Widerstand gegen Tempo 30 in Kradolf-Schönenberg

Nach den Befürwortern machen jetzt auch die Gegner mobil: In Kradolf-Schönenberg sammelt ein Komitee Unterschriften mit dem Ziel, Tempo-30-Zonen zu verhindern.

Georg Stelzner
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Im östlichen Teil des Dorfes Schönenberg befindet sich ein Wohnquartier, das für eine Tempo-30-Zone im Gespräch ist: links die Poststrasse, vorne die Grünaustrasse und rechts die Thurfeldstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Im östlichen Teil des Dorfes Schönenberg befindet sich ein Wohnquartier, das für eine Tempo-30-Zone im Gespräch ist: links die Poststrasse, vorne die Grünaustrasse und rechts die Thurfeldstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Markus Kammerlander und Gottlieb Egger, zwei Einwohner von Schönenberg, setzen sich zur Wehr. Die Argumentation der Befürworter von Tempo-30-Zonen in Wohnquartieren können die beiden nicht nachvollziehen.

Bereits 80 Unterschriften gesammelt

Kopfschüttelnd widersprechen die beiden Bürger und verweisen dabei auf Geschwindigkeitsmessungen, die keine Dringlichkeit erkennen liessen. Kammerlander und Egger verstehen sich als Sprachrohr jener Mitbürger, die der gleichen Meinung sind.

Aus diesem Grund haben sie ein Komitee ins Leben gerufen, dessen Aufgabe darin besteht, möglichst viele Unterschriften zu sammeln. In den ersten zwei Wochen hätten die Petition bereits rund 80 Einwohner unterzeichnet, sagt Kammerlander.

Unnötig und kostspielig

Gründe für ihren Standpunkt aufzuzählen, fällt den beiden Schönenbergern nicht schwer. «Ich bin alle in Frage kommenden Strassen abgeschritten und habe dabei festgestellt, dass man aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ohnehin nicht schneller fahren kann», führt Kammerlander aus.

Das Phänomen des Rasens ist seiner Einschätzung nach inexistent. «Wir brauchen in den Quartieren kein Tempo 30, sondern rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer.»

Gottlieb Egger warnt vor den zu erwartenden Kosten für eine Einführung von Tempo- 30-Zonen. Zudem wehrt er sich gegen eine weitere Bevormundung der Bürger: «Es gibt schon genügend Reglemente und Vorschriften.» Einverstanden erklären könnte sich Egger mit einer Signalisation «Freiwillig 30».

Gemeinderat ist uneins

Gemeindepräsident Heinz Keller ist nicht überrascht, dass nun auch das andere Lager zum Mittel des Unterschriftensammelns greift. Er habe gespürt, dass den Tempo-30-Zonen eine relativ grosse Gegnerschaft erwächst.

«Wir werden seriös abklären, was sinnvoll und möglich ist», kündigt Gemeindepräsident Heinz Keller an.

Keller ist sich bewusst, dass die Bevölkerung von der Behörde eine baldige Entscheidung erwartet. «Wir beleuchten die Thematik heuer sicher nochmals, übers Knie brechen werden wir aber nichts, zumal es auch im Gemeinderat weiterhin keinen Konsens gibt.»

Gemeindeversammlung soll entscheiden

Kammerlander und Egger lassen an ihren Intentionen keine Zweifel aufkommen. Sie wollen erreichen, dass über die Frage der Tempo-30-Zonen an einer Gemeindeversammlung abschliessend abgestimmt wird. Er würde jedes Verdikt akzeptieren, versichert Kammerlander.

Beide Lager sind ungefähr gleich stark

Tempo-30-Zonen sind in der Gemeinde Kradolf-Schönenberg zu einem kontrovers diskutierten Thema geworden. Der Gemeinderat erhielt eine von 50 Einwohnern Schönenbergs unterzeichnete Petition mit dem Begehren, eine solche Massnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Verbesserung der Wohnqualität umzusetzen.

Im Wissen um die geteilten Meinungen führte der Gemeinderat am 24. September im Anschluss an die ausserordentliche Gemeindeversammlung eine Konsultativabstimmung durch. Dabei erzielten die Befürworter von Tempo-30-Zonen 68 Stimmen, die Gegner 81. Zehn Personen nahmen nicht Stellung. (st)