«Wir gehen von einem Schaden in Höhe von 200'000 Franken aus»: Absage der Messen in Weinfelden hat existenzielle Auswirkung 

Die Absage der drei Frühlingsmessen in Weinfelden verursacht einen Schaden von 200'000 Franken. Die Veranstalter wollen die Aussteller nun finanziell unterstützen.

Mario Testa
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Gregor Wegmüller, Geschäftsführer der Messen Weinfelden, auf dem Marktplatz vor den Zelten, die abgebrochen werden.

Gregor Wegmüller, Geschäftsführer der Messen Weinfelden, auf dem Marktplatz vor den Zelten, die abgebrochen werden.

(Bild: Mario Testa)

Der Abbruch der Messezelte auf dem Marktplatz läuft bereits. Sie werden nicht mehr benötigt, weil alle drei Weinfelder Frühlingsmessen «inhaus», «die50plus» und «schlaraffia» abgesagt werden mussten, um eine Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Vier Tage nach dem schmerzhaften Entscheid, zieht Gregor Wegmüller, Geschäftsführer der Messen Weinfelden, eine erste Schadensbilanz:

«Auf der finanziellen Seite gehen wir von einem Schaden in der Höhe von 200'000 Franken aus.»

«Das sind Aufwände für Werbung, Infrastruktur oder Einkäufe, die vergebens getätigt wurden. Wir versuchen nun, diese Zahl so weit es geht noch zu reduzieren.» Als Schaden bei der Versicherung geltend machen könne er die Summe nicht, da es sich um einen Fall von «höherer Gewalt» handelt, der zur Absage der Messen geführt hat. Auch von Bund und Kanton seien keine Entschädigungen zu erwarten.

Separate Gesellschaften für jede Messe

Der Schaden trifft also die inhaus Messe GmbH und die Schlaraffia-Messe AG. «Wir haben separate Gesellschaften für unsere Messen. Einerseits wegen der ideellen Unterstützung, anderseits wegen der finanziellen Absicherung – also genau einer Situation wie der jetzigen. Sollte die inhaus Messe GmbH beispielsweise hops gehen, zieht es nicht auch alle anderen Messen in den Abgrund», sagt Wegmüller. Er gehe nach aktuellem Wissensstand jedoch auch nicht von einem solch drastischen Szenario aus.

Im Fokus der Medien: Gregor Wegmüller spircht sich mit dem Polier der Abbauarbeiten ab und wird dabei vom TVO-VJ gefilmt.

Im Fokus der Medien: Gregor Wegmüller spircht sich mit dem Polier der Abbauarbeiten ab und wird dabei vom TVO-VJ gefilmt. 

(Bild: Mario Testa)

Hart trifft die Absage der Messen aber nicht nur die Veranstalter selbst, sondern auch die Aussteller. «Für sie ist die aktuelle Situation doppelt schlimm. Viele hatten bereits grosse Ausgaben und einen hohen Personalaufwand für ihren Messeauftritt.» Dazu fehlten ihnen nun die Kundenkontakte und die damit verbundenen Aufträge, sagt der Weinfelder Messemacher.

«Für manche sind die Auswirkungen existenziell!»

«Wir wollen die Aussteller deshalb finanziell unterstützen, ihnen einen Teil der Standgebühren zurückerstatten. Wir wollen ja auch, dass sie in einem Jahr wieder kommen.»

Ohne Messen keine Plattform

Er habe einige Kontakte mit Ausstellern gehabt, die nun fieberhaft auf der Suche nach anderen Plattformen seien, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. «Diese Not unterstreicht die sehr grosse volkswirtschaftliche Bedeutung von Messen als Absatzkanal für viele kleinere und grössere Unternehmen», sagt Wegmüller.

Eine Verschiebung der Messen habe man selbstverständlich geprüft, aber verworfen. «Ein erneuter Infrastrukturaufbau und die Werbemassnahmen wären schlicht nicht tragbar.» Immerhin die Idee einer Mini-Schlaraffia werde weiter verfolgt. «Sie würde wohl zwischen April und Juni im Thurgauerhof stattfinden. Wir werden darüber informieren, sobald wir können.» Es freue ihn, dass einige Aussteller nun immerhin auf eigene Faust kleinere Degustationsanlässe am Wochenende durchführten.

Arbeit verdrängt negative Gedanken

Die Ernüchterung und Betroffenheit im Team der Messen Weinfelden sei nach der Absage sicher gross gewesen. «Unterdessen hält uns die viele Arbeit ab von schlechten Gedanken. Und was wir auch erleben durften, ist eine grosse Solidarität – von den Ausstellern, Gästen und der Öffentlichkeit.»

Degustation

Alternative Veranstaltungen im Kleinen

Die Schlaraffia-Diners im Gasthof Eisenbahn und der Wirtschaft zum Eigenhof finden statt, ebenso das morgige Food-Forum. Dazu kommen nun Ersatz-Degustations-Anlässe:
● Gasthof Eisenbahn - Andrey Weine, Alexandre Chappuis, Fernand Cina (Do-Sa)
● Weingut Burkhart - Cave du Rhodan, Weingut Marugg (Do-Sa)
● Wirtschaft zum Löwen, Weinhaus Kirchberg (Fr-So)
● Sulzer Import Trading im Hotel Thurgauerhof (Fr-So)
● Languedoc Weine in Sulgen mit vielen Ausstellern (Fr-So)
● Bottega de Vino in Kreuzlingen

Die Liste ist auf der Website www.schlaraffia.ch einzusehen

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