Weinfelden
Wie bei einem Fussballspiel: Die Schlaraffia überträgt Genussmomente live

Die Genussmesse Schlaraffia fand wegen der Pandemie virtuell statt. Doch auch für den Gaumen und das Gourmet-Herz hatte die Veranstaltung viel zu bieten. Kochshows mit nützlichen Tipps oder Degustationen über das Netz erfreuten die rund 2300 Besucher am Eröffnungswochenende.

Manuela Olgiati
Merken
Drucken
Teilen
Karin Patton von der Barfuss-Brauerei ist bereit für die Live-Degustation.

Karin Patton von der Barfuss-Brauerei ist bereit für die Live-Degustation.

Bild: Manuela Olgiati

Liveübertragungen gehören normalerweise in die Welt der Fussballspiele. Dieses Wochenende konnten jedoch interessierte Gourmands an den Bildschirmen mitverfolgen, wie Köche ihre Gerichte zubereiten oder wie das rote Himbeerbier schmeckt. Mit Degustationspaketen für Zuhause konnten sich die Besucher ein bisschen Genuss und Fachsimpelei in das Wohnzimmer holen.

Ein Besuch in der Barfuss-Brauerei bei Karin Patton gibt Einblick in so eine Live-Degustation – sie ist gerade auf Sendung. Die Biersommelière spricht von Bieren, die auch Frauen mögen. Es lockt ein kühles Bier mit Himbeergeschmack. Nebenbei ist zu erfahren, wie der Firmenname entstand. Dass ein Wegweiser des Barfussweges in Wuppenau in Pattons Garten führt.

Die Degustationsprodukte wurden nach Hause geschickt

Die Live-Degustation funktioniert nur mit Computer

Die Live-Degustation funktioniert nur mit Computer

Bild: Karin Patton

Auf der anderen Seite der Bildschirme sollte bei den Testern zu Hause das Degustationspaket mit Weinen, Bieren und Süssigkeiten bereitliegen. Wie sonst sollte man die Produkte testen?

Auch eine Weinverkostung ist möglich. Etwa mit Cave Fin Bec. Mit charmantem «Wallisertütsch» führt Godi Supersaxo durch die Degustation. Er hält beim Online-Tasting ein Glas Bio Vin Blanc aus dem Wallis in die Kamera. «Elegant, mit weissem Hintergrund», beschreibt der Weinkenner den Geschmack des Getränkes.

Kochshows mit nützlichen Tipps

Die Geräte sind eingeschaltet. Das Gehör geschärft, die Augen konzentriert auf Kochtöpfe und Gläser. So erleben Zuschauer die Liveshow der Genussmesse. Jedes Kind weiss, wie gedünstete Zwiebeln riechen. Die Vorstellungskraft allein genügt. Wer zuschaut, wird über Produzenten und Produkt informiert. Es wird Wissen vermittelt.

Bei Gastronom Christof Frei vom Landgasthof Wartegg in Müllheim-Wigoltingen brutzeln Kalbskoteletts auf dem Herd. Ein Geheimtipp soll ein Dessert zum Nachkochen mit Schokoladenmousse und einem Erdbeertörtli, zubereitet mit zehnjährigem Portwein, sein. Ein weiterer Tipp: den Stein der Avocado für die Vorspeise mit dem Messer zu entfernen.

Gschwellti, Rösti, Wedges. Mehrere Kartoffelrezepte hält Karin Peter von der Genusszeit bereit. Die Winzer sind zahlreich online. Michael Broger zeigt im Online-Crashkurs, wie man Wein probiert. Eingeschenkt, geschwenkt wird der erste Schluck im Gaumen getestet. Dem virtuellen Zuschauer bleibt die Vorstellung – oder die Möglichkeit, die Genussmittel selbst zu bestellen.


Nachgefragt mit Messeleiter Gregor Wegmüller

Messeleiter Gregor Wegmüller.

Messeleiter Gregor Wegmüller.

Bild: Andrea Stalder

Das Startwochenende der virtuellen Schlaraffia ist zu Ende, können Sie etwas über die Besucherzahlen sagen?

Gregor Wegmüller: Ja. Das Gute an virtuellen Formaten ist, dass wir eine relativ genaue Aussage über die Besucher der virtuellen Schlaraffia machen können. Bis am Sonntagnachmittag haben 2300 Personen die Plattform besucht. 863 Besucher haben sich die Shows angeschaut. Durchschnittlich 13 Minuten schauten sie sich die Filme an. Doch die Messe bleibt noch weitere zwei Monate zugänglich, alle Videos können nachgeschaut werden.

Sind Sie zufrieden mit diesen Zahlen?

Ja, grundsätzlich sind wir mit den Zahlen zufrieden, auch wenn sonst 13'000 Personen die Schlaraffia besuchen.

Gibt es etwas, das nicht so gelang wie gewünscht?

Wir hatten in den Chats sehr wenig Interaktionen. Diese Form der Unterhaltung wurde nicht oft genutzt. Das fanden auch die Aussteller schade.

Zeichnet sich ein Favorit ab unter den Angeboten der virtuellen Messe?

Die Livekochshows wurden gerne gesehen. Bei den Livedegustationen ist es halt viel individueller. Wir wissen auch nicht genau, wie viele Degustationspakete die Hersteller verkauften.

Wie ist denn die Reaktion der Aussteller?

Viele sind froh, dass wir überhaupt etwas gemacht haben. Trotzdem sind wir uns alle einig, dass wir uns auf eine richtige Schlaraffia im nächsten Jahr freuen. Mit dem Gewusel, dem Stimmengewirr und der Hektik. Das war diesmal anders. Die meisten Aussteller habe ich trotz Messezeit nicht gesehen.

Werden Sie Formate aus der virtuellen Messe auch künftig beibehalten?

Das müssen wir zuerst auswerten und diskutieren. Vielleicht die Übertragung der Kochshows. (sba)