Wenn in Bischofszell die Feuerglocke läutet: Corona erinnert an die Pest

Mit einem Gedenkrundgang hat die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft ihre Corona-Aktivitäten abgeschlossen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Der Türmer Albert Glauser spielt auf seiner Trompete. Daneben stehen die Nachtwächter.

Der Türmer Albert Glauser spielt auf seiner Trompete. Daneben stehen die Nachtwächter.

(Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Der feine Ton der Feuerglocke war am Donnerstagabend im Rahmen der Corona-Aktion zum letzten Mal zu hören. Die kleine geschichtsträchtige Glocke im Bogenturm in Bischofszell hat seit Anfang April jeden Donnerstagabend um 20 Uhr geläutet – allerdings nicht elektrisch.

Sie wird mit einem alten Hanfseil in Bewegung gesetzt, wie es bereits anno dazumal gemacht wurde. Die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft hat dies in den vergangenen Wochen getan als Zeichen der Verbundenheit mit denjenigen, die besonders schwer unter dem heimtückischen Coronavirus litten. Denn die Feuerglocke wurde schon früher in schwierigen Zeiten geläutet.

Mit einem Gedenkrundgang haben die Nachtwächter und der Türmer ihre Corona-Aktivitäten am Freitagabend abgeschlossen. Der denkwürdige Anlass lockte rund 20 Besucher an. Zunftmeister Bernhard Bischof gab in seiner Begrüssung zu bedenken:

«Die jetzige Coronavirus-Erkrankung erinnert an die Lungenpest im Jahre 1611 in Europa, welcher rund ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel. Über 30'000 Personen sind in unserem Kanton gestorben, was damals etwa der Hälfte der Thurgauer Bevölkerung entsprach. Die Zahl der Coronatoten steigt inzwischen auf mehr als 700'000 weltweit an. Geschichte wiederholt sich, auch wenn man es nicht wahrhaben möchte.»

Es war ein spezieller Rundgang durch die Altstadt, zu dem die Bischofszeller Nachtwächter- und Türmerzunft zum Abschluss ihrer Corona-Aktivitäten eingeladen hatte.

Für einmal stand nicht das gesprochene Wort im Mittelpunkt. Stattdessen wurden alle neun Stundenrufe gesungen – von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens. So ertönte es beispielsweise:

«Zwölf das ist die Zahl der Zeit,
Mensch gedenk der Ewigkeit.»

Zwischen den Stundenrufen spielte der Türmer Albert Glauser auf seiner Trompete Hymnen und Balladen. In der Stiftskirche St. Pelagius gaben dann die Nachtwächter und der Türmer zusammen das Lied «Hallelujah» des kanadischen Sängers Leonard Cohen zum Besten.