Amriswils Bausekretär Michael Herzog über die revidierte Ortsplanung: «Wir haben das Maximum herausgeholt»

Seit Freitag liegt Amriswils revidierte Ortsplanung auf. Mögliche Konflikte versuchte die Stadt schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.

Manuel Nagel
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Im Sandackerquartier sind auch in Zukunft keine hohen Häuser erwünscht. Der historisch gewachsene Charakter dieser Einfamilienhaussiedlung soll erhalten bleiben.

Im Sandackerquartier sind auch in Zukunft keine hohen Häuser erwünscht. Der historisch gewachsene Charakter dieser Einfamilienhaussiedlung soll erhalten bleiben.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 12. Juni 2020)

Der Plan der Stadt Amriswil bedeckt den ganzen Tisch im Büro von Bausekretär Michael Herzog. Es folgt ein weiteres solches riesiges Stück buntes Papier und noch ein drittes. Auf jedem dieser Pläne sind wieder andere Aspekte der Ortsplanung eingezeichnet und vermerkt. Erstaunlich, wie Herzog genau weiss, welcher Plan, in welchem der vielen Ordner steckt. Bei so vielen Unterlagen kann man leicht den Überblick verlieren.

Es ist die Arbeit von sechs Jahren. «Nicht am Stück natürlich», sagt Herzog, doch die Revision der Ortsplanung hielt die Bauverwaltung seit Januar 2013 auf Trab, als der Kanton sein Planungs- und Baugesetz revidiert hatte und die Gemeinden innert fünf Jahren hätten folgen sollen. «Aber bei 80 Gemeinden im Kanton war es nicht realistisch, dass es alle bis Ende 2018 schaffen», sagt Herzog. Die Stadt Amriswil erbat sich Zeit bis Ende dieses Jahres und machte nun mit der öffentlichen Auflage einen wichtigen Schritt.

Das Ergebnis einer 15-köpfigen Kommission

Bis zum 1. Juli dauert diese Auflage noch, doch Michael Herzog bereitet sie keine schlaflosen Nächte. Damit mögliche Konflikte schon im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden können, führte die Stadt im November 2018 eine Vernehmlassung durch, in der sich die Bevölkerung, insbesondere die betroffenen Grundeigentümer, zu Wort melden und ihre Wünsche und Anregungen einbringen konnten. Dabei habe man mit allen Betroffenen das Gespräch gesucht und habe – wann immer möglich – deren Wünsche so gut es ging berücksichtigt, sagt Michael Herzog. So wollte beispielsweise eine Person ihr Grundstück wieder auszonen, damit für die Natur ein Vernetzungskorridor entsteht. In Absprache mit der Fachstelle Natur des Kantons habe man diesem Wunsch entsprochen, «weil es raumplanerisch auch Sinn ergab», erklärt der Bausekretär.

Michael Herzog ist Bausekretär der Stadt Amriswil.

Michael Herzog ist Bausekretär der Stadt Amriswil.

Bild: Manuel Nagel

Es ist nicht die erste Ortsplanungsrevision für Herzog. Bei derjenigen vor rund 15 Jahren wirkte er gegen Ende ebenfalls noch mit. Mit dem aktuellen Resultat ist er zufrieden, auch wenn einem oftmals die Hände gebunden seien. «Alles neue Baugebiet, das wir eingezont haben, mussten wir an einem anderen Ort wieder auszonen», sagt Herzog. «Im Spannungsfeld der Gesetzgebung haben wir das Bestmögliche gemacht.»

Michael Herzog betont, dass ein grosses Team hinter dieser Ortsplanungsrevision steht. Bei der Bauverwaltung würden einfach die Fäden zusammenlaufen, sagt er. Die 15-köpfige Kommission wurde präsidiert von Stadtrat Stefan Mayer. Mit dabei waren unter anderen auch Fachplaner. Das Amriswiler Büro NRP brachte das lokale Know-how mit ein, die Ingenieure der St.Galler Firma Strittmatter Partner AG sorgten für die notwendige Aussensicht.

Nur an zwei Orten Hochhäuser möglich

Die nun vorliegende revidierte Ortsplanung hält fest, wie sich die Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten entwickeln kann und soll: Insbesondere im Zentrum soll Amriswil wachsen. Aber weil sich die Fläche nicht vergrössert, wird vermehrt verdichtet gebaut werden müssen. Doch Michael Herzog beruhigt: «Amriswil wird deshalb nicht zugepflastert mit Hochhäusern, auch wenn zwei Gebiete dafür vorgesehen sind.» Es sind dies die Gebiete an der Poststrasse und an der Säntisblickstrasse, wo bereits jetzt solche Häuser mit mehr als 30 Metern Höhe stehen. Sonst im Zentrum seien zwar «höhere Häuser», aber keine Hochhäuser erlaubt.

Das Amriswiler Zentrum rund um Marktplatz, Bahnhofstrasse und Kirchstrasse.

Das Amriswiler Zentrum rund um Marktplatz, Bahnhofstrasse und Kirchstrasse.

Bild: Manuel Nagel

Dafür habe man beispielsweise den Gebäudeabstand abgeschafft und bei den neuen Vorgaben des Kantons den oberen Rahmen genutzt, sodass bei Bauten im Zentrum künftig auch Vorteile entstehen.

Andererseits sollen aber auch historisch gewachsene Strukturen bewahrt werden. Im Sandackerquartier sei es etwa nicht erwünscht, dass jemand anstelle von zwei Einfamilienhäusern ein Mehrfamilienhaus erstelle. Die Siedlung dort habe eine Qualität, die es zu erhalten gelte, sagt Herzog. Ähnliches gilt für die Quartiere an der Tell, der Quellen-, der Flora- und der Nordstrasse.

«Etwas dünn auf der Brust sind wir mit Arbeitsgebiet», konstatiert Michael Herzog. «Wir können ja nicht nur wohnen, wir sollten ja auch noch arbeiten hier in Amriswil.» Vorausschauend hat man deshalb auch so genanntes Bauerwartungsland definiert – auch im Hinblick auf den Bau von BTS und OLS. Im Westen der Stadt zwischen Biessenhofen und Mühlebach könnten sich deshalb einst weitere Industriebetriebe in Amriswil ansiedeln.

Hinweis
Die revidierte Ortsplanung liegt noch bis Mittwoch, 1. Juli, öffentlich auf. Die Urnenabstimmung findet am 29. November statt.