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Widerstand der Umweltorganisationen zu gross: Kein Kraftwerk Tuurau in Bischofszell

Das Projekt wird trotz langjähriger Bemühungen und hoher Kosten für Vorarbeiten und Abklärungen nicht realisiert. Die Koch Kraftwerk AG gibt das Bauvorhaben auf und saniert stattdessen die bestehende Anlage Papieri.
Georg Stelzner
Die Thur in Bischofszell; im Hintergrund sind die neue und die alte Brücke über den Fluss zu erkennen. (Bild: PD/Aqua Viva)

Die Thur in Bischofszell; im Hintergrund sind die neue und die alte Brücke über den Fluss zu erkennen. (Bild: PD/Aqua Viva)

Urs Koch, Mitinhaber und Verwaltungsrat der Koch Kraftwerk AG, bestätigt eine Meldung der Umweltorganisation Aqua Viva und begründet die Entscheidung seines Unternehmens so: «Der Widerstand der Umweltorganisationen war sehr gross, und nach der zehnjährigen Verfahrensdauer waren die Aussichten auf eine Realisierung des geplanten Projekts in einem nützlichen Zeitrahmen nicht mehr gegeben.»

Urs Koch verweist darauf, dass es in der Bevölkerung keinen Widerstand gegeben habe. Das jetzt ad acta gelegte Projekt sah den Abriss des bestehenden Kanalkraftwerks an der Thur und die Errichtung eines neuen Werks mit einem rund 700 Meter langen Ausleitstollen vor.

Negative Folgen für Auengebiet befürchtet

Mehrere Umwelt- und Fischereiverbände äusserten grosse Bedenken. Sie befürchteten wegen der verlängerten Restwasserstrecke und des höheren Wasserstaus negative ökologische Auswirkungen auf die Thur und das angrenzende Auengebiet von nationaler Bedeutung.

«Aus unserer Sicht stellt das Projekt keine verhältnismässige Lösung dar», hatte Benjamin Leimgruber, stellvertretender Geschäftsführer von Aqua Viva und Bereichsleiter Gewässerschutz, die Kritik vor zwei Jahren zusammengefasst.

Mehr als 2 Millionen Franken investiert

Die Koch Kraftwerk AG hat das Projekt Kraftwerk Tuurau seit mehr als zehn Jahren verfolgt. Um das Ziel zu erreichen, sind in dieser Zeit über 300 Sitzungen abgehalten und rund 2,1 Millionen Franken in Vorarbeiten und Abklärungen investiert worden.

Urs Koch, Verwaltungsrat und Mitinhaber der Koch Kraftwerk AG, war Projektleiter für das geplante Kraftwerk Tuurau. (Bild: PD)

Urs Koch, Verwaltungsrat und Mitinhaber der Koch Kraftwerk AG, war Projektleiter für das geplante Kraftwerk Tuurau. (Bild: PD)

Urs Kochs Kommentar zum Aus für das Kraftwerk Tuurau fällt dennoch gelassen aus. «Das gehört halt zum Unternehmerrisiko», stellt er nüchtern fest. Die gemachten Erfahrungen werde man bei einem vergleichbaren Bauvorhaben in Zukunft aber sicher einfliessen lassen.

Am tiefen Bedauern über das Scheitern des ambitionierten Projekts ändert das hingegen nichts. Urs Koch gibt zu bedenken, dass es möglich gewesen wäre, 30 Prozent der erneuerbaren Energie im Kanton Thurgau in Bischofszell zu produzieren.

Kritik an Überregulierung der Schweiz

Koch ist heute der Meinung, dass die Realisierung eines solches Projekts im Bereich erneuerbare Energie in der mittlerweile überregulierten Schweiz gar nicht mehr möglich sei. Urs Koch beklagt einen grossen Widerspruch: «Man möchte zwar erneuerbare Energie, verunmöglicht entsprechende Projekte aber mit den dafür vorgesehenen Verfahren.»

Als Alternative zum Kraftwerk Tuurau wird das Unternehmen nun die Erneuerung des bestehenden Kraftwerks Papieri in Angriff nehmen. Das Projekt beinhaltet die Sanierung des Kanals und des Wehrs sowie die Ersetzung der bald 100 Jahre alten Maschinen. Wichtige Faktoren sind auch hier die Fischgängigkeit und die Restwassermenge.

Unterschiedliche Dimensionen

Aqua Viva hat bereits angekündigt, auch bei diesem Projekt die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben für lebendige Gewässer zu prüfen und sich für eine nachhaltige und ökologische Nutzung der Wasserkraft einzusetzen.

Nach der Sanierung wird das Kraftwerk Papieri laut Koch 5 GWh Strom produzieren können. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Tuurau wäre auf 18,5 GWh ausgelegt gewesen.

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