Weinfelden
Helligkeit und Farbe kehren in die Kirche zurück

Die katholische Kirche in Weinfelden wird saniert. Nach dem Entfernen der Einrichtung kommt nun die Bohrmaschine zum Zug.

Johanna Lichtensteiger
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Roger Häfner (links), Präsident Kirchenvorsteherschaft, und Peter Büchel, Architekt, blicken von der Empore ins Kirchenschiff.

Roger Häfner (links), Präsident Kirchenvorsteherschaft, und Peter Büchel, Architekt, blicken von der Empore ins Kirchenschiff.

Bild: Andrea Tina Stalder

Wer in eine leere Kirche geht, tut dies oft bedacht und vermeidet jeglichen Lärm. In der katholischen Kirche in Weinfelden wird dies für geraume Zeit nicht notwendig sein, denn die gewohnte Stille ist dem Hämmern und Schleifen der Sanierungsarbeiten gewichen. «Zuletzt wurde die 120-jährige Kirche vor 60 Jahren saniert», sagt Roger Häfner-Neubauer, Präsident der Kirchenvorsteherschaft.

Alles musste weg

Architekt Peter Büchel begleitet die Sanierung.

Architekt Peter Büchel begleitet die Sanierung.

Bild: Andrea Tina Stalder

Doch bevor die Kirche zum Ziel der Bohrmaschinen wurde, wurden das Mobiliar und kirchliche Objekte sorgfältig entfernt. Marienstatue oder Weihwasserbehälter finden im temporären Gebetszimmer im Pfarreizentrum Zuflucht, Hochzeitsbank und Lesepult kommen von nun an ins Lager im Estrich der Kirche.

«Die kantonale Denkmalpflege bestimmt, welche Objekte als historisch wertvoll eingestuft werden und deshalb behalten werden müssen», sagt Häfner-Neubauer. Es sei üblich, dass Objekte zwar weggeräumt werden, aber bei den Kirchen blieben, die sie einst belebten, sagt Peter Büchel: «Eine Kirche ist nicht statisch, sie verändert sich immer.» Der Architekt begleitet das Projekt. Zu den Objekten im düsteren Estrich werden sich bald auch die Nord- und Südtür gesellen, da sie aus brandschutztechnischen Gründen durch nach aussen schwingende Türen ersetzt werden müssen.

Die katholische Kirche in Weinfelden von aussen.
7 Bilder
Im Estrich werden Objekte mit historischem Wert gelagert
Der Blick von der Empore zum Chorraum.
Architekt Peter Büchel zeigt die abgedeckten Hochaltäre. Es handelt sich um Holz, welches wie Marmor erscheint.
Ein Teil des Bodes wurde bereits entfernt, daneben sind noch die alten Platten zu erkenne.
Auf dem Parkett standen früher die Bänke, diese wurden nun zur Restaurierung ausgelagert.
Der Altar im Chorraum wird von Folie geschützt.

Die katholische Kirche in Weinfelden von aussen.

Bild: Andrea Tina Stalder

Was nicht eingelagert oder wiederverwendet wird, findet in Rumänien ein neues Zuhause. Roger Häfner sagt: «Wir haben uns bei Menschen mit Beziehungen nach Osteuropa erkundigt, ob Interesse an Mobiliar wie Stühlen oder Opferkerzenständer besteht. Die Kolping-Familie hat sich als einzige gemeldet und so kommt nun alles nach Rumänien.» Dort werden die Objekte für die Ausstattung neuer Kirchen benutzt.

Die Arbeiten gehen los

Da die meisten Objekte die Kirchen nun verlassen haben, konnten die Sanierungsarbeiten im Innenraum beginnen. Der Boden wurde aufgerissen, durch das Kirchenschiff spannen sich Zeltplanen und die Luft ist gefüllt vom Geruch nach Verputz. «Beim Gewölbe müssen wir nur das übliche Putzen und Ausbessern von Rissen machen. Das Meiste, was wir rausgenommen haben, war in einem guten Zustand, abgesehen von gelegentlichem Wurmholz. Der Boden hingegen stellt eine Herausforderung dar», sagt Architekt Büchel.

Die Sanierungsarbeiten sind im Kircheninnern im Gang. Unten im Bild ist zu erkennen, dass der Boden teilweise schon entfernt wurde.

Die Sanierungsarbeiten sind im Kircheninnern im Gang. Unten im Bild ist zu erkennen, dass der Boden teilweise schon entfernt wurde.

Bild: Andrea Tina Stalder

Man habe festgestellt, dass unter den Keramikplatten oft hohle Stellen waren, und habe deshalb entschieden, den Boden durch einen identisch aussehenden zu ersetzen. Zusätzlich kommt durch einen Konstruktionsfehler, basierend auf dem Bauwissen vor 60 Jahren, beim Entfernen nicht nur die einzelne Platte weg, sondern auch der darunterliegende Mörtel.

Beim Entfernen der Bänke sei unter den hintersten drei Bankreihen historischer Boden hervorgekommen, was bedeute, dass diese Bänke erst später hinzugefügt worden seien, sagt Häfner-Neubauer. Unbewusst baue man also die Kirche wieder in ihren Originalzustand zurück, denn diese Bankreihen kommen nicht zurück. Der Platz zuhinterst in der Kirche soll in Zukunft anders genutzt werden.

Ab in die Höhe

«Sobald der Boden saniert ist, werden wir Gerüste erstellen und beginnen das Gewölbe, die innere Schale zu reinigen», sagt Peter Büchel. Anfangen werde man über der Empore, denn vorne in der Kirche sei bald ein Elektrobagger am Werk. Er wird den Aushub für das neue Lüftungssystem erstellen. Neben der Luftqualität werde auch die Heizung der Kirche in Zukunft verbessert.

Roger Häfner ist Präsident der Kirchenvorsteherschaft.

Roger Häfner ist Präsident der Kirchenvorsteherschaft.

Bild: Andrea Tina Stalder

Auch geändert wird der Altar im Chorraum. «Der Hochaltar und die Seitenaltäre bleiben gleich, sie werden gereinigt und erscheinen dann wieder heller», sagt Büchel. So werde auch der Rest der Kirche Helligkeit und Farbe zurückgewinnen. Das Gewölbe, welches momentan rauchig weiss aussieht, habe ursprünglich verschiedene Farben gehabt. Und tatsächlich lässt sich in der Mitte ein noch schwaches Mintgrün erkennen.

Roger Häfner sagt: «Wir wollen mit der Neugestaltung Flexibilität für die Zukunft schaffen, falls sich die Bedürfnisse in 15 Jahren ändern.» Aus diesem Grund diskutiere man momentan auch über eine technische Ausstattung, welche das Übertragen von Gottesdiensten erleichtern würde.

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