Weinfelden
Katholischen Kirchgemeinde investiert Geldsegen direkt in neue Bauvorhaben

Infolge Neubewertungen der Liegenschaften machte die Katholische Kirchgemeinde Weinfelden vergangenes Jahr einen Gewinn von rund 2,34 Millionen Franken. Über die Verwendung des Geldes wurde an der Versammlung kontrovers diskutiert.

Mario Testa
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Dieser Versammlungsteilnehmer wirft einen tiefen Blick in die Zahlen, welche Kirchenpfleger Martin Lüthy vorne am Rednerpult erläutert.

Dieser Versammlungsteilnehmer wirft einen tiefen Blick in die Zahlen, welche Kirchenpfleger Martin Lüthy vorne am Rednerpult erläutert.

Bild: Mario Testa

«Con tutti», also nur «mit allen gemeinsam», funktioniere das kirchliche Leben, sinniert Gemeindeleiter Armin Ruf zu Beginn der Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden. Das duale System mit Pfarreien und Kirchgemeinden sei wie ein Orchester. «Die Musiker zeigen ihr Können und der Verein sorgt für das nötige Geld und die Strukturen.» Seine Worte hallen die gut stündige Versammlung lang nach, denn zum Schluss, bei den Abstimmungen über die Jahresrechnung und die Gewinnverwendung, sind es fast «tutti», die zweimal Ja sagen.

Der Jahresgewinn 2020 der Kirchgemeinde ist unerwartet hoch ausgefallen, oder wie es Kirchenpfleger Martin Lüthy sagt:

«Der Gewinn beträgt sagenhafte 2,34 Millionen Franken.»

Grund für diesen ausserordentlichen Geldsegen sind Neubewertungen der Liegenschaften der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden. Zwei Grundstücke sind heute viel mehr wert als bislang in den Büchern verzeichnet. Von diesem Neubewertungsschub von 2,22 Millionen Franken abgesehen, präsentiert sich Rechnung der ordentlichen Geschäftstätigkeit fast wie erwartet. Dank mehr Steuereinnahmen resultiert jedoch ein Gewinn von 120'000 statt des budgetierten Minus von 50'000 Franken.

Kirchenpfleger Martin Lüthy nimmt Fragen zur Rechnung aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer entgegen.

Kirchenpfleger Martin Lüthy nimmt Fragen zur Rechnung aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer entgegen.

Bild: Mario Testa

Die Vorsteherschaft will mit dem Geldsegen der Neubewertung Vorfinanzierungen und Abschreibungen in der Höhe von 1,95 Millionen tätigen und den Rest dem Eigenkapital zuweisen. «Heute Abend hätten wir so die Möglichkeit, die Investitionen ohne Abschreibungsbedarf auf null zu bringen», sagt Kirchenpräsident Roger Häfner.

Antrag für alternative Verwendung des Gewinns

Eine Anpassung des Antrags der Kirchenvorsteherschaft fordert Kirchbürger Urs Brosi: «Das Vorgehen der Vorsteherschaft ist absolut seriös und korrekt. Aber nützen wir die Situation doch besser für Abschreibungen statt Belastungen.» Er stellt deshalb den Antrag, zumindest auf knapp eine Million Franken als Vorfinanzierung der Innenrenovation der Kirche zu verzichten, und dieses Geld stattdessen ebenfalls dem Eigenkapital zuzuweisen.

«Es könnte sonst der Eindruck entstehen, wir sind reich und liquid. Aber es handelt sich ja um Buchgewinne.»

Zu diesen Buchgewinnen kommt eine weitere Frage aus dem Plenum. «Brauchen wir denn nicht echtes Geld für die Handwerker?» Ja, sagt Kirchenpräsident Roger Häfner. «Wir werden rund zwei Millionen Franken Kredit aufnehmen. Aber die tiefen Zinsen bedeuten tiefere Belastungen, als wenn wir während 33 Jahren abschreiben müssen.»

Nach wenigen weiteren Wortmeldungen kommt Urs Brosis Antrag zur Abstimmung. Neun der anwesenden 47 Stimmberechtigten unterstützen ihn, das grosse Mehr lehnt ihn ab. In der folgenden Abstimmung gilt dann wieder «con tutti». Einstimmig bewilligen die Stimmberechtigten die Jahresrechnung 2020 sowie die von der Kirchenvorsteherschaft vorgeschlagene Verwendung des Gewinns. Nur zwei Stimmberechtigte enthalten sich in diesem Punkt ihrer Stimme.

Einstimmig bewilligen die Versammlungsteilnehmer die Jahresrechnung der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden.

Einstimmig bewilligen die Versammlungsteilnehmer die Jahresrechnung der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Zum Schluss der Versammlung informiert Kirchenpräsident Roger Häfner, dass mit der Innenrenovation der Kirche im September begonnen werden soll. Zudem wirbt er für ein Ja zur Totalrevision der Landeskirchenverfassung an diesem Wochenende. Und Beat Curau dankt als Stiftungsrat des «Fastenopfers» für die vielen privaten Spenden, welche die merklich zurückgegangenen Gelder aus dem kirchlichen Leben im vergangenen Jahr fast ausgleichen konnten.