Nach Elternbrief wegen Drogen und Waffen: Wigoltinger Lehrer fordern Schulleiter zur Kündigung auf

Sekundarlehrer lehnen den Schulleiter ab. Hauptgründe: die einseitige Kommunikation und der Führungsstil. Die Schulpräsidentin fordert die Lehrer auf, zu kündigen oder am selben Strang zu ziehen.

Sabrina Bächi
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Das Sekundarschulhaus in Wigoltingen. (Bild: Reto Martin)

Das Sekundarschulhaus in Wigoltingen. (Bild: Reto Martin)

In der Sekundarschule Wigoltingen will keine Ruhe einkehren. Nicht nur, dass die Eltern über Cybermobbing, Drogen und Waffen an der Schule informiert werden mussten, es scheint, als ob intern heftige Differenzen zwischen der Schulleitung und den Lehrpersonen bestehen.

Wie verlässliche Quellen berichten, hätten acht von zehn Lehrern klar Stellung gegen die beiden Schulleiter Mirko Spada und Philipp Zimmer bezogen. In einem Brief, den die Lehrer vor den Schulleitern und der Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen vortrugen, fordern sie die Schulleiter auf, zu kündigen. Sonst, so die Botschaft, würden sie selbst kündigen.

Der Führungsstil steht in der Kritik

Zwei der acht Lehrer haben bereits gekündigt, das bestätigt auch Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen. Wie es aus schulnahen Kreisen heisst, hätten verschiedene Lehrpersonen mit der Behörde schon vor längerer Zeit und öfters das Gespräch gesucht und verschiedentlich den Führungsstil Spadas bemängelt. Eine schulnahe Person sagt:

«Die Stimmung im Schulhaus ist auf einem Tiefpunkt. Viele Lehrer gehen in den Pausen gar nicht mehr ins Lehrerzimmer, nur um der Schulleitung aus dem Weg zu gehen.»
Mirko Spada, Schulleiter in Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Mirko Spada, Schulleiter in Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Die Behörde stehe hinter ihren beiden Schulleitern. Zudem wolle sie die Schule wie ein KMU führen. Die Weisungen kämen von oben. Die Lehrer seien nur ausführende Kraft. Mitentscheiden könnten sie nicht. Die Lehrer wünschen sich jedoch, mit einbezogen zu werden.

Einseitige Kommunikation

Die Kommunikationspolitik Spadas scheint vordergründig eines der Hauptprobleme zwischen den Lehrkräften und der Schulleitung zu sein. Sein Kommunizieren sei reines Informieren. Den Lehrern käme es so vor, sie würden nur pro forma angehört.

Mirko Spada will zu den Vorwürfen gegen ihn und seinen Führungsstil auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin VSG Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Nathalie Wasserfallen, Schulpräsidentin VSG Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Die Probleme mit der Lehrerschaft sind bereits seit einiger Zeit virulent. Die Umstellung der Schule auf ein durchlässiges Niveau-System ist der Knackpunkt. Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen lässt in einer Medienmitteilung von Donnerstagabend verlauten:

«Gesetzlich ist die Schule verpflichtet, die Durchlässigkeit der verschiedenen Niveaus zu gewährleisten, was optimale Stundenpläne für die Schüler und nicht für einzelne Lehrpersonen bedeuten würde.»

Es gebe Lehrer, die sich sogar weigern würden, Schüler aus G-Klassen in einzelnen Fächern zu unterrichten. Das hatte für die Schule bereits zur Folge, dass die kantonale Schulevaluation vor drei Jahren feststellen musste, dass an der Oberstufe Wigoltingen vergleichsweise «nur kleine Entwicklungsschritte gemacht werden».

Kritik wird ernst genommen

Schulpräsidentin Wasserfallen stellt klar: «Kritik wird und wurde ernst genommen.» In ihrer Medienmitteilung heisst es unmissverständlich aber auch: «Die Zeiten, in denen Individualinteressen einzelner Lehrpersonen vor den Gesamtinteressen der Schüler, aber auch der Steuerzahler standen, sind vorbei.»

Dieses klare Bekenntnis zu einer pädagogisch geführten Schule passe nicht allen Lehrpersonen. Zwei hätten bereits gekündigt, dies «gilt es, zu akzeptieren». Wer jedoch am 1. Mai im ungekündigten Arbeitsverhältnis stehe, «bekennt sich zur schon seit langer Zeit notwendigen pädagogischen Weiterentwicklung der Sekundarschule», schreibt Wasserfallen. Die Behörde hält also an ihrem Weg fest und nimmt Kündigungen in Kauf.

Zur Person

Mirko Spada, geboren 1969, ist ehemaliger Schweizer Zehnkämpfer. 1993 und 1994 wurde er in dieser Disziplin Schweizer Meister. Er wurde drei Mal Thurgauer Sportler des Jahres. 2001 gründete er die Nationale Elitesportschule Thurgau (NET), die er bis zu seinem Wechsel vergangenes Jahr an die Volksschulgemeinde Wigoltingen auch leitete.

Er politisierte in der FDP, war in der Kreuzlinger Schulbehörde und im Gemeindeparlament. 2014 wollte er als Schulpräsident in Kreuzlingen kandidieren, wovon ihm die FDP-Ortspartei abriet, da er nicht der Kronfavorit sei. Daraufhin gab Spada seinen Austritt bekannt. 2015 kandidierte er erfolglos für den Kreuzlinger Stadtrat. Er wohnt in Tägerwilen. (sba)