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«Wir dürfen nur drei Fehler machen, dann werden wir gekündigt»: MS Direct führt umstrittene Liste bei Mitarbeitern in Arbon

MS-Direct-Mitarbeiter, die Zalando-Retouren bearbeiten, sind in Aufruhr: Neuerdings folgt nach einigen Verstössen gegen vorgegebene Arbeitsabläufe die Kündigung.
Tanja von Arx
Ein Angestellter von MS Direct bearbeitet an der Textilstrasse durchschnittlich elf Pakete pro Stunde. (Bild: Reto Martin)

Ein Angestellter von MS Direct bearbeitet an der Textilstrasse durchschnittlich elf Pakete pro Stunde. (Bild: Reto Martin)

Die Stimmung scheint aufgewühlt. Mitarbeiter der Full-Service-Firma MS Direct, die in Arbon Zalando-Retouren bearbeiten, gelangen an diese Zeitung. Ärger und Besorgnis: Am Standort an der Textilstrasse wird seit Neustem eine Fehlerliste geführt. «Wir dürfen nur drei Verstösse machen, dann werden wir gekündigt», sagt eine Frau. Was aufhorchen lässt, da die Angestellten in Schichten Arbeiten und der Lohn ohnehin nicht überaus hoch ist.

Viel Druck ist laut den Angestellten die Folge, das Arbeitsklima belastet.

Kunden sind genervt wegen Fauxpas

Rolf Kobelt, Teamleader Marketing bei MS Direct, bestätigt auf Anfrage: «Seit Anfang Monat haben wir ein neues System.» In letzter Zeit seien denn vermehrt Fehler passiert, was zunehmend zu Kundenunzufriedenheit geführt hätte. «In der regelmässigen Rückmeldung waren wir nicht zufriedenstellend.» Die Kunden würden sich nerven, wenn sie Artikel nochmals retournieren müssten oder ihre Gutschriften nicht erhielten. «Ausserdem ist es ökonomisch wie ökologisch nicht ideal: Ressourcen werden verschwendet.»

Allerdings sagt Kobelt:

«Die Mitarbeiter haben das etwas falsch mitbekommen.»

Interne Kommunikation sei nicht immer einfach, da am Arboner Standort 52 Sprachen gesprochen würden. «Es geht um vier Verstösse pro Jahr, am Tag werden zehn Kontrollen durchgeführt.» Bei den rund 250 Mitarbeitern bedeute dies, dass jeder gerade einmal pro Monat kontrolliert würde. «Dies ganz offen durch den Standortleiter. Wahrscheinlich ist das in jedem Betrieb so.»

Facts and Figures zur Full-Service-Firma MS Direct

Der Uznacher Peter Stössel gründete MS Direct 1978 als Familienunternehmen. Nach und nach kamen zum «Mail Service» vier Geschäftsbereiche hinzu, namentlich Logistik, Callcenter, Softwarelösungen und Database-Marketing. Seit 2008 leitet Milo Stössel die Firma in zweiter Generation. Heute beschäftigt das Full-Service-Unternehmen rund 1010 Mitarbeiter. Dies an sieben Standorten, neben Arbon in St. Gallen, Wittenbach, Lauterach, Muttenz und Dübendorf. Im Zuge des wachsenden Online-Versandhandels wurde 2017 der Standort an der Textilstrasse geöffnet. 237 der dort 250 Angestellten sind Frauen, 92 Prozent haben keine abgeschlossene Ausbildung und finden einen Wiedereinstieg ins Berufsleben. (tva)

Kobelt sagt ausserdem, dass es sich um grössere, offensichtliche Fehler handle. «Alle Mitarbeiter werden angelernt. Wir zeigen ihnen einzelne Prozessschritte, die sie bei der Retourenbearbeitung einhalten sollen. Dabei arbeiten wir mit Bildern, damit auch Fremdsprachige die Abläufe verstehen.» Besagte Prozesse bestünden seit 2013 und sie würden zur Qualitätssicherung beitragen. «Jeden Tag werden sie beim sogenannten Fach-Check-in gezeigt», sagt Kobelt.

Angestellte müssen Schuhe abgleichen

Ein Beispiel: Sendet ein Kunde Schuhe zurück, muss der Mitarbeiter einen Code scannen, einen Bildabgleich vornehmen und das Paar zusammenhalten. «Handelt es sich etwa um verschiedene Grössen, kommen diese zu sogenannten Klärfällen», sagt Kobelt.

«Wir sind auch offen für Feedback und fragen nach, wieso denn ein Fehler passiert. Allenfalls können wir einzelne Abläufe verbessern.»

Man kontrolliere definitiv mit Augenmass.

«Etwa bei leicht offenen Nähten oder kleinen Flecken diskutieren wird nicht.»

Unterdessen habe man intern noch einmal kommuniziert, «die Belegschaft hat es jetzt besser verstanden und aufgefasst». Laut Kobelt ist zudem vor kurzem eine Mitarbeiterumfrage durchgeführt worden, an der sich rund 80 Prozent beteiligt hätten. «Mit 5,1 von 6 Punkten haben wir gut abgeschlossen.» Anliegen seien kleinere zutage getreten wie der Wunsch nach einer zusätzliche Kaffeemaschine oder einer Raucherpause extra. «Haben wir eingeführt.»

Einarbeitungslohn beträgt 19.80 Franken pro Stunde

Zuletzt spricht Kobelt offen über die Löhne. «Seit 2015 haben wir uns mit der Syndicom um die Ausarbeitung eines Gesamtarbeitsvertrages bemüht, der jetzt in Kraft tritt und den Mitarbeitern ein besseres Salär garantiert.» Per Januar 2020 betrage der Einarbeitungslohn 19.80 Franken pro Stunde. «Zum Vergleich: Ungelernte Coiffeusen verdienen 18.79 Franken.» Danach seien es über 20 Franken abhängig von Erfahrung, Ausbildung und Arbeitsbereich. «Bei einer 42-Stunden-Woche werden acht Feiertage bezahlt.» Rolf Kobelt macht auch auf Förderangebote aufmerksam. Man biete gratis Deutschkurse sowie Weiterbildungen an und betreibe Talentmanagement sowie Intrapreneurship.

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