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Weinfelder Erntehelfer bekommt seinen Lohn in Weinflaschen ausbezahlt

Jürg Meier aus Weinfelden hilft bei der Trauben-Ernte. Bei der Arbeit mit Aussicht kommen ihm Ideen für seine Firma.
Janine Bollhalder
Es sei eine strenge, aber schöne Aufgabe, die Trauben zu ernten. (Bild: Andrea Stalder)

Es sei eine strenge, aber schöne Aufgabe, die Trauben zu ernten. (Bild: Andrea Stalder)

«Das ist das fünfte Jahr, in dem ich mithelfe», sagt Jürg Meier. Dem 69-jährigen Weinfelder steht eine strenge, aber schöne Zeit bevor: Er ist einer der Erntehelfer von Winzer Benno Forster.

«Wir erwarten eine gute Ernte», sagt er. Für ihn heisst das Arbeit: Zwischen 12 und 14 Nachmittage verbringt er am Ottenberg und erntet Trauben – zuerst weisse, dann rote. Geerntet wird jeweils am Nachmittag, vier bis fünf Stunden.

An manchen Tagen sei die Hitze drückend, die Sonne brennt vom Himmel auf Kopf, Arme und Schultern. Und das Stehen am schrägen Hang mache die Aufgabe nicht einfacher. «Ich kann mit der Hitze gut umgehen, aber trotzdem machen wir regelmässig Pausen und trinken viel», sagt Meier und fügt mit einem Grinsen an: «beim Ernten natürlich Wasser.»

Erntehelfer Jürg Meier und Winzer Benno Forster (Bild: Andrea Stalder)

Erntehelfer Jürg Meier und Winzer Benno Forster (Bild: Andrea Stalder)

Zwischen den Rebstöcken gäbe es keinen Schatten, nur pralle Sonne. An kalten Tagen sei die Lese schwieriger, denn aufgrund der Handschuhe habe man zu wenig Gefühl in den Fingern. Für die jeweiligen Umstände entschädige aber die Aussicht. «Für jemanden wie mich, der mitten in Weinfelden wohnt, ist dieses Panorama einfach traumhaft», sagt Meier.

Was darf es als Lohn sein - Geld oder Weinflaschen?

«Wir sind teilweise bis zu 20 Personen. Viele Frauen, primär Leute, die Freude an der Natur haben.» Zusammengetrommelt werden die Erntehelfer jeweils am Tag vor der Lese von Winzer Benno Forster.

Mit der Wümmet angefangen haben sie am Mittwochnachmittag vergangener Woche (4. September). Die Erntehelfer pflegen «eine schöne Kameradschaft». Manche plaudern während der Arbeit, Meier denkt gerne nach. «Ich komme dann auf gute Ideen.» Es sind Ideen für sein Unternehmen «Saunahof Live», einem Saunabetrieb mit Massage. Während der Ernteeinsätze von Jürg Meier kümmert sich seine Frau Esther um das Geschäft.

Jürg Meier hilft seinem langjährigen Kollegen Benno Forster bei der Solaris-Lese. (Bild: Andrea Stalder)

Jürg Meier hilft seinem langjährigen Kollegen Benno Forster bei der Solaris-Lese. (Bild: Andrea Stalder)

Aktuell geerntet werden die Trauben der Sorte Solaris, eine Weissweinsorte. Die anderen Sorten werden in den nächsten Wochen, je nach Wetter gelesen – oder gewümmet, wie Meier sagt. «Die Trauben können wir nur ernten, wenn es trocken ist.» Ansonsten könne das Restwasser den Wein verdünnen.

Die Traubendolden werden mit einer kleinen Schere geschnitten und in Kisten gefüllt. Er habe sich auch schon mit der kleinen Schere geschnitten: «Das passiert anfangs oft.» Faule Trauben pflücken die Erntehelfer gleich weg. «Wir müssen sorgfältig arbeiten, faule Trauben machen sich nicht gut im Wein», sagt Meier. Es sei eine gemischte Erntehelfergruppe, aber er meint:

«Beim Traubenlesen sind die Frauen flinker.»

Die gefüllten Kisten werden dann von Benno Forster aufgeladen und zum Weingut gefahren. Dort werden die weissen Trauben direkt gepresst, die roten gären erst in einem Tank.

Geld erhält Jürg Meier für seine Arbeit nicht. Dafür Weinflaschen. Manche Erntehelfer nehmen ihren Lohn aber auch in Form von Geld. Nach der Ernte organisiert Winzer Forster stets ein Helferessen, wobei die Erntehelfer dann den Wein probieren können, dessen Trauben sie im vergangenen Jahr ernteten.

Winzer erwarten eine gute Ernte,
aber auch die Kirschessigfliege

Der traditionelle Rebumgang in Weinfelden hat auf Benno Forsters Weingut stattgefunden. Er erzählt, dass die Winzer bisher grosses Wetterglück hatten. Aber: «Die entscheidenden Tage kommen jetzt, anfangs Herbst.» Trotzdem sind Forster und die beiden anwesenden Winzer Martin Wolfer und Michael Burkhart angesichts der Wetterprognose zuversichtlich, dass 2019 eine gute Ernte einbringen wird. Anfang Oktober, nach der Wega, werden die Männer anfangen, die roten Trauben zu lesen.

Ihr grösstes Problem zurzeit: «Die Kirschessigfliegen sind sehr präsent. In diesem Jahr haben sie aufgrund der feuchten und warmen Temperaturen perfekte Voraussetzungen», sagt Forster. Er wirkt den Schädlingen mit weisser Tonerde entgegen, welche er auf die Trauben sprüht. «Dies ist aber absolut gefahr- und geschmacklos und wird nach der Verarbeitung auch nicht mehr im Wein enthalten sein.» Nur das Essen der bemalten Trauben mache weniger Spass, weil sie «grusig» aussähen, sagt er lachend.

Rote Weintrauben mit Kriegsbemalung: Tonerde. (Bild: Janine Bollhalder)

Rote Weintrauben mit Kriegsbemalung: Tonerde. (Bild: Janine Bollhalder)

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