Weinfelden
Ruine Neuburg: Unter dem Grün taucht eine uralte Mauer auf

Auf dem Burgstock in Weinfelden laufen derzeit die Freilegungs- und Sanierungsarbeiten an einer Mauer aus dem 13. Jahrhundert. Ein Helikopter brachte das Baumaterial ins schwer zugängliche Gelände.

Mario Testa
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Die Aussenmauer der Ruine Neuburg liegt frei. Sie ist rund 45 Meter lang und wird nun saniert.

Die Aussenmauer der Ruine Neuburg liegt frei. Sie ist rund 45 Meter lang und wird nun saniert.

Bild: Mario Testa

Am Donnerstagabend feiert das Team des Amts für Archäologie am Grill den vorläufigen Abschluss ihrer Arbeiten. In den vergangenen zwei Monaten haben die Frauen und Männer in Handarbeit die 45 Meter lange Südmauer der Neuburg oberhalb der Burgstrasse in Weinfelden freigelegt. «Wir haben hier zu fünft gearbeitet, ziehen uns nun aber zurück», sagt die leitende Archäologin Simone Benguerel. Nun sei es an den Maurern, die frei gelegte Mauer wieder einigermassen in Schuss zu bringen – denn das Bauwerk hat gelitten.

Simone Benguerel, Leiterin Grabungen im Amt für Archäologie.

Simone Benguerel, Leiterin Grabungen im Amt für Archäologie.

Bild: Mario Testa
«Die Mauer ist sehr gut instand, wir konnten das nur erahnen. Aber trotzdem haben die Natur, die Witterung und die Menschen der Mauer zugesetzt.»

So seien vor allem die oberste Schicht und gewisse Bereiche der äusseren Mauerschale lose gewesen. Das Efeu und die Buchen, welche die Mauer überwuchert haben, haben ihr zugesetzt. Dazu kam die Erosion im Verlauf der vergangenen rund 600 Jahre. Und nicht zuletzt haben sich, seit die Burg – wahrscheinlich von den Appenzellern im Jahr 1407 – gestürmt wurde, die Menschen an den Steinen bedient und sie weggetragen.

Maurer machen sich an die Arbeit

Viele lose Steine liegen nach der mehrwöchigen Freilegungs- und Dokumentationsarbeit des Archäologieteams nun auf dem Burghügel. Sie warten darauf, wieder in die Mauer eingesetzt zu werden. Diese Arbeit erledigt Maurer Hazir Nrecaj von der Baufirma Stutz. Er ist erfahren in der Sanierung historischer Gemäuer.

Maurer Hazir Nrecaj flickt die kaputten Stellen an der Mauer.

Maurer Hazir Nrecaj flickt die kaputten Stellen an der Mauer.

Bild: Mario Testa

Der Mörtel, welche er für die Maurerarbeit nützt, entspricht jenem, der schon beim Bau der Burg verwendet wurde, wie Simone Benguerel sagt: «Der Mörtel besteht aus Kies und Brandkalk. Diese Art ist uralt, aber ein super Mörtel.»

Helitransport für das Baumaterial

Der Burgstock ist nur auf einem schmalen Pfad erreichbar. Dort das nötige Baumaterial hinauf zu schaffen, wäre kaum möglich gewesen. Deshalb hat ein Helikopter die rund 30 Tonnen Material auf den Burgstock geliefert. «Wir haben die benötigte Menge Kies und Brandkalk vorgängig berechnet und hoffen natürlich, dass es nun auch reichen wird», sagt Benguerel. Auch einen kleinen Bagger und einen Betonmischer hat der Heli auf den Burgstock gehievt.

Der Installationsplatz auf dem Burgstock. Die schweren Säcke und den Bagger hat ein Heli hierhin transportiert.

Der Installationsplatz auf dem Burgstock. Die schweren Säcke und den Bagger hat ein Heli hierhin transportiert.

Bild: Mario Testa

Wie genau die Mauer nach der Sanierung aussehen wird, wie viele Löcher bestehen bleiben oder wieder gestopft werden, sei noch nicht bis ins letzte Detail geklärt, sagt Simone Benguerel. «Es ist ein Herantasten. Gewisse kleine Löcher, beispielsweise von den Holzpfählen, die damals benutzt wurden, um das Gerüst beim Burgbau mit der Wand hochzuziehen, lassen wir so.» Das seien dann auch gute Nischen für Tiere.

«Wir stopfen nicht jedes Loch, aber so viel, dass nichts Neues mehr aus der Wand herausbricht.»

Für die Archäologin geht die Arbeit nun im Büro weiter. Fundgegenstände hat sie zwar nicht gefunden, aber dank ihrer Dokumentationen versucht sie sich nun ein besseres Bild der Geschichte der Burg zu machen, die laut den ältesten Dokumenten seinerzeit im ausgehenden 13. Jahrhundert von den Herren von Bussnang als Neue Burg gebaut wurde. Auch ein 3D-Modell soll entstehen. Zurück sein wird Benguerel mit ihrem Team bei der Endgestaltung des Geländes. «Dann sind auch die Bürgergemeinde als Grundbesitzerin und die Stadt Weinfelden involviert.»

45 Meter lang und bis zu vier Meter hoch ist die freigelegte Mauer der Ruine Neuburg.

45 Meter lang und bis zu vier Meter hoch ist die freigelegte Mauer der Ruine Neuburg.

Bild: Mario Testa

Abgeschlossen sein sollen die archäologischen Arbeiten dann im Herbst. Und am Tag des Denkmals vom 11. und 12. September sei Weinfelden dieses Jahr ein Schwerpunkt. «Dann gibt es sicher auch Veranstaltungen hier auf dem Burgstock», sagt Simone Benguerel.