Wenn Protest spriesst: Mitglieder von Extinction Rebellion säen eine Blumenwiese in Kreuzlingen

Junge Leute haben auf einer Brachfläche an der Kreuzlinger Konradstrasse eine Wildblumenwiese in Form eines CO2-Warnzeichen gesät.

Stefan Böker
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Wildblumen statt Parkplätze: Vogelperspektive auf die Liegenschaft an der Konradstrasse in Kreuzlingen. (Bild: Stefan Böker)

Wildblumen statt Parkplätze: Vogelperspektive auf die Liegenschaft an der Konradstrasse in Kreuzlingen. (Bild: Stefan Böker)

Einer der Urheber der Kreativaktion in Kreuzlingen erklärt:

«Ich war Mitglied bei den Jungen Grünen. Die trägen politischen Prozesse haben mich aber enttäuscht. Die Leute müssen wachgerüttelt werden.»

Er ist 24, arbeitet als Zimmermann in Kreuzlingen, und möchte wie seine zwei Zürcher Kollegen anonym bleiben – denn man könne ja nie wissen, wie der Besitzer es findet, dass Unbekannte sein Land mit einem Graffiti aus Blumen verschönerten.

Auf der 468 Quadratmeter grossen Fläche wuchsen bis zum Frühjahr dieses Jahres Gräser, Sträucher und Bäume. Dann liess der Besitzer, Inhaber eines Architektur- und Baugeschäfts aus Kefikon, den Platz einebnen. Auf Anfrage bestätigte er, dort Parkplätze für die Mieter seines Mehrfamilienhauses gleich gegenüber realisieren zu wollen. Eine Einsprache habe das Vorhaben allerdings verzögert.

Protest gegen den Autoverkehr

Mit ihrer Aktion wollen die jungen Leute gegen den zunehmenden Autoverkehr protestieren. Auch gegen die zunehmende Versiegelung in den Städten und das Insektensterben sei der Protest gerichtet.

Ihn freut es, dass die zu Herbstbeginn ausgesäte Wiese bereits wächst.

«Ich hätte nicht gedacht, dass dies auf dem steinigen, kargen Boden so spät im Jahr noch gelingt.»

In einer Nacht- und Nebel-Aktion hatten die Aktivisten zu dritt Blumenerde auf der Fläche ausgebracht und einen Wildblumenmix verstreut.

Das CO2-Warnschild wächst auf dem für Parkplätze vorgesehenen Platz. (Bild: Stefan Böker)

Das CO2-Warnschild wächst auf dem für Parkplätze vorgesehenen Platz. (Bild: Stefan Böker)

Der junge Mann ist Mitglied bei Extinction Rebellion in Zürich. Die Gruppierung, von der es bereits 15 Ortsgruppen in der Schweiz gibt, will mit friedlichen Blockaden und publikumswirksamen Aktionen die Regierungen der Welt dazu bringen, ihre Treibhausgasemissionen zu senken.

Das CO2-Warnschild soll ein Denkanstoss sein und zum Diskutieren anregen. Wer genau hinschaut, kann es von der Strasse aus sehen.

«Den Nachbarn ist es auf jeden Fall schon aufgefallen.»

Ob die Blumenwiese im nächsten Jahr weiter wachsen kann, steht in den Sternen. Der Landbesitzer hat angekündigt, im Frühjahr mit den Bauarbeiten für den Parkplatz zu beginnen. Er geht davon aus, dass die hängige Einsprache abgewiesen wird.

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