Weinfelden
Eröffnung im Rathaus und Führung zwischen alten Dachbalken: So war der Tag des Denkmals

Der Europäische Tag des Denkmals fand auch unter Mitwirkung des Thurgaus statt. Die Eröffnung und einige Führungen gab es in Weinfelden.

Manuela Olgiati
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Die Besucher erfahren von Archäologe Willy Tegel alles über die Analyse der Jahrringe am Dachstock.

Die Besucher erfahren von Archäologe Willy Tegel alles über die Analyse der Jahrringe am Dachstock.

Bild: Manuela Olgiati

Reich befrachtet beginnt der Denkmaltag im historischen Rathaussaal in Weinfelden. An der Eröffnung am Samstag nehmen 60 Gäste teil. Kantonsarchäologe Hansjörg Brem spricht von einer «Tour d’Horizon». 23 Veranstaltungen im Thurgau im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals unter dem Thema «Gewusst wie» haben die Ämter für Archäologie und Denkmalpflege gemeinsam auf die Beine gestellt. Brem sagt:

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem

Bild: Manuela Olgiait
«Denkmaltage erlauben es seit 1998 der Öffentlichkeit, mehr als sonst zu erfahren.»

Die Hälfte der Veranstaltungen war allerdings bereits nach kurzer Zeit ausgebucht, sagen die Organisatoren. Regierungspräsidentin Monika Knill sagt: «Ich weiss aus eigener Erfahrung von Überraschungen beim Umbau alter Bausubstanz.» Kulturgut pflegen brauche Dialoge sagt Denkmalpfleger Giovanni Menghini. So manche Handwerkerbibliothek sei bei einer Geschäftsaufgabe in der Kehrichtverbrennung gelandet. Menghini sagt: «Im Thurgau haben 240 Handwerker ihr Handwerk in der Denkmalpflege abgeschlossen.»

Praktische Einblicke unter dem Dach

Für die Publikation der Kunstdenkmäler der Schweiz haben Experten Dachstühle im Schulhaus Schwärze und Scherbenhof untersucht. Beide Gebäude sind nach 1549 erbaut, jedoch in unterschiedlicher Konstruktionsweise. Sie ermöglichen einen Einblick in die historische Zimmermannskunst und die Dendrochronologie.

Archäologe Willy Tegel führt eine Gruppe auf den Schwärze-Dachstock. «Die nachträglich über der Eingangstür angebrachte Jahreszahl ‹1409› bezieht sich auf eine schriftliche Erwähnung, nicht aber auf die Erbauung des Gebäudes», sagt Tegel. Das trutzige Gebäude mit massivem Erd- und Obergeschoss mit spätgotisch gegliederten und geformten Fensterwänden weist darüber ein leicht auskragendes Stockwerk in Fachwerkkonstruktion unter einem mächtigen Satteldach mit Halbwalm aus.

Ein Bohrgerät ermöglicht die Analyse

Holzverbindungen im Dachgebälk des Scherbenhofs

Holzverbindungen im Dachgebälk des Scherbenhofs

Bild: Manuela Olgiati

«Fichtenbalken, um die 100 Jahre alt, waren frisch gefällt, gleich ins Gefüge eingepasst», sagt Tegel. Ab dem 16. Jahrhundert wurden keine solchen Holzdachstühle mehr gebaut. Dendrochronologie mit einem simplen Bohrgerät ermöglicht eine genaue Jahrringanalyse. Tegel zeigt den Besuchern einige hundert Jahre alte Bohrkerne.

Die unterschiedlichen Bautraditionen solcher Holzverbindungen zeigt im Scherbenhof Archäologe Bernhard Muigg. Der Dachstuhl lässt sich durch dendrochronologische Untersuchungen präzisieren. In wenigen Minuten haben die Archäologen viel Wissen vermittelt.

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