Weinfelder Stadtrat will keinen Bus

In einer Pressekonferenz erklärt der Stadtrat seine ablehnende Haltung in Sachen Stadtbus.

Sabrina Bächi
Hören
Drucken
Teilen
Stadtpräsident Max Vögeli und Stadtrat Hans Eschenmoser präsentieren die Abstimmungsbotschaft über den Stadtbus.

Stadtpräsident Max Vögeli und Stadtrat Hans Eschenmoser präsentieren die Abstimmungsbotschaft über den Stadtbus. 

Bild: Mario Testa

Diese Woche erhalten die Weinfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Abstimmungsunterlagen für den 9. Februar. Ein zwölfseitiges Heftli liegt bei. Darin erklärt: das Ortsbuskonzept. «Wir haben die Botschaft absichtlich neutral gehalten», betont Stadtpräsident Max Vögeli.

Bereits auf der vordersten Seite ist zu lesen, dass der Stadtrat den fünfjährigen Testbetrieb nicht unterstützt. Dennoch: Emotionalen Schlagabtausch wolle der Stadtrat nicht. Auch an der Medienkonferenz vom Mittwochmorgen betonen sie die Sachlichkeit ihrer Argumente. Grundsätzlich stimmen die Gründe gegen den Ortsbus mit den Ausführungen des Gegenkomitees überein. Wenig Nutzen, hohe Kosten.

Ausformuliert erklärt Vögeli, dass «Weinfelden ja bereits ein sehr gutes Netz mit Bushaltestellen besitzt». Dass Weinfelden viel an den öffentlichen Verkehr bezahlt, ist bekannt. Dass die Kosten mit dem Ortsbus steigen, genauso. Vögeli rechnet vor:

Stadtpräsident Max Vögeli.

Stadtpräsident Max Vögeli.

(Bild: Reto Martin)
«Die jährlichen Ausgaben für den öffentlichen Verkehr würden sich mit dem Ortsbus nahezu verdoppeln.»

Rund sieben Prozent der gesamten Steuereinnahmen würde die Stadt künftig für den Betrieb des Ortsbusses ausgeben, sagt er.

Bus macht Weinfelder faul und ist umweltschädlich

Alle wichtigen Destinationen in der Stadt würden heute mit dem Postauto sowieso angefahren, hält Vögeli fest. Das Altersheim, die Einkaufsmöglichkeiten im Westen oder die Gütti. Das Siedlungsgebiet der Stadt sei zudem dicht und werde sich in Zukunft gegen innen verdichten.

Dann schlägt der Stadtrat die Befürworter aus der Linken und Grünen Ecke mit den eigenen Waffen: «Heute gehen sehr viel Weinfelder mit dem Velo oder zu Fuss an den Bahnhof. Wenn es einen Bus gibt, schadet das der Umwelt und auch der Gesundheit, weil sie sich weniger bewegen», sagt Vögeli.

Bus nutzen wie im Alltag auch

Stadtrat Hans Eschenmoser begleitete das Projekt Ortsbus von Anfang an. Ursprünglich als Wahlkampfslogan der EVP hat der Stadtrat die Forderung nach einem Bus vor acht Jahren in die Legislaturziele übernommen. «Wir wollten die Notwendigkeit eines Busses prüfen, waren aber von Anfang an gegen eine Einführung», sagt Eschenmoser.

Er musste sich deshalb Kritik anhören, er würde das Projekt absichtlich schlecht umsetzen. «Das ist nicht der Fall», sagt er bestimmt. Das Projekt, welches zur Abstimmung vorliegt, sei mit einer Arbeitsgruppe erarbeitet worden, die zur Hälfte aus Befürwortern bestand. «Ich habe nie gesagt, dass etwas nicht geht, aber es ist halt nicht so einfach, wie man meint», sagt er. Kritik sei jedoch legitim.

Den organisierten Testbetrieb des Pro-Komitees begrüsst er.

«Die Leute können sich so ein gutes Bild machen.»

Allerdings würde er sich wünschen, dass man sich nicht aus Gwunder in den Bus setzt, sondern überlegt, den Bus so zu nutzen, wie während der Testphase. «Dann werden sie merken, dass es mit dem Bus wohl oft länger dauert als zu Fuss oder mit dem Velo.» Und: Die Busfahrt kostet künftig. Die Gemeinde würde 30 Prozent der Billettkosten übernehmen. Eine einfache Fahrt würde dann 3,20, eine Tageskarte 6,40 Franken kosten.

Grundsätzlich ist der Stadtrat froh, dass die Abstimmung vors Volk kommt. «Dann haben wir ein demokratisches Ergebnis», sagt Max Vögeli.

Mehr zum Thema