Weinfelderin malt Bilder, die wie Fotos aussehen

Esther Huser malt fotorealistische Ölbilder. Ab Samstag zeigt sie ihre Werke in einer Ausstellung in Herrliberg. Der Weg zur Kunst führte sie über die Ozeane und ein Psychologiestudium.

Sabrina Bächi
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Esther Huser in ihrem Atelier in Weinfelden. (Bild: Sabrina Bächi)

Esther Huser in ihrem Atelier in Weinfelden. (Bild: Sabrina Bächi)

Die KV-Lehre wirkt in ihrem Lebenslauf so normal, dass es fast schon wieder aussergewöhnlich ist. Dieses eine Mal hat Esther Huser nicht auf ihre Intuition gehört und mit 16 Jahren eine Ausbildung angefangen, die sie aber eigentlich nie wollte.

Erst mit 21 Jahren ist sie ausgebrochen, hat das konventionelle, das gutbürgerliche Leben hinter sich gelassen und auf hoher See ihr grosses Abenteuer erlebt. Sie kaufte sich mit ihrem damaligen Partner ein Segelschiff und reiste in die Karibik. Eineinhalb Jahre lebten sie dort. Dann ging es zurück in die Schweiz, doch nur drei Tage. Zumindest für Esther Huser. «Ich fand eine Stelle als Navigatorin auf einem Segelschiff», sagt sie. Fast sieben Jahre segelte sie über die Ozeane dieser Welt. Ihre Aufgabe an Bord: Mit dem Sextanten den Weg von A nach B finden.

Nach dem Segelschiff das Psychologiestudium

«Der Weg ist das Ziel», so nennt sie ihr Lebensmotto. «Ausserdem dreht man sonst durch, wenn man so lange Zeit auf einem Schiff ist und nichts sieht ausser Wasser», erklärt sie. Ihr Weg ist gezeichnet von vielen intuitiv gefällten Entscheidungen. Denn nach dem Leben auf hoher See studierte sie Psychologie, schloss ihr Studium mit dem Doktortitel ab und setzte schliesslich ganz auf die Kunst.

Der Schuhschnabel faszinierte Esther Huser speziell. (Bild: Esther Huser)
13 Bilder
Eine Blumenschale. (Bild: Esther Huser)
Mit diesem Bild einer Gunnera (Mammutblatt), schaffte Esther Huser den Einzug ins Finale der «Arte Figurativas 2017» in Barcelona. (Bild: Esther Huser)
Der Himmel über Weinfelden. Ihr Wohnort inspiriert Huser auch immer wieder zum Malen. (Bild: Esther Huser)
Eines der zahlreichen Kohlbiler: Kohl mit Rosa. (Bild: Esther Huser)
Das Kohlfeld. (Bild: Esther Huser)
Nahaufnahme mehrerer Kohlköpfe. (Bild: Esther Huser)
Auch Rotkabis hat es der Weinfelder Künstlerin angetan. (Bild: Esther Huser)
Dieses Ölbild stammt aus dem Jahr 2018. (Bild: Esther Huser)
Ein abgeerntetes Kohlfeld. (Bild: Esther Huser)
Ein Schaf. (Bild: Esther Huser)
Auf diesem Bild sind Trachystemon zu sehen. Die Künstlerin schreibt dazu: «In den Jahren 2015 bis 2016 war ich fasziniert von dieser Pflanze, die wirkt wie die Oberfläche des Meeres in einer steifen Briese.» (Bild: Esther Huser)
Ein Blick über die Dächer von Zürich. (Bild: Esther Huser)

Der Schuhschnabel faszinierte Esther Huser speziell. (Bild: Esther Huser)

«Es gibt keine Zeit in meinem Leben, in der ich nicht künstlerisch tätig war», sagt Huser. «Ich bin süchtig nach dem Malen. Jeder gut gelungene Pinselstrich ist eine Belohnung für mich, danach bin ich süchtig.» Selbst auf hoher See malte sie. «Plankton inspirierte mich unglaublich», erzählt sie. Das Zeichnen musste dem Schaukeln angepasst werden, aber davon hat sich Esther Huser nicht irritieren lassen.

Seit 2014 ist sie hauptberuflich Künstlerin. Nur nebenbei, etwa einen Tag die Woche, arbeitet sie in Zürich als Psychologin. Sie hat sich ganz dem zeitgenössischen Realismus verschrieben. Ihre Ölbilder sehen aus wie Fotografien: eine Kühlschranktür, ein Frosch, ein riesiger Vogel oder aber ein Feld voller Kohl.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Gelernt hat Esther Huser das Malen nie. Sie besuchte Kurse in Amerika, aber eigentlich ist es ihr Hobby, welches sie nun zum Beruf gemacht hat. Und das ziemlich erfolgreich. Nebst den über 9000 Followern auf Instagram weiss sie auch an internationalen Wettbewerben die Jury mit ihren Bildern zu überzeugen. An der «Arte Figurativas», dem wichtigsten europäischen Kunstpreis für zeitgenössischen Realismus, ist ihr gar der Finaleinzug gelungen.

«Ich habe ein Foto, auf dem die siebenköpfige Jury und mein Bild zu sehen sind. Drei Juroren halten ihre Hand auf. Eine Hand mehr und ich hätte mein Bild im dortigen Museum ausstellen können.» An den Wettbewerben fällt vor allem eines auf: Husers Bilder gehören zu den wenigen, die keine Menschen als Motiv haben.

«Wenn ich etwas male, dann muss ich so fasziniert davon sein, dass ich vier Monate damit arbeiten kann»

Da Esther Huser ein Mensch ist, der die Natur liebt, haben es ihr Kohlköpfe mehr angetan als Menschenköpfe.

Sie liebt den Thurgau

Der Natur wegen ist sie mit ihrem Mann vor drei Jahren nach Weinfelden gezügelt. «Den Thurgau mochte ich schon immer. Die Leute sind freundlich und das Leben wirkt auf mich entschleunigend.» Weinfelden sei zudem der perfekte Ort zum Wohnen. «Man hat alles hier und es ist überschaubar.» Ab Samstag sind Esther Husers Bilder in der Galerie Vogtei in Herrliberg zu sehen.

Bis die 56-Jährige genügend Bilder für eine Galerie zusammen hat, dauert es gut fünf bis sieben Jahre. Doch auch hier ist für die Künstlerin der Weg das Ziel. Die Bilder mit den Kohlfeldern gehören ebenfalls zu der Ausstellung. Fein ziehen sich die Adern wie Lebenswege über die Blätter. Manchmal geradlinig, manchmal sehr verzweigt. Der Weg hat Esther Huser eben schon immer mehr fasziniert als das Ziel.

Website Esther Huser

Galerie Vogtei Herrliberg