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Weinfelder Tierärztin warnt vor den Folgen mangelhafter Tierernährung

Gefährlicher Trend «Barfen»: Ausschliesslich rohes Fleisch schadet den Haustieren. Wer unsicher ist, was die Fütterung anbelangt, kann sich an die Tierernährungsberaterin wenden.
Janine Bollhalder
"Ahhh machen!" Regula Nigg Kaegi untersucht die Zähne eines roten Katers. (Bild: Donato Caspari)

"Ahhh machen!" Regula Nigg Kaegi untersucht die Zähne eines roten Katers. (Bild: Donato Caspari)

Tierärztin Regula Nigg Kaegi ist besorgt: Seit geraumer Zeit folgen Tierhalter dem Trend «Barf». Zu Deutsch: Biologisch artgerechte Roh-Fütterung. Was bedeutet, die Tiere hauptsächlich mit rohem Fleisch zu füttern.

Als Vorbild für die Fütterung dient der Wolf mit seinem Speiseplan. Das «Barfen» sei aber für die Haustiere alles andere als ungefährlich, weiss Nigg Kaegi.

Die Weinfelder Tierärztin ist eine von nur acht Personen schweizweit, die den eidgenössisch anerkannten Fähigkeitsausweis «Ernährung von Hunden und Katzen» von der Gesellschaft Schweizer Tierärzte erhalten hat – und die einzige im Kanton Thurgau.

Sie will Tierhalter darauf aufmerksam machen, dass die reine Rohfleischkost für Hunde und Katzen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann und schlimmstenfalls zum frühzeitigen Tod des Tieres führt.

Gut gemeint aber schädlich

«Barfen ist anspruchsvoll», warnt Nigg Kaegi. Bei fehlendem Wissen oder nachlässiger Hygiene kann es zu Mangelernährung, Wachstumsstörungen oder Vergiftungen führen. Wer «Barfen» möchte, sollte sich umfassend mit dem Fütterungstrend befassen und über die Zusammensetzung der Gerichte Bescheid wissen.

«Es ist ähnlich wie bei uns Menschen: Die Nahrung sollte ausreichend Wasser, Fett, Kohlenhydrate und Proteine enthalten sowie eine bedarfsgerechte Menge an Vitaminen und Mineralstoffen.»

Tierärztin Regula Nigg Kaegi (Bild: Donato Caspari)

Tierärztin Regula Nigg Kaegi (Bild: Donato Caspari)

Auch wenn der Halter es nur gut meint: ein zartes Filet für den Hund ist schädlich. Denn der Wolf hat auch Knochen gefressen. Das sollten Hunde ebenfalls, denn sie benötigen ein gewisses Mass an Kalzium. «In der Wildnis verspeisen die Tiere nebst dem Fleisch auch den Magen- und Darminhalt ihrer Beute – beispielsweise Katzen das Getreide in einer Maus.»

Kleintierspezialistin Nigg Kaegi kennt viele Fälle mit Folgen mangelhafter Tierernährung. «Neben Hunden und Katzen sind auch Reptilien betroffen», sagt sie und erzählt, dass eine Echse unter Gummiknochen gelitten habe. «Ich habe ihren Kiefer mit zwei Fingern verbiegen können.»

Aber nicht nur zu wenige Nährstoffe sind problematisch, auch zu viele: «Zu viel Phosphor kann Nierenschäden bei Katzen bewirken.» Hunde bräuchten 37 und Katzen sogar 40 verschiedene Nährstoffe.

Wie aber erkennt man nun die Anzeichen einer unausgewogenen Ernährung?

Im Anfangsstadium sei dies häufig gar nicht zu erkennen. Erst später würden die typischen Zeichen auftreten: Struppiges, glanzloses Fell, trübe Augen, abnormales Verhalten – wenn Rituale ausfallen, wie beispielsweise das Begrüssen des Herrchens, erklärt Nigg Kaegi.

Augen auf im Supermarkt

Haustierhaltern, die zu herkömmlichem Tierfutter im Supermarkt greifen, rät Nigg Kaegi:

«Wichtig ist, dass die Nährstoffe inklusive Kalzium und Phosphor auf der Packung deklariert werden.»

Die Hersteller sollten sich an Empfehlungen der Fediaf (The European pet food industriy) orientieren. Denn auf dem Markt gehe es häufig darum, Futter so billig wie möglich zu produzieren, anstatt auf eine altersgerechte und ausgewogene Zusammensetzung zu achten.

«Ohne genaue Angaben ist die Ernährung des Haustiers mit einem Blindflug zu vergleichen: machbar, aber unklar hinsichtlich der Ausgewogenheit und Gesundheit.»

Eine tiergerechte Ernährung sei sehr individuell, einen allgemeingültigen Leitfaden gebe es nicht. Deswegen bietet die Weinfelder Tierärztin Tierernährungsberatung an. «Dass so viele Schäden nur durch die Ernährung entstehen, hat mich überrascht», sagt sie.

Die Beratung funktioniert folgendermassen: «Die Tierhalter können eine Liste mit Produkten zusammenstellen, die ihr Tier frisst.» Dann erstelle sie einen Fütterungsplan. Es sei wichtig, dass sie das Tier einmal gesehen habe, um sich ein Bild über dessen Allgemeinbefinden machen zu können. Die Kosten einer Ernährungsberatung bewegen sich je nach Aufwand zwischen 180 bis 250 Franken.

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