Wie dein besoffener Onkel: So beschreibt sich die Rockband King Ouzo aus Arbon

Die Musiker Christian Rechsteiner und Christian Breuer nehmen in ihren Texten kein Blatt vor den Mund. Kürzlich veröffentlichten sie ihr Album «Das ist keine Hundescheissewiese».

Sheila Eggmann
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Christian Breuer und Christian Rechsteiner mit Hund Quinn von der Andreashöhe.

Christian Breuer und Christian Rechsteiner mit Hund Quinn von der Andreashöhe.

Reto Martin

«Sie erkennen uns daran, dass wir wie King Ouzo aussehen.» Das schreibt Christian Rechsteiner per E-Mail als Antwort zur Interviewanfrage. Was man darunter verstehen soll? Man stelle sich seinen immer schlecht angezogenen, besoffenen Onkel vor. Der Onkel, der auf der Familienfeier kein Blatt vor den Mund nimmt und mit seinen Witzen immer gut unter die Gürtellinie geht. Dem aber niemand wirklich böse sein kann, weil er einfach zur Familie gehört. So beschreibt sich die Band auf der Website eines Musikportals. Wir sind gespannt.

An einem Tisch beim Hafenkiosk bei der Seepromenade. Der Himmel ist wolkenverhangen. Christian Rechsteiner und Christian Breuer trinken Kaffee und Hahnenburger. Sie sehen beide nicht aus wie der immer besoffene Onkel. Vielleicht, weil es erst 14 Uhr ist? Heute schon getrunken? «Nein. Süsses und Alkohol gibt es erst ab vier Uhr nachmittags», sagt Breuer.

«Das hat uns in der Schweiz gefehlt»

Breuer und Rechsteiner machen schon über zwanzig Jahre zusammen Musik, sie sind Teil der Rockband The Ithaka Chronicles. Vergangenen Dezember haben sie sich entschieden, statt englische auch schweizerdeutsche Lieder zu produzieren, und gründeten King Ouzo. Wieso? Rechsteiner sagt:

«Etwas Lustiges auf Mundart hat uns in der Schweiz gefehlt.»

Entstanden ist daraus das Album «Das ist keine Hundescheissewiese». Für den Fototermin dieser Zeitung hat das Duo extra den Hund einer Freundin ausgeliehen, selbstverständlich ein stubenreiner und noch dazu einer von adligem Blut. Das Album mit Songs wie «Gang doch uf Tutti» oder «Chamer mache» wurde erst kürzlich veröffentlicht. Die Musik darauf klingt so, als hätte man dem immer besoffenen Onkel das Bier weggetrunken. Oder den Ouzo, wenn man so will. Sie ist rockig, aber nicht zu rockig. Die Texte sind ironisch und fadegrad. «Die sölleds alli moll echli chille» ist die Lieblingsline von Rechsteiner.

Breuer hingegen besingt am liebsten den Frust über Hunde, die überallhin kacken. Sätze wie «De huere Köter het mer wieder ufd Wiese gschisse» zu singen, habe etwas Befreiendes. Gleich verhält es sich mit der Zeile, in der er Andreas Gabalier als Schlagersau betitelt. «Das ist auch nicht schlecht», sagt er.

Darf man das?

King Ouzo sind aber nicht nur die zwei lederjackentragenden Musiker, die sich über die breite Masse lustig machen. Die 44-Jährigen sind beide auch als Lehrer tätig. Wobei sich Breuer lieber als Unternehmer betitelt sieht. «Mein Beruf ist hier nicht relevant.»

Darf man als Lehrer Zeilen singen wie: «Mini Fründin isch e Nazisau?» «Ja, unbedingt», finden beide. «Wenn es wahr ist, darf man das. Man muss sogar», sagt Rechsteiner. Das Duo sieht sein Musikprojekt als Herausforderung. Rechsteiner, der die Songs schreibt, sagt: «Auf Englisch kann man einfacher eingehende Slogans heraushauen.» In Dialekt hingegen funktioniere das weniger gut.

«Man muss viel strenger sein mit seinen Texten. Das finde ich sehr interessant.»

King Ouzo plant, ab kommendem Frühling live aufzutreten, sofern es die Lage zulässt. Bis dahin kann man ihre Musik auf den gängigen Portalen hören. Darauf ein Ouzo. Jamas!

www.mx3.ch/kingouzo, spotify oder https://kingouzo.bandcamp.com