Winzer am Ottenberg setzen auf hohe Qualität statt übervoller Lager

Die Winzer reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen auf den Verkaufsrückgang. Die einen ersetzen ihre alten Rebstöcke, andere reduzieren die Traubenmenge im Rebberg.

Mario Testa
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Winzer Michael Burkhart (rechts) bereitet mit dem Lernenden Thomas Bernhard die Abfüllanlage für seine Weine vor.

Winzer Michael Burkhart (rechts) bereitet mit dem Lernenden Thomas Bernhard die Abfüllanlage für seine Weine vor.

(Bild: Mario Testa)

Keine Schlaraffia, keine Feste und geschlossene Restaurants – die Winzer vom Ottenberg haben dieses Frühjahr Mühe, ihre Weine zu verkaufen. «Bei mir beträgt der Rückgang gegenüber den Vorjahren etwa 70 Prozent», sagt Winzer Michael Burkhart, der momentan die Abfüllung im Keller vorbereitet. «Gegenüber anderen Landwirtschaft-Zweigen ist es für uns schwierig, weil wir zwar auch weiter produzieren, aber die Restaurants nichts mehr abnehmen und auch keine Anlässe stattfinden, wo normalerweise einige Flaschen getrunken werden.» Er habe deshalb reagiert, um am Ende nicht übervolle Lager zu haben.

Michael Burkhart sterilisiert seine Abfüllanlage mit Wasserdampf.

Michael Burkhart sterilisiert seine Abfüllanlage mit Wasserdampf.

(Bild: Mario Testa)
«Ich habe mich dazu entschlossen, einige Reben auszureissen und neue zu pflanzen.»

«Ich wollte einen Teil meines Pinot Noirs ohnehin in den kommenden Jahren durch Merlot ersetzen. Nun ziehe ich diesen Sortenwechsel halt vor, produziere weniger und entlaste so den Markt.» Betroffen von diesem Ersatz sei eine Hektare Reben an seinem Aussenstandort in Hallau. «Mein Ansatz: Verknappen und neu setzen. Wenn das andere auch tun, können wir eine drohende Rabattschlacht vermeiden.»

Rebenersatz

Jungreben brauchen drei Jahre bis zur ersten Ernte

Weinreben in der Region hatten lange Zeit eine Nutzungsdauer von etwa 25 Jahren, heute sind auch über 30 Jahre gut möglich. Wenn sie ersetzt werden, brauchen die Jungreben drei Jahre, bis sie zum ersten Mal Ertrag abwerfen. «Wir rechnen dann etwa mit der halben Menge, bereits ab dem vierten Jahr ist es der volle Ertrag», sagt Michael Burkhart. Jungreben beziehen die Winzer von Rebschulisten, welche Setzlinge meist durch aufpfropfen aufziehen.

Auch Privatverkauf der Weine ist rückläufig

Auch Martin Wolfer merkt einen deutlichen Rückgang des Absatzes. «Er beträgt höchstens noch die Hälfte gegenüber den Vorjahren. Der Frühling ist sonst immer eine sehr gute Zeit, auszuliefern. Aber das fällt nun weg», sagt der Winzer. «Zwar kommen immer noch Bestellungen von Privatkunden rein, aber auch die sind zurückgegangen – ich versuche deshalb, den Verkauf übers Internet etwas zu forcieren.»

Winzer Martin Wolfer.

Winzer Martin Wolfer.

(Bild: Mario Testa)

Auf einen Rebenersatz wie Michael Burkhart verzichtet Martin Wolfer. Er hatte keinen geplant und mache es deshalb auch nicht.

«Wir werden aber sicher die Ertragsregulierung etwas intensivieren. Das kommt der Qualität zugute und reduziert die Menge.»

Reger Austausch unter den Winzern

Als Vizepräsident des Branchenverbands Deutschweizer Wein steht der Weinfelder Traubenproduzent Markus Müller in regem Austausch mit Berufskollegen aus der ganzen Schweiz. «Wir haben wöchentlich eine Telefonkonferenz. Wir diskutieren darüber, wie wir den Weinmarkt entlasten können.» Da der Markt die Preise bestimme, seien die Verbände daran, den Bund von Stützungsmassnahmen zu überzeugen. «Noch haben wir darauf keine Antwort des Bundesrats.»

Traubenproduzent Markus Müller.

Traubenproduzent Markus Müller.

(Bild: Mario Testa)

Den Ansatz des vorzeitigen Rebenwechsels, wie ihn Michael Burkhart nun praktiziert, begrüsst er. «Wir sagen unseren Winzern auch, wenn sie so etwas geplant haben, sollen sie es jetzt machen.»

Müller selbst weiss noch nicht, wie viele Trauben er im Herbst der Weinkellerei Rutishauser verkaufen kann.

«Ich warte gespannt auf eine entsprechende Nachricht meiner Abnehmerin.»

Er versuche, gelassen zu bleiben. «Ändern können wir an der momentanen Situation ja ohnehin nichts.»

Michael Balmer, Betriebsleiter der Rutishauser Weinkellerei AG in Scherzingen.

Michael Balmer, Betriebsleiter der Rutishauser Weinkellerei AG in Scherzingen.

(Bild: Reto Martin)

Auf Anfrage sagt Michael Balmer, Betriebsleiter der Rutishauser Weinkellerei AG: «Es ist eine ungemütliche Situation für uns alle. Wir wissen einfach nicht, wann die Umsätze wieder kommen – aber auch nicht, wie das Rebjahr wird.» 2018 und 2019 seien sehr ertragreiche Jahre gewesen, die Lager entsprechend gut gefüllt. «Die Krise hat die Situation verschärft.»

Johannes Meier, Schlossgut Bachtobel.

Johannes Meier, Schlossgut Bachtobel.

(Bild: Andrea Stalder)

Winzer Johannes Meier vom Schlossgut Bachtobel musste Degustationsanlässe im Frühling absagen und auch sein Schloss kann er nicht für Events vermieten. «Aber beim Weinverkauf sind wir weniger stark betroffen. Wir haben rund zwei Drittel Privatkunden», sagt Meier. Er unternehme deshalb auch keine Sofortmassnahmen. «Ich plane ohnehin auf viele Jahre hinaus. Es kann immer auch aus anderen Gründen wie Frost oder Hagel die Ernte vernichten, da muss man schlechte Jahre auch überstehen können.»

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