Glosse

Wenn der «Kirchenbote» mit Plastikmantel in die Kreuzlinger Briefkästen flattert, hilft nur noch Beten

Ein Fettnäpfchen: Die Evangelische Kirchgemeinde ruft am Sonntag zum Klimagottesdienst, verschickt ihr Mitteilungsblatt aber in Plastik verpackt.

Urs Brüschweiler
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Der aktuelle Kirchenbote und sein Begleiter aus Plastik.

Der aktuelle Kirchenbote und sein Begleiter aus Plastik.

Andrea Stalder

Sie wollen Gottes Schöpfung vor der Zerstörung bewahren. Die Evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen ruft ihre Schäfchen am Sonntag zu diesem Zweck zum Klimagottesdienst in die Stadtkirche. Beten für die Umwelt, quasi. Der Hinweis findet sich auch auf dem Umschlag des aktuellen «Kirchenboten», der diese Woche in die Briefkästen der Kirchbürger flatterte. Doch bevor sie besagten Agendaeintrag lesen konnten, mussten sie das Blatt zuerst mühsam aus seiner Plastikverpackung befreien. «Ausgerechnet!», «Was für ein Fettnäpfchen!» oder «Wasser predigen, aber Wein saufen», entfuhr es dabei vielen Kehlen.

Es bleibt eine Ausnahme – und schuld ist die Post

«Sie rufen sicher wegen der Plastikverpackung an», sagt die Kirchenpflegerin am Telefon. Zahlreiche erboste Empfänger des unnötigen Plastikmülls hatten sich schon bei ihr gemeldet und sich beschwert. Aber immerhin: Der Plastik-Kirchenbote ist lediglich eine unsittliche Ausnahme. Wegen der Sonderbeilage zum Jubiläum der Landeskirchen war das Blättlein nämlich deutlich dicker als üblich. So konnte es für einmal nicht direkt in Kreuzlingen der Post zur Verteilung übergeben werden, sondern musste den Umweg über ein St.  Galler Sortierzentrum nehmen. Und die Post verlangt in solchen Fällen zwingend einen Plastikmantel. Der Übername «Umwelt-Judas» gebührt somit dem gelben Riesen. Am besten beten die Kirchbürger am Sonntag auch für ihn.

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