Weinfelder Schüler gründen ihren eigenen Staat

Die Schüler der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule erarbeiten während der Projektwoche was es heisst, einen Staat zu gründen und zu leiten. Die Kreativität der Jugendlichen kennt keine Grenzen.

Sabrina Bächi
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In der Projektwoche setzen sich die Jugendlichen mit der Staatsgründung auseinander. (Bild: Reto Martin)

In der Projektwoche setzen sich die Jugendlichen mit der Staatsgründung auseinander. (Bild: Reto Martin)

Wir befinden uns im Jahr 2819. Vor rund 700 Jahren versank die Welt, wie wir sie heute kennen im Chaos. Der 3. Weltkrieg brach aus. Ganz Europa wurde zerbombt und lag in Trümmern. Nur die Schweiz, als neutraler Staat, blieb wie eine Insel inmitten der zerrütteten Welt stehen.

Daraus entwickelte sich der sogenannte Kontinent Atlantis. Erst Jahrhunderte später wurden darauf vier Länder gegründet.

Eine wahrlich wahnwitzige Vorstellung der Zukunft. Entstanden ist sie in den Köpfen der Schüler aus der Klasse 3Ea der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule. Derzeit führen drei Klassen des Abschlussjahrgangs eine Projektwoche mit dem Namen Atlantis durch.

In Gruppen gründen sie einen Staat, bestimmen ihre Regierungsform, entwerfen eine eigene Währung und müssen mit den vorhandenen Infrastrukturen Handel treiben oder Krieg führen. Das zwar alles nur auf Papier, aber in den Köpfen der Schüler beginnt ihr Land Wirklichkeit zu werden.

Nur ein Papierprojekt

«Es geht darum, viele verschiedene Schulfächer unter einen Hut zu bringen und die Schüler erleben lassen, was es heisst, ein Land zu gründen und auch zu führen», erklärt Samuel Curau, Klassenlehrer der 3Ea. Auch Lehrerkollege Philipp Krucker hält das Projekt für sinnvoll, auch wenn es «nur ein Papierprojekt bleibt.»

Es sei eine Herausforderung für die Schüler, die Zusammenhänge herunterzubrechen und sich zu überlegen, was es denn überhaupt benötigt, um etwa Krieg zu führen. «Es sind sehr fantasievolle Projekte entstanden. Einige Schüler wollten einen Weltraumlift bauen, um das Weltall zu besiedeln», sagt Krucker und grinst.

An Stellwänden heften die Schüler ihre Verträge, Regierungsform und die Landkarte. (Bild: Reto Martin)

An Stellwänden heften die Schüler ihre Verträge, Regierungsform und die Landkarte. (Bild: Reto Martin)

Auch die Klasse von Thomas Hutterli ist konzentriert dabei, sich Namen für ihre Berge auszudenken. Strassen werden eingezeichnet, Flaggen entworfen. «Die Schüler sind sehr motiviert, aber sie merken auch, dass es schwierig ist, Verträge mit anderen Ländern auszuhandeln und Kompromisse zu suchen», sagt Hutterli.

Viel Kreativität und ein paar Leitlinien

Samuel Curau, Sekundarlehrer (Bild: Mario Testa)

Samuel Curau, Sekundarlehrer (Bild: Mario Testa)

Grundsätzlich gestaltet jede Lehrperson sein Atlantis-Projekt etwas anders. Doch es gibt gewisse Vorgaben, die als Leitlinien dienen. Jedes Land hat eine vorgegebene geografische Struktur: Berge, Seen, Flüsse und natürlich Bodenschätze. Samuel Curau erklärt:

«Meine Schüler mussten einen Zettel ziehen, auf dem stand, wie gross ihre Bevölkerung ist, was für Bodenschätze ihr Land besitzt, wie gut etwa das Strassennetz ist. Auf diesen Grundlagen mussten sie dann ihren Staat aufbauen.»

Am Mittwoch verteilte er jeder Gruppe eine Katastrophe, die das Land heimsuchte. Es mussten Flugblätter und Zeitungs- oder Radiomeldungen veröffentlicht werden, damit die fiktive Bevölkerung über das Unglück Bescheid wusste. «Manche Gruppen sind dann ganz schön erfinderisch», sagt Curau lachend.

Diktator wird mit Unterschriftensammlung entmachtet

«Wir haben einfach gesagt, dass dort, wo der Tsunami auftraf, hohe Klippen sind, darum war die Überschwemmung nicht so gross», erklärt Janina, die Präsidentin des Staates Omega ist, welcher in einer direkten Demokratie geführt wird.

Zusammenarbeit und geschicktes Verhandlungstalent ist beim Projekt Atlantis gefordert. (Bild: Reto Martin)

Zusammenarbeit und geschicktes Verhandlungstalent ist beim Projekt Atlantis gefordert. (Bild: Reto Martin)

Während die Omeganer noch dabei sind, ihren Nationalhelden und ihre Landesgeschichte zu erfinden, wissen die Bewohner von Floiburg bereits, dass ihr Nationalheld bei Wölfen aufgewachsen und qualvoll gestorben ist.

Nebenan gibt es noch heisse Diskussionen. Es werden Pläne geschmiedet, wie der Diktator von Vikendi entmachtet werden kann. Mittels Unterschriftensammlung wird er am Ende des Projektes dann zu Fall gebracht.