«Wir haben uns von einem Anwalt beraten lassen»: Ein Fruthwiler Ehepaar wehrt sich gegen die geplante Deponie Sandeggere

In Fruthwilen formiert sich Widerstand gegen die geplante Deponie Sandeggere auf Wäldinger und Raperswiler Gemeindegebiet. Aus Angst vor mehr Verkehr.

Rahel Haag
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Auf dieser Wiese, die an der Ermatingerstrasse und auf Wäldinger sowie Raperswiler Gemeindegebiet liegt, ist die Deponie Sandeggere geplant.

Auf dieser Wiese, die an der Ermatingerstrasse und auf Wäldinger sowie Raperswiler Gemeindegebiet liegt, ist die Deponie Sandeggere geplant.

Bild: Andrea Stalder

Die Lastwagen röcheln den Berg hoch. In einem niedrigen Gang mit Vollgas und dennoch langsam. So beschreibt es das ältere Ehepaar, das seit 14 Jahren in Fruthwilen an der Hauptstrasse lebt. Es will anonym bleiben. Die Frau sagt:

«Wir können nicht mehr auf der Terrasse sitzen, weil es zu laut ist»

Vor zwei Jahren wurde in Fruthwilen die Deponie Eggishof für sauberes Aushubmaterial in Betrieb genommen. Damals hatte an der Gemeindeversammlung auch das Ehepaar Ja gesagt. «Nach der Renaturierung soll dort ein schönes Naherholungsgebiet entstehen», sagt sie, «vom Dreck und Lärm hat man uns nichts erzählt.»

In rund zwei Jahren sollte diese Deponie gefüllt sein. Dann hätten die Unannehmlichkeiten ein Ende. Doch das nächste Projekt steht bereits in den Startlöchern.

Rund 2,1 Kilometer entfernt soll 2021 die Deponie Sandeggere, ein Projekt des Unternehmers Hermann Dähler, mit einer Fläche von 168'000 Quadratmetern in Betrieb genommen werden. Voraussichtlich zehn Jahre später soll deren Rekultivierung abgeschlossen sein. Dagegen will sich das Ehepaar nun wehren. Mit allen Mitteln.

«Wir haben uns bereits von einem Anwalt beraten lassen.»

Hier soll die geplante Deponie Sandeggere entstehen

Mehrere Eingaben zum Thema Verkehr

Zuvor hatten sie sich mit ihren Bedenken unter anderem an Adrian König, Gemeindepräsident von Wäldi, gewandt. Denn die geplante Deponie für sauberes Aushubmaterial liegt auf Wäldinger und Raperswiler Gemeindegebiet. Entsprechend werden auch deren Stimmberechtigte über die Deponie entscheiden.

Während der Vernehmlassung, die bis Ende Januar dauerte, hatten aber auch Auswärtige die Gelegenheit, ihre Bedenken zu äussern. König sagt:

«Es gab vereinzelte Eingaben und eines der Hauptthemen war der Verkehr.»
Adrian König, Gemeindepräsident von Wäldi.

Adrian König, Gemeindepräsident von Wäldi.

Bild: Manuela Olgiati

Diese Anliegen habe man in das Projekt einfliessen lassen. Die Bedenken in Sachen Verkehr bezeichnet König als verständlich.

Ein Gutachten gehe im Schnitt von insgesamt 30 Lastwagenfahrten pro Tag aus. 15 Zu- und 15 Wegfahrten. «Diese sollen ausschliesslich über die Kantonsstrasse erfolgen», sagt König. Im Lärmgutachten, das dieser Zeitung vorliegt, ist die Rede von der Kantonsstrasse 68. Eben jene Strasse, an der das Ehepaar in Fruthwilen wohnt.

Einsprache können nur direkt Betroffene einreichen

In einem nächsten Schritt ist die öffentliche Auflage geplant. Sie soll vom 13. März bis 1. April in beiden Gemeinden zeitgleich erfolgen. «Dann werden sämtliche Unterlagen online zu finden sein.» Zur Einsprache sind jedoch nur Personen legitimiert, die durch das Projekt berührt sind und ein schutzwürdiges Interesse haben. «Dies wird im Einzelfall zu prüfen sein», sagt König.

Das ist auch dem Fruthwiler Ehepaar bewusst. Es hatte bereits Kontakt mit mehreren Nachbarn. «Sie waren schockiert», sagt der Mann. Ein Anwohner habe erzählt, dass beim Vorbeifahren der Lastwagen das Gebäude vibriere.

«Zum Lärm kommen also noch Schäden an der Strasse und den anliegenden Gebäuden hinzu.»

Darüber ob die Deponie genehmigt wird oder nicht entscheiden die Wäldinger und Raperswiler Stimmberechtigten an den jeweiligen Gemeindeversammlungen. In Wäldi kommt gleichzeitig die Ortsplanungsrevision zur Abstimmung. Mit deren Ausarbeitung ist die Gemeinde bereits seit beinahe drei Jahren beschäftigt. «Die Deponie kam sozusagen um fünf vor zwölf», sagt König, «das hat uns zeitlich ziemlich herausgefordert.»

Klar ist derweil, dass sowohl die Gemeinde Wäldi als auch Raperswilen dem Deponieprojekt zustimmen müssen. Allerdings findet die Gemeindeversammlung in Raperswilen am 4. Juni und damit acht Tage vor jener in Wäldi statt. «Sollte die Gemeinde Raperswilen die Deponie ablehnen, wird für die Gemeindeversammlung zu prüfen sein, ob auf die Abstimmung bezüglich des Deponieprojekts zu verzichten ist.»