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Wieso? «Weil geil!»

Sommerserie Hausbesuch, Teil 2: Fünf junge Männer haben im Haus «Zum Roten Öpfel» im Hefenhofer Weiler Sonnenberg eine WG gegründet.

Sheila Eggmann
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Die WG «zum Roten Öpfel»: Thomas Stäheli, Andy Schär, Eric Hausammann, Tobias Stadler und Massimo Stacher.

Die WG «zum Roten Öpfel»: Thomas Stäheli, Andy Schär, Eric Hausammann, Tobias Stadler und Massimo Stacher.

Bild: Andrea Stalder

Sie sind zwischen 22 und 23 Jahre alt, alle im Turnverein Egget- hof und sie teilen sich seit neustem eine Waschmaschine: Thomas Stäheli, Tobias Stadler, Andy Schär, Eric Hausammann und Massimo Stacher wohnen seit vergangenem Herbst im ehemaligen Restaurant «Zum Roten Öpfel» in Hefenhofen.

Wer wohnt hier?

In der Sommerserie Hausbesuch stellt die Redaktion Oberthurgau in einem ersten Teil ein spezielles Haus aus der Region und seine Geschichte vor – ohne jedoch zu verraten, wer es bewohnt. In einem zweiten Teil wird schliesslich aufgelöst, wer sich darin niedergelassen hat.

Dass sie zu fünft zusammenziehen wollen, haben sie vor anderthalb Jahren entschieden. Wieso? «Weil geil!», sagt Schär. Alle ausser Thomas Stäheli sind in Eggethof aufgewachsen und zusammen zur Schule gegangen. Und Thomas, «der ist uns zugelaufen und nicht mehr gegangen», sagt Hausammann. Den Entscheid, in den «Roten Öpfel» zu ziehen, fiel den Fünfen leicht: «Dieses Haus war das erste mit fünf vernünftigen Zimmern und grossem Garten.»

Ab und zu kommen Fremde vorbei

Wie lebt es sich in einer Fünfer-WG im grossen Haus? «Es ist lustig. Aber manchmal auch mühsam», sagt Stadler. «Du hast alles. Die extrem lauten Tage und die, an denen du ganz alleine im Haus bist.» Vier von fünf Bewohnern haben eine Freundin. Diese sind regelmässig im Haus. «Und dann haben wir noch zwei Haustiere – also zwei Kollegen, die oft hier sind», sagt Hausammann. Die läuten nicht. Die sind einfach da. Das ist hier von allen akzeptiert.

Überhaupt hat die WG gerne Leute um sich. Oft kommen Freunde vorbei. Und ab und zu Fremde, die noch nicht gemerkt haben, dass im Gebäude kein Restaurant mehr ist. «Die stehen plötzlich im Wohnzimmer», sagt Stacher. Dann werde jeweils ein Bier zusammen getrunken. «Das ist das Schöne hier.» Und wenn keiner von alleine kommt, so wird halt eingeladen. Vor drei Wochen hat die WG zusammen den Garten umgegraben und neugestaltet – für sie ein guter Grund, um die Nachbarn einzuladen und zu feiern. «Es hat uns echt gefreut, dass so viele gekommen sind. Wir sind froh, haben wir so nette Nachbarn», sagt Stacher. Es sei zwar nicht jeden Tag Rambazamba, aber es werde doch ab und zu laut.

5 Bilder

Andrea Stalder

Das Zusammenleben scheint bisher gut zu funktionieren. Streit gibt es selten. Ein Objekt in der WG spaltet jedoch die Meinungen: die Waschmaschine. Hausammann sagt:

«Wir haben verschiedene Philosophien über das Waschen.»

«Die einen schaffen es, Wäsche zu machen, ohne dass es aus der Maschine hinausschäumt», ergänzt er. Bei anderen funktioniere das jedoch weniger gut. Da könne es auch mal vorkommen, dass es bis in den Keller tropfe.

Die einzigen zwei Bilder sind spurlos verschwunden

Über andere Vorkommnisse lacht man hingegen. Da war der eine WG-Ausflug in das schwedische Möbelhaus. Vor allem, um Geschirr zu kaufen. Und zwei Bilder, darauf waren zwei Hirsche abgebildet. Diese seien allerdings auf dem Weg nach Hause irgendwie abhandengekommen. «Niemand von uns weiss wieso. Das waren die einzigen zwei Bilder, die wir je gekauft haben», sagt Hausammann und lacht.

Das WG-Leben funktioniert gut. Abends isst zusammen, wer gerade da ist. Der Haushalt ist nicht klar geregelt, und doch hat jeder seine Rolle. «Thomas ist in meinen Augen die Putzfee», sagt Stacher. «Er ist einfach der Erste, der sich an etwas stört und es dann halt wegräumt», präzisiert Hausammann, der Kassier der WG. Er verwaltet die Gemeinschaftskasse, die für Essenseinkäufe gebraucht wird.

Oder für Dinge, die als unverzichtbar gelten. Für eine Drohne zum Beispiel. Die lag beim letzten Einkauf gerade im ersten Regal.

«Ab und zu wird ein Seich gekauft. Aber das darf man auch. Wir sind ja noch jung und haben unseren Spass.»

Das sagt Stacher, der kommunikative Grafiker. Er hat das WG-Logo mit einem Apfel entworfen. Daraus sind T-Shirts und Dächlikappen für das Quintett entstanden. Und dann gibt es noch Stadler. Er ist der erste Grillör. Und er kocht auch oft. «Aber Grillieren, das hat er fett im Griff», sagt Schär. Er wiederum ist der Mann mit den sarkastischen Kommentaren.

Abends sitzen die Bewohner oft bei einem Bier im Garten und geniessen dabei den Ausblick auf den Säntis. Manchmal hängen sie eine Tafel an die Tür mit der Aufschrift: «Heute spontan geöffnet.» Stacher sagt:

«Ich glaube, das wird mir noch fehlen, wenn ich irgendwann einmal ausziehen werde.»
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