Wigoltinger Lehrer wollen über Kündigung sprechen – und fordern Entbindung vom Amtsgeheimnis

Mit einem Antrag an die Schulbehörde versuchen die Lehrer sich vom Amtsgeheimnis zu entbinden, um endlich Stellung zu ihren Kündigungen nehmen zu können. Am Elternnachmittag soll Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen erstmals eingeräumt haben,  dass auch schlechte Kommunikation ein Kündigungsgrund gewesen sei.

Sabrina Bächi
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Die Sekundarschule Wigoltingen steht seit mehreren Tagen im medialen Fokus wegen der sieben Kündigungen. (Bild: Sabrina Bäch)

Die Sekundarschule Wigoltingen steht seit mehreren Tagen im medialen Fokus wegen der sieben Kündigungen. (Bild: Sabrina Bäch)

Nach den Kündigungsforderungen an Schulleiter Mirko Spada und den eigenen Kündigungen hielten sich die Oberstufenlehrer der Volksschulgemeinde Wigoltingen stark im Hintergrund. Nun werden sie erstmals wieder aktiv und stellen der Behörde den Antrag auf die Entbindung vom Amtsgeheimnis.

Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen bestätigt den Eingang des Antrags. Er sei von mehreren Lehrern unterschrieben worden. Sie ersuchen um die Entbindung, «um die Situation und Position der Lehrpersonen zu den Verhältnissen an der Oberstufe Wigoltingen darlegen zu können», schreibt Wasserfallen.

Der Antrag sei am Donnerstagabend diskutiert worden, eine Antwort habe sie auf nächste Woche in Aussicht gestellt.

Schulleiter Mirko Spada ist abwesend

Kundgetan hat die Schulpräsidentin diese Neuigkeiten vom Antrag der Lehrer am Elternanlass vom Donnerstagnachmittag. Ursprünglich in Einzelgesprächen wollte die Schulpräsidentin Red und Antwort stehen. Doch bald zeichnete sich ab, dass so viele Eltern kommen würden, dass der Anlass in den Singsaal verlegt und zu einer Art Podium umgewandelt wurde.

Anwesend war dann auch nicht nur die Präsidentin, sondern die gesamte Schulbehörde. Ebenfalls vor Ort war der organisatorische Schulleiter Philipp Zimmer. Nicht anwesend war Schulleiter Mirko Spada. Er habe einen Termin und solle aus der Schusslinie genommen werden, teilte Wasserfallen mit.

«Es hat nichts gebracht»

Die rund 40 bis 50 Personen, hauptsächlich Mamis von schulpflichtigen Kindern, durften in den zwei Stunden ihre Sorgen los werden und Fragen stellen. «Es war eine Erfahrung, aber gebracht hat es nichts», sagt eine Wigoltingerin, die vor Ort war.

Die Stimmung sei denn auch entsprechend gedrückt, fast traurig gewesen. Einige Mütter hätten Tränen in den Augen gehabt und der Anlass sei sehr emotional gewesen. Hauptthemen waren das neue Schulsystem und die Kündigungen. Die Anwesenden hätten von der Behörde mehrfach verlangt, genau zu definieren, was denn nun die Ziele seien. «Wo steht die Schule in fünf Jahren?» Auf diese Frage etwa sei nur sehr ausweichend geantwortet worden.

Doch ganz klar habe der Schwerpunkt auf den Kündigungen gelegen. «Wir Eltern wollten wissen, weshalb Frau Wasserfallen die Kündigungen akzeptierte, warum sie nichts dagegen unternommen hat», sagt eine Wigoltinger Mutter schulpflichtiger Kinder.

Kommunikation ist nun doch ein Kündigungsgrund

Erstmals, berichten mehrere Personen, hätte Wasserfallen zugegeben, dass auch die schlechte Kommunikation ein Kündigungsgrund der sieben Lehrer sei. Auf Anfrage will sie dazu jedoch keine Stellung nehmen. Bisher beharrte Wasserfallen immer darauf, dass die Lehrer sich den Neuerungen verweigerten und keine G-Schüler unterrichten wollen.

Es sei auch nachgefragt worden, welche Lehrer denn konkret ein Problem mit G-Schülern hätten. Darauf erhielten die Anwesenden ebenfalls keine Antwort. Eine Mutter findet:

«Wenn die Behörde nichts zu verbergen hat, dann ist es wohl kein Problem, die Lehrer vom Amtsgeheimnis zu entbinden.»

«Wir möchten uns ein vollumfängliches Bild machen. Nicht mehr und nicht weniger», forderten die anwesenden Eltern.

Ein Behördenmitglied entschuldigt sich

Insgesamt hätten die Schulpräsidentin und die Behörde nachdenklich gewirkt. Nicht mehr ganz so selbstsicher wie noch an der Schülerkonferenz, heisst es. Wasserfallen habe ruhig und souverän durch die Veranstaltung geführt. Behördenmitglied Markus Werner entschuldigte sich auch bei den Eltern. Es tue ihm von Herzen leid, was passiert sei. Dafür erntete er Applaus.

Die Schulpräsidentin wollte auf Anfrage keine Stellung zum Elternnachmittag beziehen. Sie schreibt:

«Ich bin der festen Überzeugung, dass die Situation der Sekundarschule Wigoltingen in den nächsten Tagen nicht weiter in den medialen Fokus geraten darf. Aus diesem Grund verzichte ich auf eine Stellungnahme.»

Die grossen Verlierer seien die Kinder, finden viele Eltern. «Die Behörde betonte öfters, dass es um das Wohl der Kinder geht», sagt eine Mutter, «doch wäre dass der Fall, hätte man den Konflikt gelöst».

Einige Eltern bedauern, dass ein falsches Bild von den Oberstufenlehrer vermittelt werde. Eine andere Mutter, welche am Elternnachmittag anwesend war, sagt: «Wir haben so tolle Lehrer, es ist einfach nur traurig.»

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