Weinfelden
Drittklässlerin Ronja schreibt Regierungsrat Urs Martin einen Brief und wird zum Gespräch eingeladen

Ronja war wütend. Wegen Corona wurde ihr Skilager abgesagt. Das konnte sie nicht verstehen. Also schrieb sie Regierungsrat Urs Martin einen Brief und beschwerte sich. Prompt lud er sie zu einem Treffen ein. Dort diskutierten sie über die Coronapandemie und über die Umweltprobleme. Martin findet es toll, dass sich eine so junge Person schon politisch interessiert. Und Ronja weiss nun: Sie will auch Regierungsrätin werden.

Sabrina Bächi
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Ronja sitzt mit ihren Fragen bei Regierungsrat Urs Martin im Büro. Dieser hält den Brief, der alles ins Rollen brachte.

Ronja sitzt mit ihren Fragen bei Regierungsrat Urs Martin im Büro. Dieser hält den Brief, der alles ins Rollen brachte.

Bild: PD (Frauenfeld, 20. Januar 2021)

Ein abgesagtes Skilager, die Klimakrise und alte Leute im Restaurant. Das waren die Gründe, warum Ronja aus Weinfelden Regierungsrat Urs Martin einen Brief schrieb. «I bi verruckt gsi», sagt die Drittklässlerin. Wütend darüber, dass wegen der Pandemie nun auch noch das Skilager abgesagt ist. «Mein Mami sagte dann, dass ich ja etwas dagegen tun kann und nicht einfach nur wütend sein soll», erklärt Ronja ihre Entscheidung, den Brief zu verfassen.

So kam es, dass Regierungsrat Urs Martin Anfang Jahr einen Brief aus Weinfelden in der Post hatte. Mit drei Wünschen: «Ich finde es wichtig, dass der Klimawandel nicht vergessen geht, dass man nicht mit den Coronaregeln übertreibt, und ich finde es nicht gut, dass es in den Restaurants mehr alte und gefährdete Leute als junge Menschen hat.»

Papi muss draussen warten

«Ich habe mich sehr über diesen Brief gefreut», sagt Regierungsrat Urs Martin. Er habe daraufhin seinerseits einen Brief verfasst und Ronja zu sich ins Regierungsgebäude zu einem Gespräch eingeladen. Vergangenen Mittwochnachmittag fand das besagte Treffen statt. Ronja war vorbereitet. Sie hatte sich Fragen notiert und diese in einem Mäppli mitgenommen. «Ich fragte sie, ob Papi auch mitkommen soll. Das verneinte sie, also sprachen wir in meinem Büro zu zweit über ihren Brief», sagt Martin.

Sie diskutierten etwa darüber, warum denn das Skilager nicht stattfinden kann. Wegen ihrer Vorliebe für Mathe hat Urs Martin Ronja das Budget des Kantons gezeigt. «Wir haben uns die grossen Zahlen angeschaut, die der Kanton ausgibt. Das hat sie schon beeindruckt», sagt er. Martin freut sich darüber, dass er mit einer so jungen und doch schon politisch interessierten Person sprechen konnte.

Urs Martin, Regierungsrat

Urs Martin, Regierungsrat

Bild: Donato Caspari
«Sie hat sehr gut Fragen gestellt. Es war eine Begegnung, die mir sicher mehr in Erinnerung bleiben wird als viele andere.»

Dass es ihr genau so geht, hoffe er. «Aber auf der Broschüre mit dem Foto aller Regierungsräte hat sie mich nicht erkannt. Als ich fragte, ob sie mich auf dem Foto erkenne, zeigte sie auf Walter Schönholzer», sagt Martin und lacht herzlich. Mit der Maske, fügt er an, sei es aber auch schwierig, die Leute zu erkennen.

Sie sagt gern ihre Meinung

«Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Regierungsrat mir zurückschreibt», sagt Ronja. Es war daher eine positive Überraschung für sie. «Zuerst hat er mir das Regierungsgebäude gezeigt», erzählt sie. Dann habe sie ihn gefragt, warum denn das Skilager nicht stattfinden dürfe. «Wir sind ja in der Schule auch so viele Schüler, die zusammen in einem Zimmer sitzen. Er sagte, das geht nicht, weil wir in einem Lager auch zusammen essen und gemeinsam in einem Zimmer schlafen.»

Auch die Umwelt liegt der jungen Weinfelderin am Herzen. «Ich finde es nicht gut, wenn Tiere wegen uns Menschen sterben müssen», sagt sie. Solche Themen diskutiere sie öfters mit ihren Eltern. Generell findet Ronja, sei es wichtig, seine eigene Meinung zu sagen. Alle Kinder sollten das. Ihr Fazit des Treffens:

«Ich finde ihn nett und möchte selbst auch mal Regierungsrätin werden. Es ist ein spannender Beruf und ich kann dann allen meine Meinung sagen.»

Nach einer halben Stunde gingen der Schülerin die Fragen aus. «Ich hätte noch mehr Zeit gehabt, aber ich denke, das, was sie mir sagen wollte, konnte sie mit mir besprechen», sagt Urs Martin. Er würde es begrüssen, wenn sich vermehrt junge Menschen mit politischen Themen auseinandersetzten. «So fand ich auch den Weg in die Politik», sagt Martin.