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Beobachtungen am Weinfelder Marktplatz: Wenn Frauen streiken - oder eben nicht

Mehr Frauen als erwartet waren auf dem Weinfelder Marktplatz. Doch viele von ihnen streikten nicht. Sie machten frei und zeigten sich solidarisch. Doch genügt das?
Sabrina Bächi
Ashanti protestiert mit Plakat gegen Diskriminierung auf dem Weinfelder Marktplatz. (Bild: Andrea Stalder)

Ashanti protestiert mit Plakat gegen Diskriminierung auf dem Weinfelder Marktplatz. (Bild: Andrea Stalder)

Sie sitzen essend, trinkend und plaudernd im Schatten der grossen Linde auf dem Weinfelder Marktplatz. SP-Präsidentin Nina Schläfli strahlt übers ganze Gesicht. Mit so vielen Frauen hat sie nicht gerechnet. Doch es gibt auch die anderen.

Die Frauen, welche trotz Frauenstreik arbeiten. Ich gehöre zu ihnen. Obwohl ich mich seit langem für die Anliegen der Frauen starkmache, die Argumente und Gründe für den Frauenstreik unterstütze, sitze ich im Büro und tippe diesen Text. Klar, ich arbeite für den Frauenstreik. Ich mache ihn sichtbar, trage so zur Solidarität bei.

Und dennoch war mein Pflichtgefühl zu gross, als dass ich heute meinem Arbeitsplatz die kalte Schulter gezeigt hätte. Wollte ich streiken, ich müsste freinehmen. Absurd. Doch das ist die Realität vieler Angestellten. Wer traut sich im Thurgau wirklich, einfach so auf die Strasse zu gehen?

Ashanti protestiert

Eine zumindest kümmert sich nicht um die Konsequenzen ihres Streikens. Ashanti. Mit Schottenmini und Netzstrümpfen und einem Plakat in der Hand läuft die 18-Jährige über den Weinfelder Marktplatz.

Sie fällt auf wie ein Paradiesvogel in der Wüste.

Eigentlich müsste sie in der Schule sein. Matheprüfung. Aber nein: «Ich habe mich krankgemeldet», sagt sie. Begründung: Unterdrückung durchs Patriarchat. Ungleichheit, Diskriminierung – all das mache sie krank.

Die Diskussionen um Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Diskriminierung finden auch an anderen Tischen statt. «Wir sind aufgewachsen im Glauben, dass wir mal alles machen und erreichen können. Aber kaum haben wir Kinder, geht beruflich gar nichts mehr», enerviert sich eine Frau. Nickende Zustimmung. Diskussion über den Doppelnamen, über die Haushaltsführung. Bringt ein Haushaltstreik überhaupt etwas?

«Wenn ich heute den Haushalt nicht mache, muss ich halt morgen mehr tun», sagt eine Frau zur anderen. «Mhm, ist im Büro dasselbe. Es ist ja nicht so, dass uns die Männer die Arbeit abnehmen», antwortet ihre Kollegin.

Märchenstunde für die Kleinen

Immer wieder gehen Männer in Anzügen am Marktplatz vorbei. Komische Blicke. Ob sie überhaupt wissen, was das Volksfest zu bedeuten hat? Wahrscheinlich nicht. Frauen mit Kindern, die sich treffen, sind ja kein seltenes Bild.

Ein Mann, der voll Inbrunst den Kindern am Boden sitzend Geschichten vorliest, hingegen schon. Julian Fitze, Sekretär der SP, zeigt so als Mann seine Solidarität.

«Heute geht es darum, dass die Frauen politisch diskutieren können.»

Das tun sie. Doch nützt es auch? Mich jedenfalls plagt nicht zuletzt wegen meiner eigenen Entscheidung, nicht zu streiken, ein unsolidarisches Gefühl. Denn dort, wo man auch wirklich merkt, dass Frauen fehlen, war am Frauenstreiktag das Pflichtgefühl wohl oft zu gross. Ein Frauenproblem.

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