Regionalfussball
Warum der FC Kreuzlingen, Calcio Kreuzlingen und der FC Amriswil vor dem Neustart auch Respekt haben

In der 2. Liga interregional geht an diesem Wochenende die Meisterschaft weiter. Bei den besten Thurgauer Fussballklubs FC Kreuzlingen, FC Amriswil und Calcio Kreuzlingen herrscht grosse Freude. Doch die lange Coronapause birgt auch eine besondere Herausforderung.

Matthias Hafen
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Die lange Coronapause könnte das Verletzungsrisiko für die Amateurfussballer beim Neustart erhöhen.

Die lange Coronapause könnte das Verletzungsrisiko für die Amateurfussballer beim Neustart erhöhen.

Mario Gaccioli (Kreuzlingen, 10. Oktober 2020)

Drei Runden lässt die Amateurliga im Schweizer Fussball ab diesem Wochenende nachspielen. Drei Runden, die zur späten Vollendung der coronabedingt unterbrochenen Vorrunde beitragen. Drei Runden, die am Ende Aufsteiger und Absteiger in der Saison 2020/21 legitimieren. Wie umstritten dieses Saisonende ist, zeigt sich an den Reaktionen der zwei Thurgauer Vereine der 2. Liga interregional, die noch im Aufstiegskampf mitmischen – als Jäger von Leader Uzwil. Während Amriswils Trainer Christoph Schenk die Beendigung der Meisterschaft in dieser Form begrüsst, sagt Kürsat Ortancioglu vom FC Kreuzlingen: «Es wäre für alle einfacher gewesen, wenn man Anfang Mai gesagt hätte, dass jetzt Schluss ist.»

Keine Rückrunde mehr

In der 2. Liga interregional – wie auch in vielen Ligen darunter – werden von der Saison 2020/21 nur noch die ausstehenden Vorrundenspiele ausgetragen sowie die Cupwettbewerbe zu Ende gespielt. Sämtliche Rückrundenspiele werden nicht mehr angesetzt und mit null Punkten und 0:0 Toren in die Rangliste übernommen. An den Auf-/Abstiegsmodalitäten ändert nichts. Am Ende der Saison steigen aus den sechs Gruppen der 2. Liga interregional jeweils die zwei Gruppenletzten sowie drei der sechs Drittletzten ab. Den Gruppenersten winkt der Aufstieg in die 1. Liga.

Ortancioglu hatte etwa auf eine zusätzliche Aufstiegsrunde respektive Abstiegsrunde nach diesen drei Spielen gehofft. Das war für einen früheren Restart so angedacht gewesen. Kreuzlingens Trainer betont jedoch, dass sich er und sein Team auf den Wiederbeginn an diesem Wochenende sehr freuten. «Es war für den Verband alles andere als einfach, bei so vielen Meinungen einen Entscheid zu fällen», so Ortancioglu. Dennoch sei es schwierig gewesen, die Spieler über eine so lange Zeit ohne Ernstkampf fürs Training zu motivieren.

Mehr Muskelverletzungen nach erstem Lockdown

An Motivation wird es den Spielern bestimmt nicht fehlen, wenn sie am Wochenende zum ersten Meisterschaftsspiel seit dem 24. Oktober antreten können. Die fast acht Monate lange, spielfreie Zeit birgt aber ein anderes Risiko. Nach dieser langen Coronapause steht in jedem Spiel auch die Verletzungshexe auf dem Platz. «Ich hoffe sehr, dass wir von ihr verschont bleiben», sagt Amriswils Trainer Christoph Schenk – auch im Hinblick auf die Saison 2021/22, die nach einer kurzen Sommerpause beginnt. Bereits nach dem ersten Lockdown habe man Auswirkungen wahrgenommen. «Vor allem Muskelverletzungen haben damals zugenommen», so Schenk.

Die Freude beim FC Amriswil ist gross, nach fast acht Monaten erstmals wieder einen Ernstkampf bestreiten zu können.

Die Freude beim FC Amriswil ist gross, nach fast acht Monaten erstmals wieder einen Ernstkampf bestreiten zu können.

Mario Gaccioli (Kreuzlingen, 17. Oktober 2020)

Da die Amateurfussballer erst seit zwei Wochen wieder mit Körperkontakt trainieren dürfen, konnte man die typischen Fussballaktionen nur sehr kurz simulieren. Da helfen auch die zahlreichen Laufeinheiten in den Beinen nur bedingt. Wenn es am Wochenende wieder voll losgeht mit Aufstiegsrennen und Abstiegskampf, dann wird der eine oder andere Kicker auf dem Platz merklich in Rückstand sein auf seine übliche Form zu diesem Zeitpunkt der Saison.

Calcio-Trainer Fall: «Deshalb ist es gut, dass wir nur drei Runden spielen»

Dieses Gefahrenpotenzial erkennt auch David Fall, Trainer der AS Calcio Kreuzlingen. Er werde seine angeschlagenen Spieler auf jeden Fall noch mehr schonen als sonst schon. Für Fall ist es ohnehin schwierig, den Leistungsstand seiner Mannschaft einzuschätzen. Anders als Amriswil und der FCK hat Calcio Kreuzlingen vor dem Restart kein Testspiel absolviert. Auch nutzte der Klub in den vergangenen Monaten nicht jede vom Bund erlaubte Trainingsmöglichkeit. «Vielleicht liegen einige meiner Spieler nach 70 Minuten mit einem Muskelkrampf am Boden und ich muss wieder aufs Feld», sagt Ex-Profi Fall mit einem herzhaften Lachen. «Ich habe mich jedenfalls so vorbereitet, dass ich 20 Minuten überstehen würde.» Oft sei es ja die Müdigkeit, die zu Verletzungen führe. «Deshalb ist es wohl gerade gut, dass wir bis zur Sommerpause nur noch drei Runden spielen.»

Während sich der FC Kreuzlingen (2.) und Amriswil (3.) trotz vier Punkten Rückstand auf Uzwil noch Chancen auf eine Promotion ausrechnen können, hängt Calcio Kreuzlingen gewissermassen in der Luft. Für den Tabellensechsten ist der Aufstiegszug wohl abgefahren und ein allfälliger Abstieg ebenfalls sehr unwahrscheinlich.

2. Liga interregional Gruppe 6
Sa 16.30 Calcio Kreuzlingen – Weesen
Sa 17.00 Seuzach – United Zürich
So 14.00 Widnau – Uzwil
So 15.00 Bassersdorf – FC Kreuzlingen
So 15.00 Rüti – Bazenheid
So 16.00 Wil II – Amriswil

Tabelle: 1. Uzwil 9/23. 2. FC Kreuzlingen 9/19 (24/20:9). 3. Amriswil 9/19 (33/21:8). 4. Chur 10/19. 5. Widnau 9/18. 6. Calcio Kreuzlingen 9/16. 7. Wil II 9/14. 8. Bassersdorf 9/9. 9. Seuzach 9/8 (24/17:21). 10. Bazenheid 9/8 (31/12:23). 11. Rüti 10/8. 12. Weesen 9/7. 13. United Zürich 10/3.

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