Weinfelden: Ernüchterung beim HCT-Match in der Güttingersreuti

Am Sonntagabend rauften sich die Zuschauer des vierten Playoff-Halbfinalspiels die Haare. Nach der 1:5 Niederlage müssen die Fans mit ihrem Team um den Einzug ins Finale bangen.

Viviane Vogel
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Kein erfolgreicher Abend: Die Thurgauer verlieren 5:1 gegen La Chaux-de-Fonds (Bild: Donato Caspari)

Kein erfolgreicher Abend: Die Thurgauer verlieren 5:1 gegen La Chaux-de-Fonds (Bild: Donato Caspari)

Tapfer und bis zum bitteren Schluss stehen die Fans des Thurgauer Hockey Clubs ihren Idolen bei. Besonders im ersten Drittel müssen sie leiden: Der Frust beginnt schon nach 46 Sekunden und lässt für kurze Zeit den Fanblock, der den HCT mit Megafon und Fahnen johlend anfeuert, verstummen.

Bereits im ersten Drittel müssen die Thurgauer Leuen vier Treffer ihres Gegner verkraften, was ihre Fans zu einem gepeinigten, kollektiven Aufstöhnen bringt. Während die Gesichter auf der einen Seite der Tribüne immer ausdrucksloser werden, singt der Fanblock auf der anderen Seite immer euphorischer, mit Händen und Hämmern in der Luft.

Die Stimmung heizt sich mit jeder Chance der Gäste aus La Chaux-de-Fonds weiter auf. Mit dem dritten und vierten Goal schwappt die Spannung dann auf die Spieler über und es kommt kurz vor der Pause zu einer kleinen Rangelei auf dem Spielfeld.

Eine Niederlage vor Rekordpublikum

Der HCT hat es zum ersten Mal seit 21 Jahren ins Playoff Halbfinale geschafft. Auch deswegen haben rekordverdächtige 2738 Zuschauer ihren Weg in die Eishalle gefunden, um dem vierten Halbfinalspiel beizuwohnen. Eishockey-Fan Alexander Rutz ist sich sicher: «Das können wir noch aufholen.»

Die Fans zittern in den letzten Minuten mit dem Team (Bild: Donato Caspari)

Die Fans zittern in den letzten Minuten mit dem Team (Bild: Donato Caspari)

Etwas pessimistischer nach dem rasanten 4:0 klingt es bei Michèle Rietman: «Mein Thurgauer Herz blutet schon etwas. Ich glaube aber an den Verein. Wir haben in der Gütti schon Wunder erlebt.» Doch diesmal gibt es kein Wunder für die Thurgauer, denn im nächsten Drittel folgt das 5:0 für den Gast.

Eine kurze Freude für die Thurgauer

Kein Wunder, wird die Stimmung zunehmend mutloser – trotz des unermüdlichen Singsangs und Trommelschlags des Fanblocks. Immer mehr Rangelei auf dem Eis beschäftigen die Schiedsrichter und immer mehr Flüche auf der Tribüne widerspiegeln den Missmut in der Halle. Leandro, einer der jüngsten HCT-Fans, sagt: «Ein Goal erwarte ich im letzten Drittel schon noch!»

Seine Hoffnung erfüllt sich: Nach 13 Minuten können die Thurgauer zum ersten und einzigen Mal ihre Konfettikanonen zünden und ein Tor bejubeln.

Nach dem Spiel müssen die Fans nun aber bibbern, denn den Neuenburgern fehlt nur noch ein Sieg zur Finalqualifikation. Ob es am Freitag nochmals zu einem dann hoffentlich erfolgreichen Kampf des HCT in der Gütti kommt, zeigt sich am Mittwoch.

Die Fans des HCT sind sichtlich niedergeschlagen (Bild: Donato Caspari)

Die Fans des HCT sind sichtlich niedergeschlagen (Bild: Donato Caspari)

Entscheidung fällt auswärts

Am Mittwoch spielt der HCT auswärts das fünfte Spiel der best-of-7-Serie. Die Neuenburger können dank ihrer 3:1-Führung mit einem Sieg Zuhause den Sack zu tun und sich für den Final qualifizieren. Wenn der HCT gewinnt, kommt es am Freitag zu einem weiteren Spiel in der Gütti. Sollten die Thurgauer ihr Heimspiel dann gewinnen, fällt die Entscheidung am Sonntagabend in La Chaux-de-Fonds. (mte)

Interview

HCT-Trainer Mair: «Das 1:0 war moralisch ein Schlüsselspiel»

Während La Chaux-de-Fonds’ Trainer Serge Pelletier auf der Spielerbank den Gentleman mimt, coacht Thurgaus Stephan Mair seine Mannschaft im diesjährigen Playoff mit viel Leidenschaft. Und der 51-jährige Italiener scheint auch im Halbfinal gegen den Qualifikationssieger das richtige Rezept gefunden zu haben. Am Freitag um 19.45 Uhr kommt es im Neuenburger Jura zum dritten Aufeinandertreffen. Die Best-of-7-Serie steht 1:1 ausgeglichen.
Matthias Hafen