Wenn ein Priester und ein Kommunist sich prügeln: Die Bottighofer Zentrumbühne zeigt Don Camillo und Peppone

Die Laienschauspieler unter professioneller Anleitung präsentieren nach anfänglichem Zögern nun doch ihr neuestes Stück und trotzen Corona. Premiere ist am 6. November.

Inka Grabowsky
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Die handfesten Auseinandersetzungen der Hauptfiguren sind legendär.

Die handfesten Auseinandersetzungen der Hauptfiguren sind legendär.

(Bild: Reto Martin)

«Es stand – und eigentlich steht es noch – auf des Messers Schneide», sagt Produktionsleiter Fritz Wirz. Die Coronapandemie drohte, die 19. Produktion der Zentrumbühne zu verunmöglichen.

Seit 1981 zeigen die Laien unter professioneller Anleitung regelmässig ein Stück, derzeit in einem Drei-Jahres-Rhythmus. In diesem Jahr steht die Kult-Komödie «Don Camillo und Peppone» auf dem Programm. Im Herbst 2019 begannen die Vorbereitungen. Geprobt wird seit Februar, im Lockdown nach einer Pause in Einzelsitzungen. Die Chorleiterin Claudia Hugentobler fasste jeweils vier Sänger der unterschiedlichen Stimmlagen in Online-Sessions zusammen, um zu üben.

Doch trotz der gewaltigen Vorleistungen schätzte der Vorstand zu Beginn des Sommers das Risiko als zu hoch ein und plante die Verschiebung. Erst nach dem Erfolg des See-Burgtheaters und einer Ermutigung von Regierungsrätin Monika Knill gaben sich die Theaterleute einen Ruck.

Das Stück spielt in der Nachkriegszeit

Die Zentrumbühne versetzt die Zuschauer in die Nachkriegszeit in Norditalien. In einem kleinen Dorf in der Po-Ebene ringt der katholische Priester Don Camillo (dargestellt vom Debütanten Salvatore Bisognano) mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone (Raphael Tanner, zum vierten Mal dabei) um den besten Weg zum Glück.

Astrid KellerRegisseurin

Astrid KellerRegisseurin

(Bild: Mareycke Frehner)
«Jeder kennt Don Camillo.»

Das sagt Astrid Keller, die einmal mehr die Regie übernommen hat. Niemand aber kennt bisher die Version, die in Bottighofen entsteht. Astrid Keller und ihr Mann Leopold Huber haben die Theaterfassung der Geschichte für die Zwecke der Zentrumbühne bearbeitet – nun sprechen die Norditaliener Schweizerdeutsch. Nur Jesus drückt sich im Zwiegespräch mit dem streitbaren Geistlichen Hochdeutsch aus. Das ist allerdings nicht die entscheidende Änderung. Fritz Wirz erklärt:

«Unser Stammpublikum will nicht nur etwas zum Lachen, sondern auch Musik.»


«Damit aber innerhalb der neunzig Minuten Spielzeit Platz für Lieder ist, mussten wir das Theaterstück entsprechend kürzen», erklärt Regisseurin Keller.

16 Sänger und Sängerinnen, die sich unter anderem aus den Chören Tägerwilen und Wyfelde rekrutieren, singen alles von Kirchenliedern über Revolutionsgesänge bis zu Liebesschnulzen. Astrid Keller und Leopold Huber haben rund dreissig Hits ausgesucht, die jeweils die richtige Stimmung setzen. Die musikalische Leitung hat wieder Goran Kovačević übernommen. Er ist Teil der vierköpfigen Band mit Akkordeon, Schlagzeug, Bass und Klavier. Choreografin Sonny Walterspiel sorgt dafür, dass die Darsteller sich jeweils passend zur Musik bewegen. Neu sind alle Sänger mit Mikrofonen ausgestattet, damit die Musik überall im Saal gleich klingt.

Das Stück wird von zwei Chören und einer vierköpfigen Band begleitet, die Darsteller führen Choreografien auf.

Das Stück wird von zwei Chören und einer vierköpfigen Band begleitet, die Darsteller führen Choreografien auf.

(Bild: PD/Roland Schneiter)

Leopold Huber entwarf das Bühnenbild

Technisch durchdacht ist auch das Bühnenbild, das Leopold Huber entworfen hat und das Dina Wirz mit ihrem Team umsetzt. Vor dem idyllischen Hintergrund der Po-Ebene steht als zentrales Element eine kleine Drehbühne. Der Rhythmus des Stücks soll nicht durch Umbauarbeiten gestört werden, wenn der Blick sich aus der Kirche ins Rathaus wenden muss.

Damit trotz Pandemie nichts schiefläuft, gibt es genaue Regeln. Sobald bei den Proben der Abstand nicht eingehalten wird, tragen alle Masken. Bei den Vorstellungen wird auch das Publikum im Foyer Masken aufsetzen müssen. Im Theatersaal ist das Tragen freiwillig. Es wird keine Pause geben. Snacks werden abgepackt verkauft. Wer Karten vorbestellt – was obligatorisch ist – gibt Namen und Adresse an. Nur wer gemeinsam bucht, wird auch zusammensitzen. Zu Fremden gelten Abstandsregeln.

Mit rund 3000 Zuschauern rechnet die Zentrumbühne über die zwölf Vorstellungen. «Wir brauchen 75 Prozent Auslastung, um kostendeckend zu sein», so Wirz. Die Schauspieler und Sänger spielen zwar alle ohne Gage, trotzdem entstehen durch die professionelle Vorbereitung hohe Kosten. Den 27 Schauspielern und Sängern auf der Bühne stehen zwei Dutzend Aktive für Kostüme, Maske, Technik, Sponsoring oder Öffentlichkeitsarbeit zur Seite.

Premiere ist am 6. November.
Geplant sind 12 Vorstellungen bis zur Derniere am 5. Dezember.
Infos unter zentrumbühne-bottighofen.ch