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«Wir lassen uns nicht abspeisen»: Widerstand gegen die laute Kreuzlinger Stadtkirche flammt wieder auf

Die katholische Kirche hat die Lärmklagen gegen den nächtlichen Glockenschlag mit einem Kompromiss erledigt. Die evangelische Kirche gab in diesem Streit bisher nicht nach. Doch die Beschwerdeführer setzen jetzt mit Flugblättern Druck auf.
Urs Brüschweiler
Den Glockenklang aus dem Turm der Stadtkirche empfinden einige Anwohner als aggressiv und metallisch. (Bild: Reto Martin)

Den Glockenklang aus dem Turm der Stadtkirche empfinden einige Anwohner als aggressiv und metallisch. (Bild: Reto Martin)

«Es gibt doch bestimmt noch mehr Bürger, die das nächtliche Gebimmel stört oder denen die Glocken zu laut sind», heisst es in dem Schreiben. Zwei Anwohner aus der Umgebung der evangelischen Stadtkirche haben in den vergangenen Wochen Flugblätter in die Briefkästen verteilt. Sie wollen von den Bewohnern der Strassenzüge rund um die Kirche wissen, was diese über den Glockenschlag denken, ob sie auch «lärmgeplagt» sind. Die beiden Initianten der Umfrage stehen mit Namen und Anschrift auf dem Flugblatt.

Auf Anfrage unserer Zeitung berichten die beiden, die schon lange in Kreuzlingen wohnen, über erste Rückmeldungen: Etwa 40 Personen aus verschiedensten Bevölkerungsgruppen hätten ihnen bereits geschrieben, mit teilweise langen Ausführungen. «Viele fühlen sich von den lauten Kirchenglocken gestört. Einige sind auch traurig und suchen nach Hilfe», sagt der eine Initiant des Flugblatts. «Ein paar wenige äusserten auch ihr Unverständnis gegenüber unserer Aktion.»

Der versprochene Versuch wurde nie durchgeführt

Der Streit um den Glockenschlag hat eine Vorgeschichte. Im vergangenen Jahr waren bei der Bauverwaltung Lärmklagen eingegangen. Zuerst von Anwohnern der beiden grossen katholischen Kirchen Kreuzlingens, dann kam noch eine Beschwerde gegen die evangelische Stadtkirche hinzu. Es folgte ein Gespräch mit der Stadt am runden Tisch, man fand eine Kompromisslösung. Versuchsweise wurde bei allen drei Kirchen das morgendliche Angelusgeläut von sechs auf sieben Uhr verlegt, der nächtliche Schlag zur Viertelstunde sollte ganz wegfallen. Bei den Katholiken hat sich der Streit mittlerweile in Minne aufgelöst, die Kirchbürger entschieden Ende Mai an der Gemeindeversammlung die neue Läutordnung definitiv zu übernehmen. Anders die evangelische Kirchgemeinde: Sie hat zwar das Morgengeläut auch eine Stunde nach hinten gelegt, der nächtliche Viertelstundenschlag wurde aber nie abgestellt. Technische Probleme wurden angeführt. Und später kam ein Bundesgerichtsurteil zu einem ähnlichen Fall in Wädenswil hinzu, auf welches sich dann Kirchenpräsident Thomas Leuch berief.

Die Luftaufnahme der Stadtkirche verdeutlicht, dass die Kirche mitten im Wohngebiet steht. (Bild: Reto Martin)

Die Luftaufnahme der Stadtkirche verdeutlicht, dass die Kirche mitten im Wohngebiet steht. (Bild: Reto Martin)

Erst mit einer Klage, nun mit dem Flugblatt

Die Initianten des Flugblatts sind die damaligen Kläger gegen den Glockenlärm der Stadtkirche. Als die Kompromisslösung auf dem Tisch lag, hatten sie ihre Beschwerde aber gutgläubig zurückgezogen. «Wir fühlen uns nun nicht ernst genommen. Wir wurden abgespeist. Wir haben das Gefühl, sie wollen es aussitzen», sagt einer der beiden. «Die Kirchgemeinde glaubt, das Thema sei mit den technischen Problemen und dem Bundesgerichtsurteil geklärt, aber so ist es nicht. Sie können nicht einfach sagen, es geht nicht.» Ein Streit liege aber nicht in ihrem Interesse. «Wir sind keine militanten Glockengegner. Aber wenn ich auf der Terrasse bin, wenn das Geläut losgeht, muss ich hineingehen.» Die Glocke der Stadtkirche habe zudem keinen angenehmen Klang, aggressiv und metallisch töne sie.

«Die Kirche sagt, wir seien nur eine Minderheit, die sich von den Glocken gestört fühlt. Wir glauben, es ist anders. Deshalb machen wir diese Umfrage.» - Die Initianten des Flugblattes

Die Kläger wünschen sich eine baldige Klärung der Angelegenheit, dass vielleicht Messungen gemacht werden oder die ausgehandelte und versprochene Kompromiss-Lösung endlich doch noch zum Tragen kommt.

Es kommt Bewegung in die Fronten

Grund zur Hoffnung haben sie. Denn durch die Stadt kommt Bewegung in die starren Fronten: am 10. Juli werden die Parteien wieder miteinander an einem Tisch sitzen.

Stadtrat hofft auf ein Entgegenkommen der Kirche

Der Präsident der evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen, Thomas Leuch, möchte sich momentan nicht ausführlich zur Thematik äussern. In Bälde werde man mit der Stadt und den Klägern verhandeln und er möchte natürlich einem Ergebnis nicht vorgreifen. Er stellt aber auch klar, dass eine Entscheidung über das Geläut der Stadtkirche letztlich in der Kompetenz der Kirchgemeindeversammlung liege.

Stadtrat Ernst Zülle hofft bei der Sitzung am 10. Juli auf eine gütliche Einigung der Parteien. Ein aufwendiges Gerichtsverfahren wolle man möglichst vermeiden. Zülle sagt, ein Urteil könnte so oder so ausfallen. Das Bundesgerichtsurteil zu Wädenswil sei nicht ohne weiteres auf Kreuzlingen übertragbar. Der Stadtrat lässt aber auch durchblicken, dass er von der evangelischen Kirche ein Entgegenkommen bis zum bereits einmal getroffenen Kompromiss erwartet. «Damit ist dann aber das Ende der Fahnenstange erreicht.» (ubr)

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