«Weinfelden hat keine Visionen»: Kritik an Antwort auf Interpellation zur Energie- und Klimastrategie der Stadt

Reto Frei hat eine Antwort vom Stadtrat auf seine Interpellation zur Energie- und Klimastrategie erhalten.

Sabrina Bächi
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Photovoltaikanlage auf dem Dach des Sicherheitszentrum in Weinfelden.

Photovoltaikanlage auf dem Dach des Sicherheitszentrum in Weinfelden.

(Bild: Mario Testa)

«Ich vermisse ein Ziel, ein visionäres Zeichen», sagt Reto Frei. Er sitzt für die Grünen im Weinfelder Stadtparlament und hat vergangenes Jahr eine Interpellation eingereicht zur Energie- und Klimastrategie der Stadt. Die Interpellation mit acht Fragen haben zehn Parlamentarier unterzeichnet.

Nur einer, Samuel Curau (JA) gehört nicht der Fraktion der SP, GP und GLP an. Das das Thema bei den Parlamentariern auf so wenig Interesse stosse, habe ihn schockiert, sagt Frei. Er ist selbst Energie- und Energiestadtberater und weiss, wie verschiedene Gemeinden und Städte im Kanton bezüglich Klimastrategie aufgestellt sind. Deshalb betrachtet er die Antwort auf seine Interpellation auch kritisch.

Er ist nicht mit allem einverstanden. Sagt jedoch: «Ich finde es bemerkenswert, dass sich der Stadtrat selbst rügt bezüglich seiner Informationspolitik in Sachen Energie. Er könnte wirklich öfters transparent darüber informieren, was im Bereich Energie und Klima getan wird – gerade auch über die positiven Veränderungen.»

Die Stadt hinkt hinten nach

Auch steht in der Beantwortung, dass Weinfelden mit dem Anspruch Energiestadt Gold zu werden, sich mit den Themen intensiv auseinandersetze. Doch gerade wenn es um ein Leitbild geht, findet Frei, hinkt die Stadt hinten nach. «Allgemein verweist der Stadtrat in der Beantwortung auf tolle Projekte, mit denen die Stadt nur indirekt zu tun hat», sagt Frei.

Man könnte etwa die Energieberatung forcieren oder Info-Veranstaltungen für die Bevölkerung organisieren. «Wenn man das Goldlabel als Energiestadt will, dann erwarte ich ein anderes Auftreten», moniert Frei. Weinfelden erfülle oft den Standard, unternehme jedoch keine weiteren eigenen Anstrengungen.

Reto Frei, Stadtparlamentarier Grüne Partei

Reto Frei, Stadtparlamentarier Grüne Partei

(Bild: Sabrina Bächi)
«Konkrete Ziele und Massnahmen fehlen mir hier gänzlich.»

Energiekommission sei zu wenig breit aufgestellt

Weiter heisst es in der Antwort, dass die städtische Energiekommission den Auftrag erhalten habe, die Energiestrategie aus dem Jahr 2015 zu überarbeiten.

Auch wenn Frei diesen Ansatz begrüssenswert und positiv findet, ist ihm die Kommission – und dabei vor allem deren Zusammensetzung – ein Dorn im Auge. «Es sind nur drei Personen, die dazu gehören. Ein Stadtrat, ein Vertreter der Technischen Betriebe Weinfelden (TBW) und ein Parlamentsmitglied – das sind zu wenige, denn eine andere Meinung als die des Stadtrates hat in diesem Gremium keine Chance, da die TBW ja auch zur Stadt gehört», resümiert der Parlamentarier.

Er findet, es müssten Verbände, Schulen, Fachleute und eine Bürgervertretung in dieser Kommission dabei sein. Frei hofft an der nächsten Parlamentssitzung am 12. März auf eine Diskussion zu diesem Thema. «Ich werde auf jeden Fall dranbleiben.»

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