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Wie heisst es richtig? - Wäldinger, Wäldemer oder Waldemar

TZ-Praktikantin Viviane Vogel recherchierte über die korrekte Bennenung der Einwohner ihres Heimatortes. Und sie deckte dabei einige Ungereimtheiten auf.
Viviane Vogel
Das Wahrzeichen von Wäldi: Der Turm ist zum Glück nach Napoleon benannt, sonst müsste man entscheiden, ob er Wäldemer oder Wäldinger Turm heissen soll. (Bild: Reto Martin)

Das Wahrzeichen von Wäldi: Der Turm ist zum Glück nach Napoleon benannt, sonst müsste man entscheiden, ob er Wäldemer oder Wäldinger Turm heissen soll. (Bild: Reto Martin)

Mit grossen Augen schaut der Wäldemer in die Zeitung und erkennt sich fast nicht wieder. «Der Wäldemer Gemeinderat entscheidet dies oder das.» Wälde-wie? «Die Wäldemer Jugend bei Spiel und Spass.» Von welcher Jugend spricht dieser Artikel eigentlich? Sein Dorf heisst doch Wäldi, und nicht Wäldemen. Er fragt die Dorfbewohner in seinem Umfeld. Zur Antwort hört er immer nur:

«Wir sind doch Wäldinger!»

Aber dann durchzuckt es ihn wie ein Blitz: Ein Dorf namens Wäldingen ist ihm auch nicht bekannt. In seiner Verzweiflung fragt er Karl Möckli, den ehemaligen Gemeindepräsidenten. Auch Möckli tendiert zu Wäldinger und sagt, es störe ihn schon auch ein bisschen. «Aber so ein grosses Problem ist das doch auch wieder nicht.»

Bis zur Existenzkrise

Der Wäldemer gibt ihm Recht und verabschiedet sich dankend. Dabei glitzert jedoch ein Tränchen der Verzweiflung in seinen Augen. Seine Existenzkrise wird grösser, er erinnert sich daran, wie sein Chef ihm nicht geglaubt hat und «Wäldinger» gar etwas abwegig fand. Der Chef kannte nur die Bezeichnung «Wäldemer», wobei er sich auf den verstorbenen Namensforscher Eugen Nyffenegger stützte. In seiner Verzweiflung begibt sich der Wäldemer also auf die Spuren dieses Nyffeneggers.

Wie die Leute sagen, so ist es richtig

Bei seinen Recherchen stösst er auf eine Internetseite, ortsnamen.ch, einem Verzeichnis aller Orte der Schweiz. Sein Herz schlägt schneller: Auf dieser Website steht auch «Wäldinger». Doch der ersehnte Moment der Erlösung währt nur kurz, denn die Internetseite basiert ebenfalls auf Nyffenegger. Dem Wäldemer drängt sich ein Widerspruch auf. «Ein Sprachforscher, der mir gleichzeitig Wäldinger sagt, der Zeitung aber zu Wäldemer rät?»

Die Endung -emer ist gerade in Mode

Der Wäldemer ruft beim Idiotikon an, einem Wörterbuch für Schweizerdeutsch. «Die Endung -emer ist gerade sehr in Mode», informiert ihn dort Hans-Peter Schifferle, Chefredaktor des Idiotikons. «Aber es gilt: Wie die Leute sagen, ist es richtig.» Er leitet weiter an seinen Kollegen Martin Graf, der sich sogar in Aufsätzen mit diesem Thema befasst. Graf erklärt: «Wir beziehen uns auf unserer Website auf die Dorfeinheimischen Hans Schenk und Max Böhi, die beide Wäldinger angaben. Das entspricht nicht der individuellen Sprache Nyffeneggers. Als Linguist würde man bei einem Dorf namens Wäldi schon eher die Endung -emer erwarten.»

Ein Knoten im Magen

Der Magen des Wäldemers verknotet sich. «Aber da zweisilbige Ortsnamen bei ihrer Umsetzung in einen Ortsbewohnernamen häufig dreisilbig werden, kann zwischen der Stammsilbe (Wäld-) und der Endung -er halt allerhand passieren. Die Endung -inger wird dadurch erleichtert, dass der Ortsname ja schon mit einem -i aufhört.» Der Knoten im Magen des Wäldingers löst sich. «Nachbarorte wie Berlingen, Ermatingen, Wigoltingen und Triboltingen haben sicher auch dazu beigetragen, diese analoge Endung zu formen», merkt Graf an und der Wäldinger lacht auf. Nein, eigentlich ist es ja kein grosses Problem, wie man nun genannt wird. Aber eben nur im Nachhinein, wenn es dem eigenen Empfinden wieder entspricht. Nun ist der Wäldinger froh, sich in der Zeitung wieder erkennen zu können. Denn wie die Einheimischen sich selbst nennen, das gilt.

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