen das aus Leidenschaft»: Die Arboner Seeretter feiern das Jubiläum ihres Flaggschiffes Sirius

Sie helfen Schiffbrüchigen, tauchen aber auch nach Brillen im Hafen: die Arboner Seeretter. Seit dreissig Jahren steht das Flaggschiff Sirius im Dienst.

Max Eichenberger
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Besucher lassen sich am Steg bei den Einsatzbooten Sirius (hinten) und Pollux erklären, wie die Seerettung funktioniert.

Besucher lassen sich am Steg bei den Einsatzbooten Sirius (hinten) und Pollux erklären, wie die Seerettung funktioniert.

Bild: me

Krasser könnten die Gegensätze nicht sein: Im alten Hafen beim Zollboothaus dümpelt das Motorschiff Mars, Baujahr 1922, im Wasser. Es hat eine lange Vergangenheit als Kleinpassagierschiff. Nach der Ausmusterung 1965 diente es der damals neu gegründeten Seerettung der SLRG Arbon als erstes Einsatzschiff. Für dessen Zwecke war das Boot umgerüstet worden.

Mit den gestiegenen Ansprüchen der Seerettung wurde der schnuckelige Oldtimer, der seither für Rundfahrten gebucht werden kann, ersetzt.

Rundfahrten für Besucher

Das neue Flaggschiff der Seerettung, Sirius, angetrieben durch zwei 300PS starke Motoren und 40 Stundenkilometer schnell, wirkt gegenüber der «Mars» tatsächlich wie von einem anderen Stern – obwohl «Sirius» auch bereits schon seit dreissig Jahren in Dienst steht. Das Jubiläum nahm die SLRG-Abteilung am Samstag zum Anlass, der Bevölkerung Einblick in ihre Aufgaben zu geben. Und natürlich konnten Interessierte auch Rundfahrten machen.

Crewmitglieder erklärten die moderne Elektronik an Bord. Und wie mit Radar, Wärmebildkamera und Hightech-Instrumenten in Seenot geratene Wassersportler metergenau angepeilt werden können. Ein leistungsfähiger Generator betreibt Seilwinde, Pumpen oder den Suchscheinwerfer. «Der Lichtkegel reicht 1,2 Kilometer weit», sagt Präsident Paul Rüegg. Bei Sonnenschein müssen es ihm die Besucher einfach glauben.

«Das Schiff mit seinem robusten Stahlrumpf ist auch heute noch in einem Top-Zustand und wird sicher noch dreissig Jahre seinen Dienst versehen können», sagt Rüegg. Die Elektronik ist da schnelllebiger. Dem Stand der Technik entsprechend ist denn auch einiges schon ersetzt worden, zum Beispiel der Radar. Auch neue Motoren bekam die «Sirius» eingebaut.

Rund 1200 Einsätze in dreissig Jahren

Seerettungschef Marc-André Meyer zufolge ist das Flaggschiff bis heute zu rund 1200 Einsätzen ausgelaufen. Seit 2004 haben die Seeretter zudem ein Schnelleingreifboot (Pollux) zur Verfügung. Das wendige Schlauchboot mit festem Rumpf ist vor allem für Einsätze in flacheren Ufergewässern prädestiniert.

Finanziell helfen die über 1700 Gönner, den Betrieb sicherzustellen. Viele sind Wassersportler und können Leistungen im Seenotfall unentgeltlich in Anspruch nehmen. Im Alarmfall ist 112 ist die internationale Notfallnummer. Je nach Meldeort loggen sich die Alarmanrufe in die nächste Notrufzentrale ein. Über das Handy lassen sich gleich auch die Koordinaten übermitteln.

Über eine Vereinbarung mit dem Kanton Thurgau ist die SLRG-Abteilung in den Seerettungsdienst der Seepolizei auf dem oberen Bodensee eingebunden. «Das Einsatzgebiet erstreckt sich von Höhe Romanshorn bis Linie Goldacher Bucht», sagt Paul Rüegg. Bei grösseren internationalen Suchaktionen darüber hinaus. 18 ehrenamtlich tätige SLRG-Mitglieder erfüllen den Seerettungsdienst, in den Wintermonaten wird ein reduzierter Dienst aufrechterhalten. Aus verschiedenen Berufen bringen die Seeretter Know-how ein. «Wir machen das alle aus Leidenschaft», sagt Rüegg. Auch Tauchaufträge führen sie aus.

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