Weinfelden
«Eigentlich helfen wir den Leuten dabei, sich selbst zu helfen»

Ab dem 1. Mai bietet der Verein für elterliche Verantwortung eine eigene Hotline an, die Frauen und Männern in Trennungs- und Scheidungssituationen als Anlaufstelle dienen soll. Den Fokus legt der Verein bei seiner Beratung klar auf das Wohl der Kinder.

Michelle Heinrich
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Hanni Wismer leistet schon seit über 30 Jahren Freiwilligenarbeit und denkt nicht daran aufzuhören.

Hanni Wismer leistet schon seit über 30 Jahren Freiwilligenarbeit und denkt nicht daran aufzuhören.

Bild: Michelle Heinrich

Der Verein für elterliche Verantwortung, kurz VeV, schaltet am 1. Mai eine eigene Hotline auf, die Frauen und Männern eine Anlaufstelle bietet, wenn sie in ihrer Beziehung nicht weiterwissen oder auch nach einer Trennung Schwierigkeiten im Alltag haben. Den Fokus legt der VeV bei seiner Beratung klar auf das Wohl der Kinder. «Es ist wichtig, dass die Beziehung der Kinder zu beiden Elternteilen bestehen bleibt und gestärkt werden kann», sagt Hanni Wismer. Sie ist als Scheidungs- und Trennungsberaterin beim VeV tätig und zuständig für den Thurgau.

Obwohl es heute eine Vielzahl an Institutionen gibt, die Frauen und Männer bei Trennungen oder Scheidungen beraten, sieht der Verein Bedarf an Unterstützung für Betroffene. Die 71-jährige Beraterin hat es sich zum Ziel gemacht, Eltern und Kinder vor, während oder auch nach einer Trennung zu begleiten.

«Fast jeder Mensch braucht irgendwann mal Unterstützung», sagt Wismer über die Nachfrage zu Beratungsstellen für Eltern in Krisensituationen.

«Für viele ist es enorm schwierig, eine Trennung durchzustehen und dennoch sind Männer und Frauen gehemmt, sich Unterstützung zu holen.»

Der VeV bietet im Thurgau bisher einen Beratungstreff pro Monat in der Stiftung Zukunft in Weinfelden an. Die Selbsthilfegruppe bietet eine Plattform zum Austausch für Menschen, die unter den Folgen einer Trennung leiden. Gemeinsam mit einer Kinesiologin berät Wismer die Leute vor Ort. Ergänzend zu diesem Konzept wird am 1. Mai die Hotline des Vereins aufgeschaltet.

Hotline ergänzt die Selbsthilfegruppe

Mit der neuen Hotline möchte der Verein Betroffenen eine weitere Anlaufstelle bieten. Der Anruf wird von Scheidungs- und Trennungsberatenden entgegengenommen. Diese Berater sind Mitglieder des Vereins, die sich in einer zweijährigen Schulung von der Vereinigung für gemeinsame Elternschaft (GeCoBi) haben ausbilden lassen.

In einem kostenlosen, halbstündigen Telefonat wir die Lage der Klienten erfasst und eine Standortbestimmung gemacht. Anschliessend werden die Anrufer für weitere Unterstützung mit einem Trennungsberater verbunden, oder bei Bedarf an Fachstellen weitergeleitet. Wenn eine solche, tiefergehenden Beratung gewünscht wird, können Kosten für die Anrufer anfallen. «In einem 30-minütigen Telefonat können wir aber bereits sehr viel helfen. Oft erleichtert es Betroffene schon, mit jemandem ausserhalb des Bekanntenkreises über die Situation zu sprechen», sagt Hanni Wismer. «Eigentlich helfen wir den Leuten dabei, sich selbst zu helfen.»

Ab dem 1. Mai erreicht man über die Hotline des Vereins für elterliche Verantwortung Scheidungs- und Trennungsberaterinnen unter 056 552 0205