Widerstand
«Wir hoffen, dass die Post mit sich reden lässt»: Tägerwiler Parteien lancieren eine Petition gegen die Schliessung

Nach der angekündigten Schliessung der Tägerwiler Post regt sich Widerstand. Die EVP und die CVP haben unterdessen eine Petition mit dem Titel «Ja zur Tägerwiler Post» lanciert. Bisher haben über 300 Personen unterschrieben.

Rahel Haag
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Die Tägerwiler Poststelle an der Bahnhofstrasse 16.

Die Tägerwiler Poststelle an der Bahnhofstrasse 16.

Bild: Donato Caspari
(26. Februar 2021)

Seit bekannt ist, dass die Tägerwiler Poststelle Mitte Juni schliesst, gehen in der Gemeinde am Seerhein die Wogen hoch. Leserbriefe in der «Tägerwiler Post» zeugen davon: «Die Nachricht traf alle Einwohner völlig unvorbereitet», «Wen immer ich frage: Abbau von Service Public im Zentrum kommt ganz schlecht an», «Die Bevölkerungszahl in Tägerwilen wird gepusht auf bald über 5000 Einwohner und gleichzeitig die Post abgebaut – das darf doch nicht wahr sein».

Derselben Meinung ist auch Thomas Schäfli, Präsident der EVP Tägerwilen. «Wir wollen die Schliessung nicht einfach so akzeptieren», sagt er. Deshalb hat die Partei gemeinsam mit der CVP Tägerwilen die Petition «Ja zur Post Tägerwilen lanciert». Sie läuft seit dem 16. März, bisher haben knapp 330 Personen unterschrieben. Das erklärte Ziel: Bis zum 12. April sollen rund 500 Unterschriften zusammenkommen. Dies entspräche rund zehn Prozent der Tägerwiler Bevölkerung. Schäfli sagt:

«Wir hoffen, dass die Post dann mit sich reden lässt.»
Thomas Schäfli, Präsident EVP Tägerwilen.

Thomas Schäfli, Präsident EVP Tägerwilen.

Bild: PD

Ende Februar hatte die Post CH AG mitgeteilt, dass sie ihre Dienstleistungen künftig in der Migros an der Hauptstrasse 117 anbieten werde. Sie liegt am östlichen Rand des Dorfs. Schäfli ist überzeugt:

«Ein Grossteil der Kundinnen und Kunden wird die Postgeschäfte entsprechend mit dem Auto erledigen müssen.»

In seinen Augen – und in deren vieler anderer – geht mit der Schliessung der Postfiliale auch ein Abbau des Service Public einher. Fakt ist: Bargeldgeschäfte müssten neu über den Postboten an der Haustür abgewickelt werden, um sich Geld vom eigenen Postkonto auszahlen zu lassen, ist zudem eine Voranmeldung nötig. Darüber hinaus verlieren die drei Mitarbeitenden der Post ihren Job, da der Schalter in der Migros von deren Mitarbeitenden betreut wird.

Massgeschneiderte Lösung für lokales Gewerbe

Gemeindepräsident Markus Thalmann überrascht die Gegenwehr aus der Bevölkerung nicht. Er habe Verständnis für die Reaktionen.

«Ich habe ja auch nicht gejubelt, als ich es erfahren habe.»
Markus Thalmann, Gemeindepräsident.

Markus Thalmann, Gemeindepräsident.

Bild: Andrea Stalder

Die EVP habe noch das Gespräch mit ihm gesucht, bevor sie die Petition lanciert habe. Er habe sie weiter an die Post CH AG verwiesen. Allerdings geht er nicht davon aus, dass die Petition einen Einfluss haben wird. «Das Eröffnungsdatum steht ja schon fest.»

Ein wichtiges Anliegen sei ihm, dass es für das lokale Gewerbe, das auf den Service der Post angewiesen sei, eine massgeschneiderte Lösung gebe. «In dieser Hinsicht bahnt sich etwas an», sagt er.

Grundsätzlich ist Thalmann nicht der Ansicht, dass diese Veränderung grosse Auswirkungen auf die Gemeinde haben wird. Er sagt:

«Ich persönlich fand es schlimmer, als die beiden Metzgereien in Tägerwilen geschlossen worden sind.»

Ein Grossteil der Einwohnerinnen und Einwohner sei wohl schon seit Jahren nicht mehr auf der Post gewesen. Zudem würden alltägliche Dienstleistungen weiterhin abgedeckt.

Für den 15. April hat die Post CH AG eine Informationsveranstaltung in den Schalterhallen der Tägerwiler Post angekündigt. «Dabei haben die Einwohnerinnen und Einwohner die Möglichkeit, ihre Fragen zum zukünftigen Postangebot zu klären», heisst es in einer Mitteilung. «Lachhaft», nennt das Schäfli, «besonders in Zeiten von Corona.» Seiner Meinung nach hätte man eine solche Veranstaltung mindestens in die Bürgerhalle verlegen müssen. Für ihn zeigt das Vorgehen einmal mehr:

«Die Post will nicht das Gespräch suchen, sondern nur informieren.»

Eben jenen Tag wollen die Petitionäre nutzen, um der Post die gesammelten Unterschriften zu überreichen.