Wer rockt künftig die Roxy Bar in Kreuzlingen?

Die Betreiber Gordana Vlajic und Igor Dzombic suchen einen Nachfolger für ihr Diner an der Konstanzerstrasse.

Stefan Böker
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Igor Dzombic und Gordana Vlajic in ihrem Lokal.

Igor Dzombic und Gordana Vlajic in ihrem Lokal.

(Bild: Stefan Böker)

«Für mich ist die Doppelbelastung zu viel geworden», erklärt Igor Dzombic den Grund für seinen Abschied. Er ist hauptberuflich Mitglied der Geschäftsleitung und Head of Support & Services in einer Firma aus dem IT-Bereich und will sich fortan auf diese Aufgabe konzentrieren. Bislang stand er mehrmals die Woche am Herd des Retro-Diners an der Konstanzerstrasse 6.

«Das geht zeitlich nicht mehr. Und wenn ich nicht Vollgas geben kann, macht es mir keinen Spass»

sagt er. Gordana Vlajic war acht Jahre lang Vollzeit in der Roxy Bar engagiert. Dazu legte sie seinerzeit die Wirteprüfung in Gottlieben ab. Im kommenden Jahr möchte sie sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen. «Ich habe die Roxy Bar aus Leidenschaft geführt. Da ist mir diese Entscheidung natürlich nicht leicht gefallen», sagt sie.

Beliebtes Lokal nicht nur für Szenengänger

Sie spricht von rein «privaten Gründen», finanzielle Überlegungen hätten keine Rolle gespielt. «Unser Lokal war beliebt. Wir konnten uns über die Jahre vergrössern und haben auch über die Szene hinaus viele Gäste gehabt.» Damit sind Fans des Rockabilly-Sounds und der 50er-Jahre gemeint, bei denen die Roxy Bar sehr beliebt war.

Zu den Veranstaltungen in Kreuzlingen kamen Gäste aus der ganzen Schweiz, natürlich stets im original Look dieser Ära gekleidet, die Frauen in Petticoats, die Männer mit Tolle. Besonderes Aufsehen erregte das schon Kult gewordene jährliche Sommerfest mit grosser Oldtimer-Ausstellung. Wenn die Rocker aus der Roxy Bar heisse Schlitten präsentierten, fühlten sich Passanten wie in eine andere Zeit versetzt.

Burger, Cocktails und Rock ’n’ Roll

Gegründet haben die beiden Kreuzlinger ihre Bar an der Konstanzerstrasse 10. Im Jahr 2014 zügelten sie ein Haus weiter. Ein Jahr später erweiterten sie den Betrieb zu einem 50s-Diner. Burger, Cocktails, Rock ’n’ Roll – die Mischung kam an. «Wir konnten den Umsatz nahezu verdoppeln, obwohl Kreuzlingen ehrlich gesagt ein schwieriges Pflaster ist», erzählt Vlajic. Ihre Vermieter seien wenig erfreut gewesen, als das Paar den Mietvertrag nicht verlängern wollte. Dieser läuft im Februar aus.

Jan Larsson, der als Mitglied des Verwaltungsrats der HTC AG für die Besitzer des Hauses spricht, bestätigt, dass sie ein freundschaftliches Verhältnis pflegten und vorbildliche Mieter gewesen seien, welche nie Anlass zu Reklamationen gaben. «Wir würden uns freuen, eine Nachfolgelösung zu finden», sagt er. «Ich bin selbst gern Gast dort und liebe die Musik der 50er. Damit bin ich aufgewachsen. Die Roxy Bar hat einen guten Ruf.»

Wenn sich der passende Interessent mit dem passenden Konzept findet, liesse sich auch bezüglich der Ablösesumme für das Inventar eine Lösung finden. Bar und Restaurant sind komplett ausgestattet. Die Küche verfügt über einen hochwertigen Gasgrill. Blickfang sind die original American-Diner-Möbel der Marke Bel Air. Zur Verfügung steht ebenfalls eine komplette Musikanlage für Live-Events. Für Raucher gibt’s ein Fumoir.

«Vor der Neueröffnung haben wir neun Wochen renoviert und einen hohen Betrag investiert»

sagt Gordana Vlajic. «Ein Nachfolger könnte direkt loslegen.» Wenn sich ein Interessent findet, der dem gewohnten Konzept die Stange hält, könnte dieser auf Stammgäste zählen. «Diese bestehen nicht nur aus Szenegängern», versichert Dzombic. «Die 50er sprechen ein breites Spektrum an.»

Der Standort hat auch Potenzial

Zudem habe man neben den rund zwölf Konzerten im Jahr verschiedene Motto-Partys, beispielsweise eine 80s-Night jeden Monat, veranstaltet und so das Publikum erweitert. Zudem sei es möglich, die Öffnungszeiten zu verlängern, beispielsweise einen Mittagstisch anzubieten. «Das haben wir zeitlich nie geschafft.» Auch der Standort – die untere Konstanzerstrasse wurde schon als Sorgenkind der Stadt bezeichnet – besitze viel Potenzial. Schliesslich sollen im alten Migros-Gebäude etliche Wohnungen und Geschäfte entstehen.

Ein neuer Pächter könne ausserdem mit viel Unterstützung seitens des Vermieters, der Nachbarn oder der Stadtverwaltung rechnen. Probleme wegen Lärm oder Bewilligungen habe es nie gegeben, so der 43-Jährige. Nur den Namen, den wollen sie behalten. «Wir haben vor, Revival-Partys zu organisieren. Und wir wurden angefragt, ob wir am Fantastical ein Roxy-Zelt machen wollen. So würde unser Markenzeichen dem Kreuzlinger Nachtleben in irgendeiner Form erhalten bleiben.»

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