Weinfelden
Guter Lesestoff statt überfülltem Kasten: Zwei Frauen entrümpeln den Offenen Bücherschrank in Weinfelden

Seit über fünf Jahren gibt es den Offenen Bücherschrank in der ausrangierten Telefonzelle beim Thurgauerhof. Passanten können Bücher dort gratis mitnehmen und hinbringen. Mit der Ordnung hapert es aber des Öftern.

Mario Testa
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Regine Wüest und Sonja Tomaselli kümmern sich nun um den Offenen Bücherschrank. Sie haben ihn bereits kräftig entrümpelt.

Regine Wüest und Sonja Tomaselli kümmern sich nun um den Offenen Bücherschrank. Sie haben ihn bereits kräftig entrümpelt.

Bild: Mario Testa

«Ich nütze den Bücherschrank oft, bin auch schon sonntags hierher gekommen, um mir ein neues Buch auszusuchen», sagt Sonja Tomaselli. Aber leider treffe sie oft ein grosses Durcheinander an in der 2015 zum Offenen Bücherschrank umfunktionierten Telefonkabine. «Es gibt Leute, die stellen ganze Säcke voller Bücher einfach in die Kabine, andere quetschen ihre Bücher ins ohnehin schon volle Regal. So ist es nicht sehr anmächelig, ein Buch zu suchen.»

Deshalb hat sie sich auch bei Valentin Hasler gemeldet, dem für die Bücherkabine zuständigen Stadtrat. Sie hat angeboten, sich um den Bücherschrank zu kümmern. Das macht seit gut einem Jahr auch schon Regine Wüest, nun teilen sich die beiden Frauen diese Aufgabe. Ohne Betreuung hätte der Bücherschrank sonst auch geschlossen werden können. «Wir werden nun alle zwei Wochen abwechselnd den Schrank ausmisten», sagt Tomaselli. Sieben grosse Abfallsäcke und zwei Kisten Bücher habe sie vergangene Woche entsorgt. Nun präsentiert sich der Schrank aufgeräumt.

Grosse Leidenschaft für Bücher

Noch bis vor einem Jahr war der Lernende der Stadt Weinfelden für den Bücherschrank zuständig. «Aber es ist halt schwierig, wenn das jemand machen muss, der nicht unbedingt eine Leidenschaft für Bücher hat», sagt Sonja Tomaselli. Deshalb greift sie nun Regine Wüest, die sich auch sehr für Bücher interessiert, unter die Arme. Beide finden, das Angebot müsse unbedingt erhalten bleiben.

«Ich treffe sehr oft Leute an, die sich hier ein neues Buch holen», sagt Regine Wüest.« Jetzt haben viele Leute ja auch mehr Zeit zum Lesen als sonst.» Am beliebtesten seien Romane und Krimis. «Die sind immer schnell weg, wir hoffen deshalb auch, dass vermehrt solche Bücher hier deponiert werden.»

Seit vergangenem Sommer präsentiert sich der Offene Bücherschrank im neuen Gewand, Stadtrat Hans Eschenmoser weihte ihn ein. Zuvor zierten unzählige Post-its den Schrank.

Seit vergangenem Sommer präsentiert sich der Offene Bücherschrank im neuen Gewand, Stadtrat Hans Eschenmoser weihte ihn ein. Zuvor zierten unzählige Post-its den Schrank.

Bild: Mario Testa (Weinfelden, 3. Juli 2020)

Sachbücher und alte Bildbände seien Ladenhüter, und deshalb werden sie die beiden Frauen auch mehrheitlich ausmisten. «Es braucht einfach auch genug Platz im Regal. Wenn alles vollgestopft ist, ist es nicht attraktiv», sagt Sonja Tomaselli. Sie und Regine Wüest engagieren sich ehrenamtlich für den Offenen Bücherschrank, einen Lohn bekommen sie dafür nicht. «Aber Weinfelden ist halt doch eine Stadt, und ein solches Angebot steht ihr gut. Da braucht es Engagement, um den Bücherschrank zu erhalten.»