«Wir möchten, dass kein Lehrer die Schule verlässt»: Nach Lehrerexodus in Wigoltingen fordern Schüler den Rücktritt von Schulleiter und Schulpräsidentin

Am Dienstag haben sieben Lehrer der Oberstufe gekündigt. Nun formieren sich die Schüler. Sie wollen den Rücktritt des Schulleiters und der Schulpräsidentin.

Sabrina Bächi
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Die Oberstufenschüler der Volksschulgemeinde Wigoltingen fordern die Schulleitung und Schulpräsidentin zum Rücktritt auf. (Bild: Reto Martin, 4. April 2019)

Die Oberstufenschüler der Volksschulgemeinde Wigoltingen fordern die Schulleitung und Schulpräsidentin zum Rücktritt auf. (Bild: Reto Martin, 4. April 2019)

Am Donnerstagmorgen hat Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen alle Schüler der Oberstufe Wigoltingen zusammengerufen. Sie wollte über die derzeitige Situation mit den sieben Kündigungen informieren. Lehrer waren an diesem Anlass ausdrücklich nicht erwünscht.

Einige Eltern waren ebenfalls vor Ort. Allerdings wurden sie nur mit der Bedingung in die Halle gelassen, keine Fragen zu stellen, sagen verlässliche Quellen. Wie Nathalie Wasserfallen in ihrer Medienmitteilung schreibt, hätten «elf Elternteile als stille Zuhörer um Einlass gebeten».

Fakt ist, dass die Schüler die Gelegenheit nutzten und einen Brief vorlasen, der es in sich hat. Sie fordern darin Nathalie Wasserfallen und Schulleiter Mirko Spada zum Rücktritt respektive zur Kündigung auf. Es ist die zweite Kündigungsforderung an Mirko Spada innerhalb weniger Wochen. Die erste kam von den Lehrern.

Schüler kritisieren Kommunikation

Der Brief der Oberstufenschüler liegt unserer Redaktion vor. Sie finden darin klare Worte: «Wir haben Angst, plötzlich ohne Lehrer dazustehen.» Wer sich denn um die Schüler kümmere, wenn die gesamte Lehrerschaft kündige, fragen sie sich. «Leider zurzeit nicht die Leitung dieser Schulgemeinde! Sie sind sich ganz klar nicht bewusst, was für eine Riesenverantwortung sie als Leitung der Schule zu tragen haben!» So das klare Verdikt der über 100 Oberstufenschüler.

Des Weiteren bemängeln sie die Kommunikation und den Führungsstil der Leitung. Weder mit den Schülern noch mit den Eltern oder mit den Lehrern sei über die Gesamtsituation gesprochen worden. Sie seien zudem alle der Meinung, dass es «weder eine solche Veränderung, noch Kündigungen der Lehrer braucht, um diese Schule erfolgreich zu führen».

Kein Lehrer soll die Schule verlassen

Was deutlich aus dem Brief hervorgeht, ist die Angst der Schüler um ihre Zukunft. Sie fürchten schlechtere Noten und somit schlechtere Zeugnisse, was geringere Chancen auf gute Lehrstellen bedeute. «Wir möchten in eine sichere Zukunft schauen können, wir möchten, dass KEIN Lehrer aus Gründen, wie sie nun im Raum stehen, unsere Schule verlässt!»

Der emotionale Brief endet folgendermassen: «Die Oberstufenschüler der Volksschulgemeinde Wigoltingen fordern die Leitung, Nathalie Wasserfallen und Mirko Spada, auf, selbst die Schule zu verlassen und somit die Schule geeignetem Personal zu überlassen!!!» Nach dem Verlesen des Briefes seien die beiden angesprochenen Personen ausgebuht und ausgepfiffen worden.

Persönliche Anliegen entgegennehmen

Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin VSG Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin VSG Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Wie die Schulpräsidentin in ihrer Medienmitteilung schreibt, hätten sich vier Behördenmitglieder und die beiden Schulleiter die Zeit genommen, die Fragen der Schüler zu beantworten. «Es war uns wichtig, die persönlichen Anliegen der Schüler zu hören und ernstzunehmen.» Auch auf den Brief geht Wasserfallen ein. Dieser sei nur von einer kleineren Gruppe der Jugendlichen gestützt worden.

Es sei zudem im Verlauf der Veranstaltung klar geworden, «dass verschiedene Schüler aufgrund ihrer gemachten Aussagen von Lehrpersonen und Eltern für deren persönliche Anliegen instru­mentalisiert wurden». Auf die Rücktrittsforderungen geht sie in der Mitteilung nicht ein.