Weinfelden
«Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so gut ausfällt»: Rechnung 2020 fällt zwei Millionen besser aus als budgetiert

Die Rechnung 2020 der Stadt Weinfelden präsentiert sich mit einem Gewinn von knapp 1,5 Millionen Franken. Budgetiert war ein Minus von 600'000 Franken. Stadtpräsident Max Vögeli und Finanzverwalter Erwin Wagner erklären, wie es zu dem positiven Rechnungsabschluss gekommen ist.

Sabrina Bächi
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Für Stadtpräsident Max Vögeli ist die Präsentation der Rechnung schon Routine. Denn bereits zum 20. Mal stellt er die Zahlen der Stadt vor – natürlich mit Finanzverwalter Erwin Wagner an seiner Seite. Bereits 20 Mal konnte er an den Medienkonferenzen einen Gewinn vorweisen. So auch dieses Jahr. «Trotz Corona ist die Rechnung deutlich besser ausgefallen als erwartet», sagt Vögeli.

Über zwei Millionen besser als budgetiert schliesst die Rechnung ab, mit einem Gewinn von rund 1,5 Millionen Franken. «Trotz der Steuergesetzesrevision haben die juristischen Personen einen grossen Mehrertrag an Steuern eingebracht», sagt Vögeli.

Rund 1,4 Millionen höher ist der gesamte Steuerertrag ausgefallen als budgetiert. Auch bei den Grundstückgewinnsteuern ist der Betrag besser als erwartet ausgefallen. «Weiter haben wir auch Minderaufwände etwa bei der allgemeinen Verwaltung und der Sozialen Sicherheit», sagt Vögeli.

Praxisänderungen nicht mitbedacht

Gerade bei der Sozialen Sicherheit im Bereich Prämienverbilligung habe man sich jedoch verrechnet. «Wir haben eine Praxisänderung in der Auszahlung der Prämienverbilligung nicht bedacht», sagt Finanzchef Erwin Wagner. Er muss dann auch zugeben, dass die Budgetierung nicht immer einfach ist. Eigentlich sollte die Rechnung nämlich ein Minus von 600'000 Franken aufweisen.

Max Vögeli, Stadtpräsident Weinfelden.

Max Vögeli, Stadtpräsident Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder
«Nun müssen wir uns für den hohen Gewinn noch fast entschuldigen», sagt Vögeli.

Schliesslich sei es ja das Ziel, nur so viele Steuern zu erheben, wie zwingend notwendig. Dass nun politisch Druck auf den Steuerfuss ausgeübt werden könnte, damit rechnet der Stadtpräsident. «Wir diskutieren immer über den Steuerfuss, derzeit können wir jedoch noch nicht abschätzen, wie hoch die Steuereinnahmen sein werden, doch zur Budgetsitzung mit dem Parlament im Dezember werden wir seitens Stadtrat einen Vorschlag bringen», sagt Vögeli.

Weitere Steuerfusssenkung im kommenden Jahr möglich

Es kann also sein, dass nach der letztjährigen Senkung für den Steuerfuss 2021 auf 58 Prozent eine weitere Reduktion bereits auf 2022 realisiert wird. «Die Auswirkungen der Coronakrise treten jedoch verzögert auf», warnt Wagner. Man müsse die Zahlen deshalb, so wie immer, genau anschauen.

Den Gewinn von rund 1,5 Millionen will die Stadt zum einen dem Eigenkapital zuführen. «Damit haben wir ein Polster für Zeiten, in denen der Steuerfuss tief ist, und wir vielleicht auch Defizite schreiben», sagt Wagner. Des Weiteren werden Sanierungen von Gemeindestrassen zusätzlich abgeschrieben. Das gebe auch Luft für die Zukunft, erklärt der Finanzverwalter.

Das Nettovermögen ist leicht geschrumpft und beträgt nun noch knapp 6,2 Millionen.

Erwin Wagner, Finanzverwalter Weinfelden

Erwin Wagner, Finanzverwalter Weinfelden

Bild: sba
«Pro Kopf ist das ein Nettovermögen von 534 Franken», sagt Wagner.

Der Grund für das im Vergleich zum Vorjahr gesunkenen Vermögen seien grössere Investitionen von rund 3,6 Millionen, welche die Stadt tätigte. Die Steuerkraft liegt bei 2522 Franken pro Einwohner.

Coronanotvorrat ist noch nicht aufgebraucht

Den letztjährigen Gewinn hat die Stadt als Coronanotvorrat angelegt. Von den 1,4 Millionen sind bisher 615'000 Franken verwendet worden. 550'000 davon für die Gutscheinaktion «Wyfelde hebet zäme». Die Aktion sei hocherfreulich verlaufen, sagt Stadtpräsident Max Vögeli. 91 Prozent aller verteilten Gutscheine wurden eingelöst. «Ein Viertel davon wurde in der Gastronomie abgegeben, ebenso viel bei den Grossverteilern», sagt Wagner mit Blick auf die Zahlen.

Weitere 46'000 Franken verwendete die Stadt für Gebühren- und Mietreduktionen sowie als Entschädigung für Veranstaltungsabsagen. «Wir haben für die zwei Monate Lockdown den Mietern von Geschäftsliegenschaften, die der Stadt gehören, die Hälfte des Mietzinses erlassen», sagt Wagner.

Weiter habe man die Buchhaltung für die Messen kostengünstig abgewickelt und diese so unterstützt und Vereinen wie etwa dem Turnverein einen Betrag für die sehr kurzfristig abgesagte Papiersammlung zugesprochen. Der grössere Teil des Coronanotgroschens ist allerdings noch im Topf. Bis Ende 2022 kann die Stadt dieses Geld als subsidiäre Hilfe ausgeben, wo nötig.