Wie sich die Thurgau Indien Ladies als dritte Kraft im Schweizer Fraueneishockey etablieren wollen

Im Sommer 2020 wurde aus den SC Weinfelden Ladies die Thurgau Indien Ladies. Und mit dem Umzug nach Kreuzlingen stiegen auch die Ambitionen des NLA-Klubs. Nicht nur die massive Verstärkung des Kaders mit mehreren Nationalspielerinnen zeugt davon.

Daniel Monnin
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Die Spielerinnen der Indien Ladies hören Assistenztrainerin Anja Stiefel aufmerksam zu.

Die Spielerinnen der Indien Ladies hören Assistenztrainerin Anja Stiefel aufmerksam zu.

Bild: PD

Jahrelang hiessen die Meister in der NLA der Frauen Lugano und ZSC Lions. Am Ende der Tabelle kämpfte der SC Weinfelden regelmässig tapfer gegen den Abstieg. Das soll sich in der Saison 2020/21 ändern – und wird sich auch. Verantwortlich dafür ist das neugegründete Frauenteam Thurgau Indien Ladies mit Sitz in Kreuzlingen.

Die Thurgauerinnen sind quasi wie der Phönix aus der Asche der Weinfelden Ladies aufgestiegen und haben sich für ihre erste Saison massiv verstärkt. Mit den beiden Schweizer Nationalspielerinnen Janine Alder im Tor und Phoebe Staenz im Sturm haben sie zwei Perlen verpflichtet, die jedes Team besser machen. Ergänzt wird das neue Kader durch die 34-jährige tschechische Internationale Simona Studentova (von Ligakonkurrent Neuchâtel zugezogen) sowie die 23-jährige US-Amerikanerin Janna Haeg (St.Cloud University). Dazu kommt ein bereits bestehender Stamm an jungen, talentierten U18-Nationalspielerinnen.

Die «besten Strukturen in der Schweiz» aufbauen

Sportchef Thomas Naef und mit ihm das Trainergespann Matthias Rehmann und Anja Stiefel geben die Leitlinie vor: «Wir wollen ins Meisterschafts-Playoff und das Finalwochenende im Cup erreichen.» Da gibt es reichlich Luft nach oben, denn die Ligakonkurrenten zählen die Indien Ladies respektvoll zum Favoritenkreis. «Das Team muss sich zuerst finden, wir wollen realistisch bleiben,» sagt Sportchef Naef. Das vordergründige Ziel des neuen Klubs sei längerfristig ausgerichtet, «mit einem zielgerichteten Aufbau und den besten Strukturen in der Schweiz.»

Ähnlich sieht das der neue Cheftrainer Rehmann: Der 38-jährige Südtiroler mit langjähriger Spieler- und Nachwuchstrainererfahrung in seiner Heimat ist einer von zwei Profitrainern im Nachwuchs des EHC Kreuzlingen-Konstanz und kümmert sich zusätzlich um die Indien Ladies. Rehmann gilt als stiller Arbeiter und Ausbildner mit Liebe zum Detail, wie man aus Italien hört. Das passt zum jungen Team der Indien Ladies.

Ihm zur Seite steht seit etwas mehr als einem Monat die ehemalige Profispielerin Anja Stiefel. «Wir bilden ein gleichberechtigtes Duo, ihre Mitarbeit ist sehr wertvoll und sie ist zudem für viele unserer Spielerinnen ein Vorbild,» sagt Rehmann. Stiefel lehnte eine Offerte als Co-Headcoach im Frühsommer noch ab, stieg später als Assistenztrainerin ein und hat sich mittlerweile ein viel beachtetes Standing erarbeitet. «Sie ist die ideale Ergänzung zu mir, wir harmonieren bestens und sie wird mich auch als Headcoach vertreten, wenn ich aufgrund von Terminkollisionen mit dem Nachwuchs nicht dabei sein kann», so Rehmann. Stiefel gefällt die neue Rolle gut. «Ich habe die Herausforderung vollauf angenommen,» sagt sie.

Noch fehlt die Arbeitsbewilligung

Die erste Saison der Thurgau Indien Ladies beginnt am kommenden Sonntag, 27. September, um 15 Uhr mit dem Auswärtsspiel gegen Reinach. Zuzug Janna Haeg wird den Auftakt verpassen. Die US-Stürmerin hat zwar die Spiellizenz erhalten, noch fehlt ihr aber die Arbeitsbewilligung aus Bern. «Und ohne dieses Papier darf sie in der Meisterschaft nicht eingesetzt werden», sagt Sportchef Naef. Nichtsdestotrotz: Die Thurgau Indien Ladies werden die Playoff-Qualifikation ohne grössere Probleme schaffen, ja schaffen müssen. Danach, sagen Sportchef und Coaches übereinstimmend, sei alles möglich.

Die NLA der Frauen besteht 2020/21 aus folgenden Teams: Thurgau, Lugano, ZSC Lions, Thun, Reinach und Neuchâtel.