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Weinfelder App hilft bei der Integration von Asylsuchenden

Raphael Gerster hat das Projekt Glocalmeets.ch gestartet um Asylsuchende und Integrierwillige zu vernetzen. Er hat bereits eine erste Lehrstelle für einen Afghanen vermitteln können.
Mario Testa
Raphael Gerster zeigt seine Integrations-Plattform Glocalmeets.ch, die vorläufig nur auf Smartphones läuft. (Bild: Mario Testa)

Raphael Gerster zeigt seine Integrations-Plattform Glocalmeets.ch, die vorläufig nur auf Smartphones läuft. (Bild: Mario Testa)

Das Globale und Lokale rücken zusammen. So ist der Name des Projekts Glocalmeets.ch zu verstehen. Initiiert hat es der Weinfelder Bankkaufmann Raphael Gerster. «Es geht mir darum, integrationswillige Asylsuchende und Einheimische zusammenzubringen», er klärt der 25-Jährige.

«Integration ist für mich die einzige Lösung, um Parallelgesellschaften in unserer Gesellschaft zu verhindern.»

Solche Parallelgesellschaften seien gefährlich. «Es kann Extremismus geschürt werden, wenn Flüchtlinge unter sich bleiben und man ihnen das Gefühl gibt, die Gesellschaft will sie nicht.»

Mit dem Programm Glocalmeets.ch, das auf Smartphones installiert werden kann, versucht er Privatpersonen und Asylsuchende zusammenzubringen. «Wer teilnehmen will, füllt einen Fragebogen aus – und ich versuche dann, ein erstes Treffen zwischen Asylsuchendem und Einheimischem mit ähnlichen Interessen zu organisieren», erklärt Gerster.

Integration bei Kaffee und Kuchen

«Integration kann ganz klein, bei einer Tasse Kaffee und einem Gespräch beginnen.» Im Juli hat Gerster seine App aktiviert. Seither hat er bereits eine Handvoll Treffen organisieren können. «Beim ersten Treffen ist immer jemand von Glocalmeets dabei, einer unserer vier sogenannten Integrationskoordinatoren. Sie sind in der Folge auch die Ansprechpersonen für beide Integrationspartner.»

Häufig bräuchten Asylsuchende Hilfe beim Deutschlernen, beim schreiben von Bewerbungen oder Ausfüllen von Formularen.

«Manchmal hilft es schon, einfach etwas Zeit miteinander zu verbringen, unsere Bräuche und Grundregeln zu erklären.»

Was er nicht wolle, sei religiöse Integration. «Religion spielt bei unserem Projekt keine Rolle, wir suchen keine Missionare für die Asylsuchenden.»

Für sein Projekt hat Raphael Gerster auch Partner mit ins Boot geholt. «Es gibt in Zürich den Verein Glocal Roots, der ein ähnliches Ziel verfolgt – Hilfe zur Selbsthilfe für Asylsuchende. Dazu arbeitet auch die Arbeitsgruppe Agathu aus Kreuzlingen am Projekt mit.»

Kostenloses Angebot für die Teilnehmenden

Für die Teilnehmer kostet die App und eine Projektteilnahme nichts. Gerster hat die Entwicklung der App selber bezahlt und dazu einen Projektbeitrag von Glocal Roots erhalten. Er selbst hat sich ein grosses Wissen über die rechtlichen Grundlagen angeeignet. «Im Arbeitsrecht für Asylsuchende und ähnlichem kann ich beratend wirken.»

Lehrling Abas Rezaee und seine Chefin Ursula Baumann-Bendel, Inhaberin des Malergeschäfts E. Baumann AG in Bürglen. (Bild: Mario Testa)

Lehrling Abas Rezaee und seine Chefin Ursula Baumann-Bendel, Inhaberin des Malergeschäfts E. Baumann AG in Bürglen. (Bild: Mario Testa)

Einen ersten Erfolg mit seinem Projekt hat Gerster, der seit drei Jahren Deutschunterricht für Asylsuchende gibt, bereits verbucht. Er schaffte es, einen Kontakt zwischen dem Afghanischen Flüchtling Abas Rezaee und Ursula Baumann-Bendel, Inhaberin des Malergeschäft E. Baumann AG in Bürglen herzustellen. Nun hat Rezaee dort eine Lehre begonnen.

Vertrauen und Deutschkenntnisse sind wichtig

«Ohne die Hilfe von Raphael wäre es für mich sehr schwierig gewesen, diese Lehrstelle zu bekommen», sagt Abas Rezaee. «Ich habe bei ihm Deutsch gelernt und er hat sich sehr viel Mühe gegeben, für mich eine Lehrstelle zu finden.» Vier Monate lang machte Rezaee ein Praktikum, vor einem Monat hat seine Lehre als Maler begonnen.

Ursula Baumann lernte die beiden im Zusammenhang mit der Lehrstellensuche kennen. «Ich denke nicht, dass wir uns gefunden hätten ohne Raphaels Hilfe. Abas kann eine Blindbewerbung noch nicht selber schreiben.» Raphael Gerster habe ihr auch zu spüren gegeben, dass Abas durch ihn gefördert wird. «Das hat mir auch Vertrauen vermittelt für die Lehrstelle. Und Abas ist fleissig, höflich und pünktlich.»

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