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Weinfelder Obervogt sorgt 1750 für einen Skandal

Vor 270 Jahren veruntreute Obervogt Vogel eine grosse Summe Geld. Ein sechstelliger Betrag wäre das heute. Selbst beim Bau des Pfarrhauses wirtschaftete er in die eigene Tasche.
Sabrina Bächi
Beim Bau des Weinfelder Pfarrhauses hat Obervogt Vogel 1000 Gulden unterschlagen. (Bild: Sabrina Bächi)

Beim Bau des Weinfelder Pfarrhauses hat Obervogt Vogel 1000 Gulden unterschlagen. (Bild: Sabrina Bächi)

Man schreibt das Jahr 1750: Das Dorf wird von einem Skandal erschüttert. Ein finanzieller Skandal, Veruntreuung von Geldern – Betrug, Dorfchronist J. J. Wälli hat die Machenschaften eines ungetreuen Beamten in den Akten im Staatsarchiv gefunden und niedergeschrieben. Die Geschichte beginnt wie folgt:

Obervogt Vogel tritt vom Amt zurück. Sein Nachfolger wird Obervogt Spöndli. Dieser bemerkt bereits nach kurzer Zeit, dass in der Rechnung von 1749, also in der letzten von Obervogt Vogel verfassten, einige Ungereimtheiten auftauchen. Kurzerhand gründet die Regierung der Stadt Zürich, die damals über Weinfelden herrschte, eine Kommission aus sechs Mitgliedern. An ihrer Spitze Seckelmeister Gossweiler.

Überprüfung aller Rechnungen

Von der Kommission erhält Zunftmeister Hirzel den Auftrag, nach Weinfelden zu reisen, und sämtliche Einträge zu überprüfen. So spricht Hirzel persönlich mit allen Handwerkern und Rebleuten, die Obervogt Vogel je für Arbeiten bezahlt hat. Er schaut sich sämtliche Rechnungsbücher an, etwa jene des Müllers im Sangen oder des «Trauben»-Wirtes. Das Ergebnis ist erschreckend. Wälli schreibt:

«Es stellte sich heraus, dass Vogel systematisch und in raffinierter Weise auf allen Wegen die Regierung betrogen, die Einträge und Ausgaben gefälscht hat.»

Der Obervogt hatte mehrere Strategien, das Geld abzuzweigen: er verrechnete weniger als eingenommen, gab falsche Mengen an, trug die Ausgaben höher ein und verrechnete Wein und Brot, obwohl nichts geliefert wurde. «Die Obervögte aus Zürich waren hier in Weinfelden natürlich an der langen Leine», sagt Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring. Die Überprüfung der Vögte war nicht so genau und wenig wirksam, erzählt er.

«Hinzu kommt, dass die Obervögte beim Volk beliebt waren, denn sie regierten im Sinne des Volkes. Den Herren vertraute man.»

Ein sechsstelliger Betrag

Franz-Xaver Isenring, Weinfelder Bürgerarchivar (Bild: Mario Testa)

Franz-Xaver Isenring, Weinfelder Bürgerarchivar (Bild: Mario Testa)

Insgesamt hat der ungetreue Beamte aus Zürich in seinen sechs Jahren, die er in Weinfelden verbrachte, 7046 Gulden veruntreut. «Und das war nur die Summe, die man nachweisen konnte», schreibt Wälli. Für die damalige Zeit ein sehr hoher Betrag. Brauchte eine fünfköpfige Familie doch rund 320 Gulden im Jahr zum Leben. «Das wäre heute sicher ein sechstelliger Betrag», sagt Isenring.

Alleine beim Bau des Weinfelder Pfarrhauses betrugen Vogels Veruntreuungen 1000 Gulden. Wahrscheinlich durch gefälschte Baurechnungen oder unterschlagene Zahlungen an die Handwerker zusammengeklaut.

Der Weinfelder Unterschlagungsskandal blieb jedoch nicht ohne Folgen. Die Kommission empfahl der Zürcher Regierung, «dass der Obervogt in seiner Selbstherrlichkeit besser kontrolliert und inspiziert werden soll», schreibt Wälli.

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