Weniger Zuhörer trotzdem viel Atmosphäre: Das Kammerorchester Festival erfreut Zuhörer und Musiker

Auf dem Ermatinger Lilienberg berauschte am Wochenende Musik des Kammerorchester Festivals Bodensee die Besucher. Die Musikerinnen und Musiker freuten sich nach der Coronapause endlich wieder vor Publikum zu spielen.

Inka Grabowsky
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Zuhören mit Abstand: Nur 90 Personen durften in den Konzertsaal. Reinpassen würden doppelt so viele. Dennoch freuten sich die Zuhörer über die Musik am Wochenende auf dem Lilienberg.

Zuhören mit Abstand: Nur 90 Personen durften in den Konzertsaal. Reinpassen würden doppelt so viele. Dennoch freuten sich die Zuhörer über die Musik am Wochenende auf dem Lilienberg.

Bild: PD

«Spiel nicht nur laut, sondern mit einer Klangvorstellung von Spannung und Entspannung. Probier mal!» Die renommierte Pianistin Milana Chernyavska unterrichtet Dean Erjavc im alten Konzertsaal des Konferenzhotels in Ermatingen.

Der 29-Jährige St. Galler ist bereits Master of Performance, hat Preise bekommen und Konzerte gegeben. Er unterrichtet selbst am Konservatorium Zürich. Doch auch er kann noch etwas dazu lernen. «Die Workshops gehören zur Förderung des Nachwuchses», erklärt Kammerorchester Festival Bodensee-Geschäftsleiter Roland Meier. «Wir geben ihm mit der Matinée am Sonntag auch eine eigene Plattform.»

Kleine Formationen - grosse Musik: Die Musikerinnen und Musiker begeistern das Publikum.

Kleine Formationen - grosse Musik: Die Musikerinnen und Musiker begeistern das Publikum.

Bild: PD

Programm zu Beethovens 250. Geburtstag

Am Freitag, Samstag und Sonntagnachmittag gehörte die Bühne den etablierten Musikern, die ein Programm zu Beethovens 250. Geburtstag zusammengestellt hatten. Hier folgte auf Beethovens Variationen in Es-Dur für Klaviertrio Mozarts Serenade in C-Moll für Bläseroktett. Martin Lucas Staub, der künstlerischer Leiter des Festivals, der gleichzeitig als Conférencier und Pianist des «Schweizer Klaviertrios» auftritt, erklärt:

«Das ist eine der wenigen Kompositionen, die Mozart für Joseph II geschrieben hat. Und er wusste, dass der Kaiser den Kanon mag – deshalb gibt es nun auch in der Serenade einen Kanon.»

Das Publikum auf dem Lilienberg wusste es ebenfalls zu schätzen. Mehr Mühe hatte es mit dem 1988 geschriebenen «Klavierquartett auf ein Scherzo-Fragment von Gustav Mahler» von Alfred Schnittke. «Die Melodie von Mahler wird mit Dissonanzen kontrapunktiert», erklärte Staub. «Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben alle Ideale verschüttet.»

Verschiedene Formationen zeigten am Kammerorchester Festival ihr Können.

Verschiedene Formationen zeigten am Kammerorchester Festival ihr Können.

Bild: PD

Alle wollten endlich wieder gemeinsam Musik erleben

Nach der coronabedingten Pause genossen die Künstler ihre Arbeit: «Es braucht Atmosphäre. Und wir Musiker brauchen die Emotionen, die von den Zuhörern ausgehen», sagt Violonistin Angela Golubeva «Der Augenblick, in dem das Publikum kollektiv die Luft anhält – der ist grossartig», ergänzt Martin Lucas Staub.

Natürlich konnten alle Musiker online-Konzerte geben, aber es spiele sich anders vor dem Computer. «Es ist auch ein Problem der Motivation», sagt Renato Bizzotto, Oboist der Bläsersolisten Aargau.

Auf dem Lilienberg durften wegen der Abstandsregeln nur neunzig Personen in den grossen Konzertsaal, obwohl eigentlich doppelt so viele hineinpassen. Einige trugen Masken, aber alle wollten endlich wieder gemeinsam Musik erleben.

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