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Wer hat an der Uhr gedreht? Wie Spezialisten das Rätsel um die binäre St.Galler Bahnhofsuhr lösen wollen

Seit ihrer Inbetriebnahme im April fällt die binäre Uhr am Hauptbahnhof immer wieder aus. St.Gallen fragt sich: Wieso tickt diese Uhr nicht richtig? Techniker der Firma Vosch Electronic aus Goldach gehen dem Problem auf den Grund - und haben eine Vermutung.
Linda Müntener
Sie ist ein Zeiträtsel und ein technisches Rätsel: die binäre Uhr am St.Galler Hauptbahnhof. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie ist ein Zeiträtsel und ein technisches Rätsel: die binäre Uhr am St.Galler Hauptbahnhof. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sollte die binäre Uhr wieder einmal nicht richtig ticken, ist Michael Gächter einer der ersten, der es erfährt. Eine Videokamera überwacht derzeit das umstrittene Kunstwerk am St.Galler Hauptbahnhof und sendet das Bild direkt nach Goldach in sein Büro. Michael Gächter ist Elektroingenieur der Firma Vosch Electronic. Er hat den Prototypen gebaut. Er weiss, wie die Uhr funktioniert und er arbeitet bereits an einer konkreten Lösungen damit sie wieder richtig tickt.

Das Steuerungselement, darin verbaut ist die interne Uhr. (Bild: Linda Müntener)

Das Steuerungselement, darin verbaut ist die interne Uhr. (Bild: Linda Müntener)

Letztmals ist die Uhr Ende Oktober ausgefallen. Der Versuch, sie auf Winterzeit umzustellen, ging schief. Sie zeigte die falsche Zeit an. Die Techniker vermuteten Probleme mit der Funkverbindung und schalteten den Empfänger aus. Dieser war zuvor mit einem Langwellensender bei Frankfurt am Main verbunden und übermittelte die exakte Zeit. Ohne diese Verbindung läuft die Zeitanzeige nur über die interne Uhr. Damit wird sie nicht mit der Atomuhr synchronisiert und kann einige Sekunden abweichen. Diese Übergangslösung verschafft den Technikern Zeit.

Fünf Monate nach Inbetriebnahme defekt

Die binäre Uhr ist nicht die erste Kunstinstallation, die Vosch Electronic technisch realisiert hat. Aber sie mausert sich auf Grund der im Folgenden beschrieben externen Einflüsse zu einer der komplexesten. Geschäftsführer Uwe Frech erklärt, wieso: «Zum einen ist der Montageort, in mehreren Metern Höhe zwischen den Stahlträgern, etwas unglücklich», sagt er. Zum anderen habe man es am Hauptbahnhof mit verschiedenen Umwelteinflüssen zu tun. In Betrieb genommen wurde das Kunstwerk im April 2018. Zuerst lief die Uhr einwandfrei. Ende September dann der erste Defekt: Ein Leuchtelement fiel aus und wurde ausgetauscht. «Ein 0815-Fehler», sagt Uwe Frech. «Das ist so, als würden Sie bei einer Lampe eine defekte Glühbirne auswechseln.»

Doch eine Woche später zeigte die Uhr plötzlich wieder und wieder die falsche Zeit an. Irgendetwas hat sich in den fünf Monaten seit Inbetriebnahme verändert. Irgendetwas in ihrer Umgebung stört die Uhr. Nur: Was?

Harsche Reaktionen nur schwer nachvollziehbar

In der Zwischenzeit ist die Uhr längst ein Politikum. Teuer, überflüssig, ein Schildbürgerstreich, monieren Kritiker. Es hagelt Online-Kommentare und Leserbriefe. Zu spät kommen muss zwar niemand, schliesslich gibt es rund um die Ankunftshalle traditionelle Uhren mit Zeiger. Die Reparaturen kosten den Steuerzahler keinen Franken, schliesslich läuft die Garantie zwei Jahre lang. Dennoch: Dass die Uhr nicht richtig tickt, stösst vielen sauer auf.

Versuchen bei Vosch Electronic das Problem zu lösen: Elektroingenieur Michael Gächter (links) und Geschäftsführer Uwe Frech.

Versuchen bei Vosch Electronic das Problem zu lösen: Elektroingenieur Michael Gächter (links) und Geschäftsführer Uwe Frech.

Für Uwe Frech sind die teils harschen Reaktionen nur schwer nachvollziehbar. Er erinnert daran, dass die Installation in erster Linie keine Uhr, sondern ein Kunstwerk ist. «Es kauft sich ja auch niemand einen Picasso und fragt sich dann, ob er eine Funktion hat» Ob die Installation sinnvoll ist oder nicht, darüber will sich der Elektroingenieur kein Urteil erlauben. «Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir wollen das Problem lösen.» Und dass genau das bisher nicht geklappt hat, ist für ihn und seine Mitarbeitenden ein Wermutstropfen.

«Es stört mich extrem, dass wir das Problem noch nicht gelöst haben. Das geht gegen den Berufsstolz»,

sagt Elektroingenieur Michael Gächter. Immerhin: Er hat nun eine Vermutung, wo das Problem liegen könnte.

Vermutung: Kabel im Kubus sind schuld

Vor wenigen Wochen haben die SBB im Kubus Kabel verlegt. Diese stossen regelmässig elektrische Wellen aus. Das soll dem Schutz der Vögel dienen. «Nach dem Ausschlussverfahren ist es wahrscheinlich, dass diese Kabel das Signal stören», sagt er. Auch deshalb, weil es ins Zeitfenster passen würde. Vor fünf Monaten waren diese Kabel noch nicht dort. Dass etwas anderes das Signal stört, etwa die Fahrleitungen der Busse oder irgendeine Leitung im Hauptbahnhof, kann Gächter nicht ausschliessen. «Das macht es umso schwieriger.»

Wie weiter? Vorerst wird die binäre Bahnhofsuhr weiterhin nur über die interne Uhr laufen. Bis mindestens Ende November will man bei Vosch Electronic beobachten, ob sie damit richtig tickt. Falls ja, muss Michael Gächter die Störungsquelle finden.

Falls nicht, muss man dieser Uhr wohl noch etwas mehr Zeit geben.

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