Weinfelden
«Mein Herz ist dort, wo das Theater ist» – Theaterpädagogin Dunja Tonnemacher zieht es nach Weinfelden

Dunja Tonnemacher ist die neue Leiterin der Fachstelle Theaterpädagogik im Theater Bilitz. Sie will Kindern und Jugendlichen das Schauspiel in «Blitz-Klassen» näher bringen.

Johanna Lichtensteiger
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Dunja Tonnemacher hat 2021 die Leitung der Theaterpädagogik im Theater Bilitz übernommen.

Dunja Tonnemacher hat 2021 die Leitung der Theaterpädagogik im Theater Bilitz übernommen.

Bild: PD

Sie sind Verantwortliche für die Schulprojekte am Theater Bilitz. Können Sie erklären, was die Blitz-Klassen sind?

Dunja Tonnemacher: Die Schulklassen setzen sich nach einer Einführung intensiv mit zwei Theaterstücken auseinander. Gemeinsam schauen wir uns vertieft Inhalte und Kontext an. Mit Wahrnehmungsaufträgen vorbereitet gehen sie dann in die Vorstellungen. Im Anschluss halten die Kinder ihre Beobachtungen und Erfahrungen als Text, Podcast oder Video fest.

Was sind Wahrnehmungsaufträge?

Die Kinder bekommen Fragen zu ihrem persönlichen Erleben, wie auch Spiel, Gestaltung oder Umsetzung des Stückes. Zum Beispiel, wo sie überrascht wurden oder warum wohl die Farben der Kostüme gewählt wurden.

Wie lange gibt es Blitz-Klassen bereits und haben Sie Änderungen an dem Programm Ihrer Vorgängerin vorgenommen?

Das Format wurde vergangenes Jahr erstmals angeboten. Wegen Corona konnten Klassen die Vorstellungen leider nur eingeschränkt besuchen. Dieses Jahr habe ich die Theaterpädagogik beim Bilitz neu übernommen. Ausser ein paar Erweiterungen bei anderen Formaten, lasse ich das Programm grundsätzlich gleich. Aber das steht alles auf der Website.

Für welche Schulklassen und Lehrpersonen sind Blitz-Klassen geeignet?

Blitz-Klassen sind ab der 3. Klassen geeignet, andere Formate bereits für jüngere Altersstufen. Einige unserer theaterpädagogischen Angebote können auch von den Lehrpersonen selbstständig durchgeführt werden.

Sie sind gelernte Hotelfachfrau, wie kamen Sie zur Theaterpädagogik?

Während meines Betriebswirtschaftsstudiums war ich Teil der Hochschultheatergruppe und habe das Theater seither nicht verlassen – dort ist mein Herz. Einige Jahre nach dem Studium habe ich festgestellt, dass mir mein Hauptberuf nicht gefällt. Ich habe eine Kehrtwendung und damit meine Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht.

Bei den Blitz-Klassen dürfen Kinder selber Szenen auf der Bühne des Theaterhauses nachstellen.

Bei den Blitz-Klassen dürfen Kinder selber Szenen auf der Bühne des Theaterhauses nachstellen.

Bild: Luca Linder

Was hat Sie zu Beginn ins Theater gebracht?

Der Schlüsselmoment kam für mich während meiner Maturazeit. Unser Englischlehrer nahm mit uns Shakespeares «Othello» auseinander. Wir untersuchten die altenglischen Sätze und es war knochentrocken. Erst als wir ins Theater gingen, wurde «Othello» lebendig. Zum ersten Mal verstand ich, was Theater ist. Die Theatertür war für mich aufgegangen. Das möchte ich den Kindern auch ermöglichen. Mit unseren Angeboten möchte ich diese Brücken schaffen. Sie sollen die Kunst erleben, mittels Blitz-Klassen insbesondere den aktiven Austausch über Kunst. Zu oft gehen Menschen nach einer Vorstellung weiter, ohne aktiv zu reflektieren.

Die vergangene Zeit war bekanntlich schwierig für die Kulturbranche, wie erging es Ihnen?

Im Vergleich mit den Bühnenschaffenden blieb ich glücklicherweise verschont. Ich konnte direkt nach den Sommerferien 2020 mit angepassten Projekten wieder einsteigen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft mit der Theaterpädagogik?

Die Theaterpädagogik sollte für alle Kinder gratis zugänglich gemacht werden. Beispielsweise Wahrnehmung, kritisches Denken oder Reflexion kann dadurch geschult werden und vielleicht findet die eine oder der andere in der Kunst Freiheit.

Hinweis: Informationen unter www.theaterblitze.ch

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