Weinfelder Brockis rüsten auf für den Konkurrenzkampf

In Weinfelden gibt es mittlerweile vier Brockenhäuser. Die zwei grossen bauen ihr Angebot weiter aus. 

Mario Testa
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BrockiShop-Leiterin Ursula Baidinger und Blaues-Kreuz-Geschäftsführer Roger Stieger in einer der Wohnlandschaften. (Bild: Mario Testa)

BrockiShop-Leiterin Ursula Baidinger und Blaues-Kreuz-Geschäftsführer Roger Stieger in einer der Wohnlandschaften. (Bild: Mario Testa)

Gebrauchte Möbel, Geräte und Kleider. Das alles und noch viel mehr bieten die Brockenhäuser. In Weinfelden ist die Brocki-Dichte besonders hoch, gleich vier buhlen um Kundschaft und Materialspenden. Drei der Brockenhäuser sind gemeinnützig, eines privat. Dasjenige des Blauen Kreuzes an der Fichtenstrasse, der BrockiShop, hat vergangne Woche zünftig ausgebaut. Blaukreuz-Geschäftsführer Roger Stieger sagt:

«Wir konnten eine zusätzliche Halle mieten und die Hochregale gleich mit übernehmen. So können wir unser Angebot besser strukturieren und erweitern.»

Und weiter: «Wir haben nun richtige Wohnlandschaften eingerichtet. Schlafzimmer, Stuben, Kinderzimmer. Das ist für uns ein völlig neues Konzept.»

Die Verantwortlichen des Brocki Wyfelde und der UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung anlässlich der Geldübergabe. (Bild: PD)

Die Verantwortlichen des Brocki Wyfelde und der UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung anlässlich der Geldübergabe. (Bild: PD)

Auch der grösste Mitbewerber, das Brocki Wyfelde der Stiftung Wetterbaum, baut nur ein Jahr nach der Eröffnung des Standorts auf der Güttingersreuti aus. Es soll um eine Gartenausstellung erweitert werden. 20'000 Franken bekommt sie dafür von der UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung.

Geld für gemeinnützige Projekte in der Stadt

Während die Stiftung Wetterbaum sich das soziale Engagement im Bereich von Arbeitsintegration und Motivation für benachteiligte Menschen auf die Fahne schreibt, ist es beim Blauen Kreuz die Präventionsarbeit, die dank der Einnahmen aus dem Brocki finanziert werden kann.

Vreni Koch, Präsidentin Gemeinnütziger Frauenverein Weinfelden. (Bild: PD)

Vreni Koch, Präsidentin Gemeinnütziger Frauenverein Weinfelden. (Bild: PD)

Die bald 50-jährige Brockenstube des Gemeinnützigen Frauenvereins Weinfelden im Thurgauerhof ist die kleinste im Ort. Hier arbeiten alle Frauen ehrenamtlich und mit dem Erlös werden Projekte wie der Weihnachtsbriefkasten, den Besuchsdienst für die über-90-Jährigen oder die Beiträge an Generationen-Spielplätze ermöglicht. Vereinspräsidentin Vreni Koch sagt:

«Die gewachsene Konkurrenz in Weinfelden geht nicht spurlos an uns vorbei. Sie kann aber auch beleben.»

«Die Brockenstube ist unsere Einnahmequelle und wir sind mit den Einnahmen zufrieden. Unser Standort ist gut gelegen, geheizt und hell – ein angenehmes Arbeits- und Einkaufsumfeld.»

Eigenes Brocki nach Rückkehr

Auf eigene Faust betreibt Erwin Bär seinen «Brocki-Express» an der Kreuzlingerstrasse. Eröffnet hat er es, weil er nach vielen Jahren im Ausland in die Schweiz zurückkehrte und keine Anstellung mehr fand.

«Nun habe ich Arbeit. Aber ich werde wohl schaffen müssen, bis ich umfalle. Traurig aber wahr.»
Erwin (Jo) Bär, Inhaber Brocki-Express Weinfelden.(Bild: Mario Testa)

Erwin (Jo) Bär, Inhaber Brocki-Express Weinfelden.
(Bild: Mario Testa)

Er habe ein sehr grosses und spezielles Brockenhaus. «Hier kann man noch stundenlang stöbern und findet fast alles, es ist kein Warenhaus wie die andern.» Es sei für ihn aber schwierig, über die Runden zu kommen. «Ich spüre schon, dass die Konkurrenz langsam gross ist in Weinfelden, das macht mir Sorgen. Immerhin locken die vielen Brockis Leute von weiter her an auf grosse Brocki-Tour.»

Die grosse Konkurrenz in Weinfelden stört auch Roger Stieger vom Blau-Kreuz-Brocki. «Ich hab daran keine Freude. Normalerweise eröffnet man kein Neues auf einem Platz, wo es bereits einen Anbieter gibt», sagt er. Ihren Beitrag gegen die Wegwerfmentalität und zum Erhalt von gut erhaltener Gegenständen für kleines Budget leisten auf alle Fälle alle Brockis.