Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Winzer Roland Lenz: «Ich bin stolz auf mein Bioweingut in Iselisberg und geniesse jeden Tag ein Glas Rotwein»

Der 49-jährige Winzer Roland Lenz fühlt sich in der Natur wohl, sie gibt ihm Energie. Nachhaltigkeit und Biodiversität haben für den Weinbauer oberste Priorität.
Interview: Laura Sachers
Roland Lenz in den Reben, aus welchen sein Biowein entsteht. (Bild: Donato Caspari)

Roland Lenz in den Reben, aus welchen sein Biowein entsteht. (Bild: Donato Caspari)

Womit tanken Sie Energie, wenn Sie in einem Tief sind?

Roland Lenz: Ich betätige mich handwerklich oder mache Sport. Hauptsache ich kann mich in der Natur aufhalten, sie gibt mir am meisten Kraft.

Was lieben Sie am Herbst?

Ich liebe die Farbenpracht im Wald. Auch die melancholische Stimmung finde ich interessant, weil nach dem Sommer alles vergeht und in sich zurückkehrt. Für mich als Winzer ist der Herbst eine sehr wichtige und ausschlaggebende Jahreszeit.

Und was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich trinke jeden Tag ein Glas Rotwein und lache viel. Das ist sicherlich eine sehr gute Kombination.

Hält ein Glas Wein pro Tag wirklich gesund?

Ja, davon bin ich überzeugt. (lacht)

Wie alt fühlen Sie sich?

Ich bin 49 Jahre alt und fühle mich auch so. Am Morgen, wenn ich aufstehe habe ich hingegen das Gefühl, dass ich jünger bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Morgenmensch bin.

Was tun Sie für den Umweltschutz im Alltag?

Unser Alltag ist von diesem Gedanken bestimmt. Dafür gibt es viele Beispiele. Unsere Weine sind alle bio, da Nachhaltigkeit für uns sehr wichtig ist. Unsere Reben nennen wir Weingärten, weil wir sie wie natürliche Gärten behandeln. Jedes Lebewesen findet dort seinen Platz. Es entsteht eine biologische Eigendynamik.

Was meinen Sie mit der biologischen Eigendynamik?

Wir pflegen die Biodiversität. Wir haben sogenannte «Pufferzonen» am Rand der Reben. In denen kann sich die Flora und Fauna in vollen Zügen ausleben. Jeden Sommer stellen wir Heuballen neben unseren Reben auf. Diese bieten Insekten und Wildbienen ein perfektes Nahrungs- und Überlebensangebot. Somit schützen wir die Artenvielfalt. Der Zyklus der Natur bleibt im Gleichgewicht.

Worüber haben Sie sich zuletzt geärgert?

Darüber, dass viele Konsumenten sehr inkonsequent sind. Sie erzählen und schwärmen von Nachhaltigkeit aber tun meistens nicht viel und schauen nur zu. Jedem ist die Problematik unserer beschränkten Ressourcen bekannt, aber viele verhalten sich nicht dementsprechend.

Zur Person

Nach einer Winzerlehre und einem Aufenthalt in der Westschweiz machte sich Roland Lenz im Alter von 23 Jahren, mit seiner Frau Karin Lenz, selbstständig und sie kauften die ersten Reben in Iselisberg. Aufgewachsen ist Lenz in Uesslingen-Buch. Mittlerweile ist der Winzer 49 Jahre alt und Besitzer eines Bioweinguts in Iselisberg. Rund 70 verschiedene Weinsorten aus über 35 verschiedenen Traubensorten produziert der Familienbetrieb. Roland und Karin Lenz haben zwei gemeinsame Kinder im Alter von 21 und 23 Jahren.

Mit welchem Menschen würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Mit Leonardo da Vinci. Ich hätte ihn sehr gerne kennen gelernt, da er ein Genie in jeglicher Hinsicht war. Er war ein Abenteurer, ein Entdecker.

Sind Sie ein Entdecker?

Auf eine gewisse Art und Weise schon. Ich bin wirklich sehr neugierig und interessiert an vielen unterschiedlichen Sachen.

Was war Ihr erster Traumberuf?

Zuerst wollte ich Förster werden. Auch heute beeindruckt mich die Arbeit immer noch. Da ich aber in einer Winzerfamilie aufgewachsen bin stand dieser Beruf für mich im Vordergrund. Ich war schon sehr früh ein Genussmensch und habe angefangen guten Wein wertzuschätzen. Ich denke, das ist sogar eine Lebensphilosophie

Und wann können Sie ruhig schlafen?

Am besten schlafe ich, nachdem ich ein Bad genommen habe. Nach einem anstrengenden Arbeitstag in unseren Weingärten kann ich dann so richtig relaxen.

Auf welchen Luxus möchten Sie nicht verzichten?

Auf ein eigenes Badezimmer mit Badewanne, welches ich nur mit meiner Frau teile.

Was möchten Sie in diesem Leben noch machen?

Die Alpen von West nach Ost überqueren. Ich stelle mir das entspannend und inspirierend vor. Die Alpen sind gewaltigen, man fühlt sich selbst wie eine Ameise. Das Gebirge wirkt mächtig auf mich, wie so vieles in der Natur.

Roland Lenz in seinem Weinkeller. (Bild: Donato Caspari)

Roland Lenz in seinem Weinkeller. (Bild: Donato Caspari)

Haben Sie als Winzer ab und zu Angst um Ihre Reben? Die Natur kann man ja nicht beeinflussen.

Ich würde nicht sagen, dass ich Angst habe, weil wir mit der Natur arbeiten. Wir passen uns an sie an und die Natur ist die Grundlage für die Entwicklung unserer Arbeit und schlussendlich unser Einkommen.

Wonach schmeckt Glück?

Nach der Morgenstimmung an einem Sommertag.

Was schätzen Sie an ihrer Partnerin besonders?

Ihre Flexibilität. Wir sind seit 25 Jahren verheiratet und haben schon alles miteinander durchgestanden. Es war nicht immer einfach und ich habe grossen Respekt vor ihrem Durchhaltevermögen.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Auf ein leckeres Frühstück mit meiner Familie. Natürlich darf der frischgebackene Zopf meiner Frau nicht fehlen.

Gibt es etwas, über das man mit Ihnen nicht reden kann?

Nein, eigentlich nicht. Ich akzeptiere alle Meinungen und Ansichten, solange dies auf Gegenseitigkeit beruht.

Können Sie kochen?

Naja, nicht wirklich. Ich kann gute Pasta machen und leckeren Salat zubereiten, aber meine Frau ist eine super Köchin und meine beiden Kinder kochen ebenfalls sehr gut. Mein Können liegt eher darin, einen guten Wein, passend zum Essen auszusuchen.

Der Winzer überprüft seine Reben. (Bild: Donato Caspari)

Der Winzer überprüft seine Reben. (Bild: Donato Caspari)

Welche Musik haben Sie zuletzt entdeckt?

Ein Mitarbeiter brachte vor kurzem klassische Musik mit. Die Musik unterstützt die Gärung des Weins.

Was nehmen Sie immer mit wenn Sie aus dem Haus gehen?

Ein Sackmesser.

Welches Gerät nehmen Sie lieber nicht in die Hand?

Wenn es möglich ist, lasse ich mein Handy immer Zuhause. Da bin ich lieber mit einem Sackmesser unterwegs.

In welchen Jobs wären Sie eine Fehlbesetzung?

In allen Bürojobs. Bürokratie und Geduld sind nicht meine Stärken. Ich brauche die Natur um mich herum und möchte kreativ arbeiten.

Was sind denn Ihre Stärken?

Meine positive Einstellung. Ich stehe am Morgen glücklich auf und gehe mit voller Energie und Freude in den Tag. Zudem habe ich ein Einfühlungsvermögen gegenüber Mitmenschen. Wir haben zwei Lehrlinge in unserem Betrieb. Da ist es besonders wichtig auf Menschen einzugehen, und sie zu verstehen.

Sind Sie Vegetarier?

Ja, seit zwei Jahren. Leider gibt es an manchen Veranstaltungen nur Fleisch, dann esse ich es auch, aber das kommt sehr selten vor.

Warum verzichten Sie auf Fleisch?

Ich fühle mich besser, seitdem ich kein Fleisch mehr esse. Meine Müdigkeit hat nachgelassen. Natürlich auch aus Gründen in Bezug auf die Umwelt.

Was ist ihr Lieblingswort?

Biodiversität. Es ist die Grundlage unserer Weinguts und auch der tägliche Grundgedanke bei der Arbeit.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.