«Wir haben viel Wertschätzung und Freiheit erfahren»: Nach acht Jahren hört das Romanshorner Pfarrer-Ehepaar Ruedi und Claudia Bertschi auf

Die beiden haben in der evangelischen Kirchgemeinde so einiges bewegt. Unter anderem haben sie das weitum bekannte Solinetz ins Leben gerufen oder die Weihnachtsfeier mit Asylsuchenden.

Markus Bösch
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Ruedi und Claudia Bertschi verlassen die evangelische Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach nach acht Jahren.

Ruedi und Claudia Bertschi verlassen die evangelische Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach nach acht Jahren.

Bild: Reto Martin (Romanshorn, 1. Juli 2020)

Vor acht Jahren kamen Claudia und Ruedi Bertschi nach Romanshorn. Ein Grund für den Ortswechsel war das Teampfarramt mit seinen neuen Möglichkeiten des Pfarrseins gewesen – nach zehnjähriger Tätigkeit in Kamerun und 13 Jahren in Schönholzerswilen.

«Mit dem 11-vor-11-Gottesdienst habe ich den seinerzeitigen 18-vor-18-Jugendgottesdienst weiterentwickelt», sagt Ruedi Bertschi. Im Zentrum standen die Pflege der Gemeinschaft mit dem Mittagessen im Anschluss und die Zusammenarbeit mit zahlreichen, engagierten Menschen bei den Vorbereitungen und Umsetzungen. «Mit viel Freude und Leidenschaft haben wir bis heute 51 Mal so gefeiert.»

Frauenfrühstück und Ladies-Second-Hand

Mit dabei im Musikteam war auch seine Frau. «Ich war mit dabei in der Gruppe <Mütter in Kontakt>, wo wir für Kinder und Familien gebetet haben. Beim Frauenfrühstück habe ich in der Leitung mitgearbeitet. Und mit dem Projekt <Ladies-Second-Hand> haben wir ebenfalls ein ökumenisches Gefäss geschaffen», sagt Claudia Bertschi.

«Da werden Kleider gebracht und gratis in den Fundus gegeben – mit dem Erlös der dann verkauften Kleider werden Projekte in Afrika unterstützt. Jedes Jahr geht die Federführung weiter an eine der beteiligten Kirchen oder Gemeinden. Mit vielen anderen durfte ich meine Begabungen einbringen und viele schöne Beziehungen aufbauen.»

«Wir sind uns auf Augenhöhe begegnet»

Ebenfalls gemeindeübergreifend hat Ruedi Bertschi während sechs Jahren die örtliche «Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen» geleitet: «Landes- und Freikirchen sind sich auf Augenhöhe begegnet. Daraus ist letztlich auch das lokale <Tischlein deck dich> entstanden.»

Als weiteres Projekt entstand das «Fathercamp», wo Väter, Grossväter und ihre Kinder ein Wochenende miteinander und outdoor verbrachten. Mit der Gründung des Solinetz Oberthurgau hat Ruedi Bertschi sozusagen eine «Lebenslinie» von Kamerun weitergesponnen.

Höhepunkt: Weihnachtsfeier mit Asylsuchenden

Zu einem Höhepunkt wurde die Weihnachtsfeier mit den Asylsuchenden. So wie die Kirche sich hier als Dienst am Fremden verstehe, so sei auch die Diakonie ein wichtiger Bereich. Diesen gelte es weiterhin sorgfältig zu pflegen. Für die Zukunft der Kirchgemeinde wünscht Ruedi Bertschi sich, dass die Zusammenarbeit mit den Katholiken und den Freikirchen weiter gepflegt wird.

Erweitert auch mit vermehrtem Kontakt und Gesprächen mit der muslimischen Bevölkerung: «Die Kirchgemeinde selber möchte ich ermutigen, in Personalfragen mit Sensibilität vorzugehen.»

Am Sonntag, 5. Juli findet der Abschiedsgottesdienst in der evangelischen Kirche statt.

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